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Montag, 9. Juni 2014

Kaffeefahrt zur Störung der Totenruhe........Mit UETD- und Diyanet Tours unterwegs in den Niederlanden...........Darum braucht ganz Europa das Schweizer Antirassismus Gesetz

Mai und Anfang Juni waren sehr ereignisreich.
Es gab zwei skandalös schlechte und diskriminierende Artikel des Nachrichtenmagazins Focus, eine erfreuliche Entscheidung des EMGR und vor allem eine Kaffeefahrt zur Störung der Totenruhe.


Kaffeefahrt nach Almelo mit (V)Erkaufsveranstaltung

Am 24.April 2014 wurde im niederländischen Almelo die größte armenische Genozidgedenkstätte der Europäischen Union eingeweiht.

Einweihung des armenischen Genoziddenkmals im niederländischen Almelo. In seiner Architektur ist es stark an Tsitsernakaberd in Yerevan angelehnt

Bei der Einweihung selbst noch konnte von wenigen dutzend unbelehrbaren Wirrköpfen gesprochen werden, die sich die Gelegenheit nicht nehmen ließen, ihren Rassenhass und ihre Unfähigkeit zu qualifizierter Reflexion über Geschichte zur Schau stellen zu müssen, wie man sie leider häufig bei Einweihung von Gedenkstätten und Mahnmalen findet.
Anders jedoch am Sonntag, den 01.Juni 2014. An diesem Tag wurde Almelo zum Ausflugziel von 4000 bis 5000 per UETD und Diyanet Tours kostenlos Reisenden. Beinahe zeitgleich wird in Deutschland eine Studie publiziert, dass Migranten den seit mehr als drei Generationen Deutschen immer ähnlicher werden. Dass diese Studie vom Vorhaben der beiden türkischen Verbände wusste und sie als Kaffeefahrt wertete, ist unwahrscheinlich aber möglich. Sieht man von ihrem Gratischarakter ab, so weißt das Unternehmen jedenfalls einige Parallelen zur klassischen Urform allen deutschen Tourismus auf.
Die Teilnehmer nutzten den Tag, um gemeinsam durch die Stadt zu marschieren, durch die Reiseveranstalter, die UETD (Union of European Turkish Democrats / Union Europäisch Türkischer Demokraten), ein verlängerter in ganz Zentraleuropa agierender Arm der türkischen Regierungspartei AKP, und die Diyanet, verlängerter Arm der türkischen Religionsbehörde, kostenlos per Bus aus allen Teilen der Niederlande, Belgiens, und Nordwestdeutschlands anreisen und verköstigt werden zu dürfen. Dabei lassen sie sich nicht davon stören, im Gegenteil sie hören dabei gerne den Rednern zu, die sie gegen den, nach ihrer Auffassung, armenischen Erbfeind mit einer Reihe von historischen Falsifikationen und inflationär ausgeschlachteten Dolchstoßlegenden einschwören. Dabei schwingen sie zahlreiche von den Veranstaltern zur Verfügung gestellte, bunte Fähnchen, zumeist die türkische Nationalflagge, aber auch Flaggen, die Sympathie zur panturkistischen Ideologie, die ein großtürkisches Reich vom Bosporus, über das Kaspische Meer und Zentralasien bis nach China hinein propagiert, ausdrücken. Wir haben es also, sieht man vom Kostenfaktor ab, mit einer Vielzahl von Merkmalen der klassischen Kaffeefahrt zu tun; die Busfahrt, die Fürsorge für das leibliche Wohl, Sightseeing in einer fremden Stadt und die von Anpeitschern und Rednern geleitete Verkaufsveranstaltung.
- Moment mal! Hat der Autor nicht eben noch gesagt, es sei nichts verkauft worden?
- Irrtum! Es fand kein klassischer Warenverkehr gegen gültiges Zahlungsmittel statt. Verkauft bzw. erkauft wurden jedoch sehr wohl die ideologischen Güter Nationalismus und Rassismus. Totalitäre Organisationen und Staaten fördern seit jeher die Entstehung und den Erhalt von klar definierten Feindbildern. Genau das und nichts anderes ist das Ziel der Veranstalter.

