Novitätseffekt macht den Sieger
Conchita Wurst aus Österreich gewinnt deutlich den ESC 2014. Musikalisch deutlich stärkere aber optisch weniger innovative Beiträge aus Schweden, Italien, Armenien, Montenegro oder Norwegen werden auf die Plätze verwiesen. Damit wiederholt sich ein Phänomen, das man bei dieser Veranstaltung in regelmäßigen Abständen beobachten kann; die musikalische Leistung wird vom Eindruck des Novitätseffekts auf die Plätze verwiesen. Der Novitätseffekt beschreibt vereinfacht gesagt in der Psychologie das Phänomen einer gesteigerten Begeisterungsfähigkeit des oder der Rezipienten für Neuartiges und Unerwartetes.
« De gustibus non est disputandum » und auch um solche Phänomene zu beobachten sind sportliche, musikalische und politische Wettbewerbe da. Es soll im Folgenden nicht weiter um eine musikalische oder künstlerische Bewertung gehen. Diese wäre ohnehin immer extrem subjektiv. Was allerdings beleuchtet werden muss, ist die Stimmung in der Kopenhagener Halle sowie der Moderationsstil Peter Urbans von der ARD.
Ein anderes Phänomen, nämlich das der Politisierung, geht aber unter bzw. soll vielleicht sogar untergehen, da es der aktuellen transatlantischen Interessenpolitik beinahe unbemerkt in die Hände spielt. Feindbilder werden und wurden seit jeher geschaffen und propagiert, um Kollektive zu konstruieren, sie gegen andere Kollektivkonstruktionen zu einen und so bestehende Herrschaftsverhältnisse und politische Zielsetzungen zu untermauern.
Wirklich ein Höhepunkt von Toleranz und Offenheit?
Die Frontfrau der deutschen Teilnehmerinnen Elaiza bezeichnete den Sieg des österreichischen Travestiekünstlers als eine Sternstunde der Toleranz und Zeichen für die Offenheit und Fortschrittlichkeit Europas. Auch die Medien überschlagen sich mit ähnlich gearteten Meldungen.
Das ist vordergründig zunächst einmal richtig und nachvollziehbar.
Wer aber die Übertragung aus Kopenhagen, insbesondere jene mit ARD Kommentar von Peter Urban gesehen hat, der sollte stutzen und schnell erkennen, dass die Inszenierung des ESC 2014 eigentlich genau das nicht war.
In der Halle wird wirklich jeder Punkt, der an die noch im Teenageralter befindlichen russischen Künstlerinnen vergeben wird, lautstark mit Buhrufen und Pöbeleien kommentiert. Dies erfolgt so kontinuierlich und konstant, dass man sich fragen muss, ob seitens der Veranstalter vorher dazu aufgerufen wurde?
Politik kann kontrovers diskutiert werden. Dass dies auch geschieht zeigen die seit Wochen kursierenden Umfragen, die bei einer knappen Mehrheit der Bundesbürger eine gesunde Resistenz gegen die bereits zwei Jahre vor Ausbruch der Ukrainekrise gestarteten Anti-Russland-Kampagne der deutschen Politik und Medien wiederspiegeln.
Ihre Ergebnisse sind ein weiteres Indiz dafür, dass in Kopenhagen Anpeitscher unterwegs gewesen sein könnten.
Solche Pöbeleien, Ressentiments und eine derartige Form von ethnisch motiviertem Mobbing sollten bei einem künstlerischen Wettbewerb nichts zu suchen haben.
An diesem Samstagabend wurde so wieder einmal die europäische Idee ad absurdum geführt, Intoleranz gegenüber russischstämmigen – und sprachigen Bürgern salonfähig gemacht und die Etablierung eines neuen stereotypen ethnisch motivierten Feindbildes einen großen Schritt vorangetrieben.
ARD Kommentator Peter Urban übt sich in antislawischen Sticheleien
Ein ganz und gar unverschämt agierender Anpeitscher ist ARD Moderator Peter Urban. Auch als schon längst klar war, dass der russische Beitrag mit der Entscheidung nichts mehr zu tun haben würde, unterstellte er bei jedem einzelnen Punkt