Bild von der Demonstration in Almelo: In altosmanische Trachten, türkische, aserbaidschanische und panturkistische Flaggen schwenkend jubelt die Menge den Rednern zu

Auf den wahrscheinlich von den Organisatoren vorgefertigten Transparenten wird "Hass" angeprangert. So versuchen die Organisatoren ihrer Gefolgschaft zu suggerieren, sie seien die Opfer einer armenoosch-niederländischen Provokation. Offenbar denkt keiner der Demonstranten darüber nach, wie absurd es ist, der Armenischen Gemeinde aufgrund der Nutzung einer Gedenkstätte für Opfer eines veheerenden historischen Verbrechens "Hass" vorzuwerfen. Ausgerechnet UETD und Diyanet erdreisten sich zur Erstellung solcher Plakate, sorgen sie doch selbst z.B. auf dem Friedhof der Berlinder Şehitlik-Moschee für die Verehrung von Architekten des selbigen. Nicht die Armenische Gemeinde von Almelo oder die dortigen Kommunalpolitiker, vielmehr Diyanet und UETD selbst sähen durch solche Transprente und mit ihren Rednern den Hass hinein in die unter einem Fahnenmeer versteckte Menge. Sie sind es, die Grundrechte missbrauchen, um eine Einschränkung der Grundrechte, Meinungs- und Religionsfreiheit, gegenüber der Armenischen Gemeinde zu fordern. Allein schon diese von der zwanghaften Aufrechterhaltung stereotyper Feindbilder, wie sie totalitären Regimen und Gruppierungen zu eigen ist, getriebene Doppelmoral spottet jeder Beschreibung.


„Wir haben sie einmal umgebracht und wir würden es wieder tun“

Die meisten Kaffeefahrtteilnehmer erleben also einen beschaulichen und von den großzügigen Ablegern ihrer Regierungsorganisationen gesponserten Sonntag; Busfahrt, Verköstigung, Völkermordsleugnung und Sündenbockpräsentation im „Rundum-Sorglos-Pakt“ des Veranstalters inklusive. Ansonsten verfahren sie im Nachhinein meist obrigkeitstreu nach dem Motto „Ohne meinen UETD- und Diyanet Tours sag‘ ich gar nichts“.
Die Hashtagsuche bei Facebook fördert aber auch Kommentare zu Tage wie „Wir haben sie einmal umgebracht und wir würden es wieder tun“, sodass man sich im Nachhinein doch irgendwo an die zwischen 1997 und 2003 von der NPD organisierten Aufmärsche gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ erinnert fühlt.


Störung der Totenruhe

Die Kaffeefahrtdemonstration fand in den Niederlanden unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit statt. Nach deutschem Recht wäre eine solche Veranstaltung in unmittelbarer Nähe zu einer Gedenkstätte jedenfalls mehr als fragwürdig, wenn nicht sogar strafbar, heißt es in § 168 StGb „Störung der Totenruhe“:
(1) Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer eine Aufbahrungsstätte, Beisetzungsstätte oder öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt oder wer dort beschimpfenden Unfug verübt.
(3) Der Versuch ist strafbar.“
Gegen Absatz 2 wurde durch die Redner der Veranstaltung mehrfach verstoßen.
Allein dies sollte Anlass genug sein, diese beiden auch in Deutschland operierenden Organisationen, über die darüber hinaus immer wieder Beschwerden von armenischen, aramäischen, griechischen, alevitischen und jüdischen Verbänden vorgebracht werden, verstärkt im Blick zu behalten.
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Die bagatellisierte Gefahr

Auch unter Vertretern alevitischer Verbände steht die Diyanet, unddie UETD ohnehin, in der Kritik. Hierzu möchte soll auf den Beitrag „Ditib: Schaden für die Integration“ BDAJ zur Diyanet von der Facebookseite des BDAJ Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland hingewiesen werden.
Auch das Nachrichtenmagazin Focus verharmloste jüngst türkischen Rassismus. Es stellt in seinem Artikel „Feindseligkeit unter Ausländern – Angriffe von Türken auf Kurden“ die Thematik so dar, als sei sie auf Gangstreitigkeiten zwischen Gangs unter Einfluß der türkisch-rechtsradikalen Grauen Wölfen und links gerichteten kurdisch geprägten Gangs beschränkt. Dabei wird mit Aussagen eines Buchautoren und ehemaligen Polizisten argumentiert, der sich nur ganz am Rande mit Thema beschäftigte. Dass aber mindestens alle autochthonen Minderheiten des türkischen Staatsgebietes betroffen sind, wird ebenso verschwiegen wie die der Einfluss des türkischen Staatsapparates und dessen Minderheitengeschichte. Außerdem geht der Focus nicht darauf ein, dass Mitglieder der Grauen Wölfe, deren Mitgliederzahl in den alten Bundesländern die aller rechts gerichteten Parteien deutlich übersteigt, auch oft zeitglich Mitglieder der o.g. Organisationen sind. Hier wird ein immer größer werdendes Problem durch eines der bedeutendsten Nachrichtenmagazine Deutschlands verharmlost und auf einen seiner äußersten Randaspekte reduziert. Wie groß die politische Sprengkraft der Thematik ist, zeigt sich in den aktuell sowohl in der CDU NRW als auch anlässlich der Anfeindungen seitens Ozan Ceyhun gegen Cem Özdemir in der SPD stattfindenden Debatten bzgl. der extremistischer innerparteilicher Aktivitäten von Mitgliedern türkischer Organisationen. Auch hier konnten sich bislang Aufklärer leider noch nicht gegen notorische Verharmloser durchsetzen.
Dass das Nachrichtenmagazin Focus zu den Verharmlosern des türkischen Rassismus gehört, sich aber andererseits nicht scheut eine inflationäre Kriminalisierung der Kurden zu betreiben, bewies es in seinem grotesk anmutenden, mit medizinischen Halbwahrheiten gespickten Artikel "Gift zum Blubbern".


Ein Schweizer Antirassismus Gesetz für ganz Europa

Ebenso steht die stattgegebene Revision der Schweiz gegen das umstrittene Urteil des EMGR zu Gunsten des türkischen Völkermordsleugnungsreisenden Doğu Perinçek im Juni 2014 auf der politischen Agenda.
Zwar lässt sich, wenn man die Demonstrationen nüchtern betrachtet zwar noch der positive Lichtblick erkennen, dass eine Teilnehmerzahl von zwischen 4000 und 5000 angesichts der angewendeten Lockmethoden sowie der Anzahl türkischstämmiger Migranten im Einzugsgebiet, alles andere als überwältigend ausfiel.
Jedoch wären 4000 bis 5000 Teilnehmer eines Neonaziaufmarsches – die Ausmaße solcher Veranstaltungen müssen angesichts der erläuterten Qualität und Zielsetzung der Veranstalter hier als Referenzgrößen gelten – überall in Europa als alarmierende Zahl zu bewerten. Das sollte auch geschehen. Nicht zuletzt darum, weil die Organisatoren von Politik und Presse immer wieder nicht nur geschont sondern sogar durch Artikel, wie dem angesprochenen aus dem Focus, indirekt unterstützt werden.
Solchen eindeutig rassistischen und totalitären Aktivitäten kann nur Einhalt geboten werden, wenn sie offensiv angesprochen, öffentlich verurteilt und justiziabel gemacht werden. Das Schweizer Antirassismus Gesetz darf nicht durch rassistische und xenophobe Missbräuche der Meinungsfreiheit gekippt werden. Vielmehr sollte es auch in der EU Schule machen.

Mittwoch, 27. März 2013

Unglaubliche Dämlichkeiten beim Thailänder, die Heilkräfte russischer Babkas und Aleviten im Salat oder Ganz alltägliche Begegnungen mit den Bildungslücken und Vorurteilen des deutschen Bildungsbürgertums

Es ist Samstagabend in einer beschaulichen mittelhessischen Kleinstadt mit Bischofssitz. Dass der alte Bischof um Längen besser war als der Neue ist hier zurecht allgemeiner Konsens und spricht sehr für die Domstadt. Ich möchte mir also einen ruhigen und gemütlichen Abend beim Thailänder machen und freue mich auf den im Anschluss geplanten Kinobesuch. Der erste Wehrmutstropfen: Die Heizung ist kaputt, draußen sind es -8°C. Ich muss mich also umsetzen, um die wenige aber dafür gebündelte Wärme des provisorisch aufgestellten Heizlüfters zu nutzen, damit ich mich nicht erkälte. Am Tisch neben sitzen zwei Paare.
Eines der beiden Anfang 50, das andere deutlich jünger, so Anfang 20 und offenkundig, das wird aus den Tischgesprächen deutlich, zwei Lehramtsstudenten. Die Gruppe ist zu viert dort. Bis sie das Restaurant verlassen, kann ich nicht zuordnen, ob das ältere Paar seine Eltern sind oder ihre. Sie führen eine Unterhaltung in einer, gelinde gesagt, für die Nachbartische störenden Lautstärke. Keiner, auch ich nicht, beschwert sich; „Leben und leben lassen“ heißt es ja schließlich. Stattdessen lausche ich, was sie so zu sagen haben.
Die USA werden für ihre Irakpolitik harsch angegangen. – Eine Ansicht, die ich noch irgendwo teilen kann, bevor mir nach und nach übel wird. Man unterhält sich über das russische Gesetz, welches die Adoption von russischen Waisenkindern durch Familien in den verbietet USA. Wortführerin ist unangefochten der weibliche Part des älteren Pärchens.
- „Die Russen haben keine Probleme damit ihre Kinder wegzugeben. Die Russen sind ein sehr menschenverachtendes Volk“, poltert die Dame.
– Ca. 200 Millionen Russen – die Bevölkerung Russlands ist etwas geringer, zählt man aber jene mit, die in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken leben, kommt man ungefähr auf diese Zahl - , alle menschenverachtend? So ein Unsinn! Wenn dem so wäre dürfte es ja gar keine russischen Menschen mehr geben. Zweifelsohne auch ein Produkt der undifferenzierten und durchweg negativen Russlandberichterstattung in den Nachrichtensendungen der deutschen Mainstreammedien. Meiner Erfahrung nach, und das dürfte jeder, der mit Vertretern dieses Kulturkreises zu tun hat oder einmal Russland bereist hat, bestätigen können, lieben viele Russen ihre Familien weit über das Verständnis der westlichen Industrienationen von Liebe und Loyalität, hinaus und viele Europäer könnten sich gerade in punkto emotionale Wärme hier ein Beispiel an ihnen nehmen.
Einige etwas leichtere Gesprächsthemen weiter und ca. 15 Minuten später fängt die bereits erwähnte Dame, eine Bankangestellte in leitender Position, an, über ihren Chef herzuziehen. Nun ja, bis dahin nichts Ungewöhnliches – Welche/r Angestellte tut dies nicht. Bemerkenswert bis ekelerregend ist vielmehr die Art und Weise, in der sie es tut.
- „Mein Chef, den sie mir da jetzt vorgesetzt haben, der ist Holländer. Ey, der hat neulich einen Brief geschrieben, der an ne andere Filiale gehn sollte. Den hab ich nur durch Zufall auf meinem Schreibtisch gehabt. Ich hab in jedem Satz 20 Fehler korrigiert und dann hat der das in einem Tuckendeutsch geschrieben. Ne! Das konnt man net abschigge. Wenn die Käsköpp schon hier arbeidde, dann sollen sie wenigstens deutsch können.“
Ich denke bei mir: Dass das Beherrschen der deutschen Sprache meist eine notwendige Voraussetzung zur Partizipation am Erwerbsleben hierzulande ist, steht natürlich außer Frage. Aus den Worten der Dame spricht jedoch der blanke Neid, den sie in einer Form latenten Rassismus gegen Niederländer äußert, wie man sie bei den Generationen 45+ leider noch sehr häufig vorfindet. Eine gewisse Verbitterung über die wahrscheinlich höhere Gehaltsklasse ihres Chefs ist ebenso evident. Auch ich habe geschäftlich nicht selten mit Kunden in den Niederlanden zu tun und bin immer wieder beeindruckt, wie weit verbreitet dort die deutsche Sprache, trotz der nationalsozialistischen Greueltaten am holländischen Volk, heute dort ist, wie offen und ressentimentlos man mir dort begegnet und vor allem wie grammatikalisch oft makellos die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift erfolgt – von spitzenmäßigen Englisch der Mehrheit der Holländer mal ganz zu schweigen!
Man muss also davon ausgehen, dass die Dame von Neid, Frust und Rassismus getrieben, hier eine verzerrte Wahrnehmung bzgl. der Fähigkeiten ihres Vorgesetzten im Hinblick auf seine Fähigkeiten in der deutschen Sprache, hat und davon sogar derart überzeugt ist, dass sie sich nicht schämt, damit ein ganzes Restaurant zu unterhalten. Ob andere Gäste dies hören wollen oder nicht scheint ihr egal zu sein. So merkt sie nicht einmal, wie ein junger Mann, der in weiblicher Begleitung am Tisch schräg gegenüber von sitzt, sich im Moment o.g. Äußerung zu ihr umdreht, mit den Augen rollt und kopfschüttelnd ein Gespräch mit seiner Begleitung beginnt. Ein Statement, wie es um ihre Kenntnisse der niederländisch-flämischen Sprache steht, bleibt die Bankangestellte natürlich schuldig. Natürlich habe ich mir nichts anmerken lassen, der Appetit am ansonsten überaus leckeren Essen, war mir allerdings vergangen.
Freundlich, höflich und zuvorkommend verabschiedete sich die Dame bei mir, als die vier das Restaurant verließen. Ich entgegnete ebenso mit meinem breitesten Lächeln, ließ es mir aber nicht nehmen durch das Wünschen einer „Spakoinoi nochy“ noch eine kleine aber feine Spitze zu verteilen. Ich weiß es nicht, aber meine an ihrer Mimik erkannt zu haben, dass sie genau verstanden hat, worauf ich durch die Verwendung der russischen Sprache anspielte.
Nun, solch verwirrte Menschen gibt es wohl überall. Für hoch problematisch sehe ich aber im Wesentlichen zwei Aspekte an:
1.) Keiner der 3 Tischgenossen widersprach ihr in irgendeinem Punkt oder relativierte auch nur ihr Parolen und Hasstiraden. Sie scheint also eindeutig als Meinungsbildnerin und Macherin in dieser Familie zu agieren und genießt diesbezüglich eine fatale Autorität, die ihre mehr als bedenklichen Ansichten wuchern lässt.
2.) Die Dame und ihre 3 Begleiter waren keinesfalls irgendwelche dahergelaufenen Bomberjacken tragenden Hobbyglatzen. Ganz im Gegenteil, sie wiesen alles ein sehr gepflegtes Erscheinungsbild auf, bedienten sich nicht selten gehobener Wortwahl und wiesen bei anderen Gesprächsthemen eine profunde Kenntnis des deutschen Bildungswesens sowie in punkto Kunsthistorie auf. Solche Ansichten bei derart gebildeten Menschen? Dabei soll doch Bildung eigentlich das Allheilmittel gegen rechtes und rassistisches Gedankengut sein. Aber würde diese Dame überhaupt merken, dass sie derartiges Gedankengut verbreitet?
Die Antwort ist ein klares NEIN!
Warum? Weil Bildung in diesem Kontext wertlos ist, wenn sie keine Aufklärung beinhaltet. Rechtsradikalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit werden seit einigen Jahren in den deutschen Medien und parteiübergreifend von hochrangingen Politikern komplett und ausschließlich auf Islamphobie und Hass gegen türkischstämmige Migranten beschränkt. Diese beiden Aspekte sind zweifelsohne auch große Problem in der deutschen Gesellschaft, das komplette Phänomen aber darauf zu beschränken, ist aber einfach dumm und gefährlich.
Das Produkt einer solchen Meinungsmache sind Ansichten, wie sie bei der o.g. Dame vorherrschen. Über die Formen von Rassismus, die sie äußert, regt sich skandalöserweise auch niemand wirklich auf. Holländer durch den Kakao zu ziehen ist doch in Deutschland total lustig und bei nahezu jeder Gelegenheit gesellschaftsfähig – schließlich haben die Bösen Rudi Völler angespuckt…Wer nicht rafft, dass der letzte Satz ironisch gemeint war: EINFACH DIE FRESSE HALTEN!
Nach den Erfahrungen dieses Abends muss folgende unbequeme Frage einmal gestellt werden:
Wenn Mohammed Karikaturen einen riesen Medienrummel erzeugen und tagelang in allen Nachrichtensendungen sowie Bestandteil diverser Polittalks sind, warum wird eigentlich so rein gar nicht über den insbesondere vor 1965 geborenen Deutschen vorhanden Hass gegen Mitmenschen aus den Niederlanden ? – Man mag mir vorwerfen, der Vergleich hinke. Dem ist aber mit Nichten so, In punkto Verhältnismäßigkeit liegt bei der hiesigen Berichterstattung einiges im Argen. Und dass die meisten Holländer die dämlichen deutschen Ressentiments mit Humor nehmen, spricht auf ein Neues für die Holländer, nimmt aber zweifelsohne rassistischen Äußerungen wie jenen besagter Bankangestellter nicht die Brisanz.
Um hier Kritik vorzubeugen: Berichte, die zu einer kontroversen Debatte über die Verletzung religiöser Gefühle, egal welcher Glaubensrichtung oder Konfession, führen, müssen natürlich Bestandteil unserer Medienlandschaft bleiben.
ABER: Das Thema Rassismus ist zu komplex, um darauf beschränkt zu werden. Schon in einem früheren Thread habe ich vor dem was jetzt kommt unter einer Fokussierung auf andere Sachverhalte gewarnt.
Welche katastrophalen Auswirkungen die negative Russlandberichterstattung von ARD-Tagesschau, ZDF-heute und RTL Aktuell hat, beweist nicht nur die Dame aus dem Restaurant. Auch war ich über Jahre extrem über die Äußerungen einer guten Bekannten, die ich privat sehr schätze, die aber keine Gelegenheit ausließ, sich abfällig über Russen und andere Vertreter slawischer Völker zu äußern, teilweise schockiert und teilweise sogar regelrecht erbost.
Auch da fielen Äußerungen wie „Die sind alle ekelhaft“, „Menschenverachtendes, brutales Volk“…und der ganze klischeehafte rassistische Nonsens über „die Russen“ und Russland, der es leider heute geschafft hat nicht nur gesellschaftsfähig zu sein sondern sogar in weiten Kreisen des deutschen Bildungsbürgertums als schick zu gelten. Meine Bekannte verfügt übrigens über ein abgeschlossenes Studium und arbeitet in leitender Funktion im technischen Bereich bei der deutschen Filiale eines amerikanischen Weltunternehmens. Hier allerdings freue ich mich sehr, dass sie diese Ansichten inzwischen nicht mehr vertritt. Der Grund dafür ist eine recht schwere, aber niemals lebensbedrohliche Krankheit bei ihr. Sie fuhr über zwei Jahre lang von einem Arzt zum anderen. Aber die Schulmedizin konnte keine Abhilfe, ja nicht einmal eine definitiv verlässliche Diagnose stellen. Durch eine Arbeitskollegin wurde ihr eine russische Babka empfohlen (eine Art traditionelle russische Naturheilkundlerin). Sie behandelt sie bis heute im Behandlungsraum ihrer Wohnung und hat das geschafft, was 4 regional im Rhein-Main-Gebiet sehr angesehene Schulmediziner nicht vermochten. Die körperlich vorher klar sichtbaren Symptome sind bereits vollständig weg. Auch ihre vorher ausschließlich durch die Medien geprägte Sichtweise auf Väterchen Russland und seine Kinder hat sich zum Glück nun um 180° gedreht.
Doch solche Erfahrungen sind leider lange nicht jedem vergönnt und wer nicht die Gelegenheit hat sie zu machen sowie auch jeder andere, lese bitte Folgendes, um nicht alles zu glauben, was die Massenmedien versuchen uns zu suggerieren. Ich möchte mich nun der himmelweit unterschiedlichen medialen Aufmerksamkeit bzgl. zweier Ereignisse widmen, wie sie artverwandter kaum sein könnten: Im Gegensatz zur in einem früheren Thread beschriebenen Ausschlachtung des Pussy-Riot-Prozesses und der damit verbundenen Stilisierung von Grobem Unfug zu revolutionärem Freiheitskampf, muss sich die russische Legislative sicherlich ein gewisses Maß an Kritik für sein Gesetz gefallen lassen, welches die Adoption russischer Waisen durch US-Bürger untersagt. Dieses Thema lief über eine ganze Woche durch alle Nachrichten -, Politik-, und Gesellschaftssendungen auf RTL, ZDF und ARD. Dafür dass dieses Gesetz für Deutschland keinerlei Bedeutung hat, sondern allenfalls für den an den Kalter-Krieg-Reloaded-ähnlichen Beziehungen ganz und gar nicht unschuldigen großen Bruder aus den USA, ist das verdammt viel Sendezeit.
Ganz zu schweigen davon, dass natürlich nur Russland kritisiert wurde und die USA nahezu vollkommen kritiklos davon kamen, was der Sache nicht gerecht wird. Schon das türkische Pendant zum Pussy-Riot-Prozess, die lächerliche Anklage gegen den Pianisten Fazil Say, fand hierzulande nur in den Printmedien ein wenig Beachtung.
Nun aber geht es um ein Thema, das äquivalenter zum russischen Adoptionsgesetz nicht sein könnte. So hat es sich die türkische Regierung auf die Fahnen geschrieben, einer türkischen Mutter dabei zu helfen, ihren bei einem lesbischen Paar in den Niederlanden lebenden Sohn, den sie zur Adoption frei gegeben hat, zurückzuholen.
Die Welt berichtete am 18.03.2013 wie folgt:
- „Die Regierung in Ankara setzt sich vehement für eine Rückkehr des Jungen zu seiner leiblichen Mutter ein. Eine türkische Parlamentskommission für die Menschenrechte will ermittelt haben, dass etwa 5000 Kinder türkischer Herkunft europaweit in "fragwürdigen" Familienverhältnissen lebten. Damit sind christliche und schwule Adoptiveltern gemeint. Am Donnerstag besucht der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte, Chef einer konservativ-sozialen Koalition, und dabei dürfte Yunus Thema werden. Yunus wurde 2004 kurz nach seiner Geburt mit Kopfverletzungen und einem gebrochenen Arm ins Krankenhaus eingeliefert. Seine Mutter behauptete, er sei gefallen. Das Haager Jugendamt glaubte ihr nicht. Auch die älteren Geschwister von Yunus, Arif und Halil, wurden von den Behörden wegen Misshandlung und erzieherischer Mängel ihrer Eltern für die Adoption durch andere lesbische Paare freigegeben. Die Mutter entführte Arif und Halil daraufhin und brachte sie zu den Großeltern in der Türkei. Ein niederländischer Richter verurteilte die türkischen Eltern deshalb zu einer Haftstrafe und sorgte dafür, dass die Kinder an die Nordsee zurückkehrten, wo sie jetzt noch immer leben.“ http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article114525880/Erdogan-Keine-muslimischen-Kinder-fuer-lesbische-Paare.html

Man muss sich das mal überlegen. Es handelt sich hier nicht um ein unbedeutendes Schamützel zwischen zwei übrig gebliebenen Alten Kriegern! Die Regierung in Ankara gibt sich offen rassistisch gegen die mehrheitlich christlichen Adoptiveltern Europas, unverhohlen homophob gegen homosexuelle Paare, die die Größe und Güte besitzen Waisenkindern oder Kinder deren Eltern sie, aus welchen Gründen auch immer abgeben mussten, ein neues Zuhause zu geben. Heute vermeldeten die „Deutsch-Türkischen-Nachrichten“, dass die Regierung Erdogan sogar den Europäischen Menschrechtsgerichthof mit einer Klage, in der sie ein Recht auf türkischstämmig-muslimische Adoptiveltern für Adoptivkinder aus der Türkei fordert, belästigen wird. Das könnte auch hunderte, wenn nicht sogar tausende Adoptiveltern in Deutschland betreffen.
Wer jedoch meint, dieser neuerliche Akt des Rassismus, der Homophobie und Menschenverachtung der Regierung Ankara, der nicht zuletzt durch den Gang nach Den Haag einen Teil unser aller Steuergroschen fressen wird, sei dem deutschen TV eine Meldung wert, ist auf dem Holzweg. Zu groß scheint a) der Einfluß türkischer Lobbys und b) die Angst vor tobenden türkischen Verbänden, die bei jedem Anflug von leisester Kritik die Nazikeule schwingen, fällt diese Meldung doch mit dem Start des Prozess gegen Beate Tschäpe zusammen und ist es doch viel politisch korrekter, 24/7 das OLG München für seine zugegebenermaßen mehr als unglückliche Entscheidung, türkischen Medienvertretern den Zugang zum Prozess zu verwehren, nieder zu machen.
Zu welcher Form von Rassismus gegenüber Russland diese bis zur Unkenntlichkeit verfälschten Bilder der Medien führen, habe ich ausführlich erläutert. Auch wird durch das nahezu vollständige Ausbleiben von Kritik an der Türkei, die nur als faszinierendes und wunderbares Urlaubsparadies dargestellt wird, was sie zweifelsohne auch ist, wird die Sensibilität gegenüber dem, was dort gerade passiert und was durch regierungsabhängige türkische Vereine nach Deutschland hineingetragen wird, die Sensibilität gegenüber der Dimension und Tragweite eines Gesetzes, wie es Ankara in punkto Adoption vorsieht, vollkommen abgetötet.
Hier greift die mit überwältigender Mehrheit wiedergewählte Regierung EU-Anwärter über Jahrhunderte mühsam erworbene Grundwerte von Toleranz und Menschlichkeit an, die es zu bewahren gilt und bekommt dafür viel Applaus im eigenen Land sowie bei türkischstämmigen Migranten in Europa. Wenn „Liderin Lideri“ (Führer der Führer), wie viele Erdogananhänger ihn mittlerweile nennen befiehlt, scheint ein leider immer größer werdender Teil seiner Landsleute ihm auch in die noch so absurdesten Unternehmungen zu folgen. An die mediale Nichtbeachtung der katastrophalen Minderheitenlage im Staat zwischen Bosporus und Euphrat hat man sich traurigerweise ebenso bereits gewöhnt wie daran in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft als Rechtsradikal zu gelten, wenn diese auch nur fragmentär anschneidet.
Neulich noch meinte ein guter Freund mit Abitur und gehobener kaufmännischer Ausbildung zu mir, ich weise ja schon durch meine Kritik an der Türkei – hier liegt schon das erste Fehler, da ich niemals die Türkei als Ganzes, deren Gastfreundschaft, Sprache, Musik, kulinarische Genüsse und touristische Attraktivität ich sehr schätze, kritisiere, sondern mir große Mühe gebe, die korrekten Terminologien türkische Regierung sowie staatlich-türkische Minderheitenpolitik zu verwenden - rechte Tendenzen auf. Darauf ging ich nicht weiter ein und fragte ihn, um die Differenziertheit seiner Aussage zu verifizieren, ob er wisse, wer oder was Aleviten seien und ob er deren Geschichte kenne. Er entgegnete mir ernst, ungelogen, ohne Scham und sich selbst dabei nicht bewusst, was für eine Bildungslücke er im Zuge war zu offenbaren: - „Ja, die sind manchmal im italienischen Salat. Ich esse die aber nicht gerne, das sind, glaube ich, Nachtschattengewächse, oder? Aber wie kommste drauf und was hat das jetzt mit der Türkei zu tun?“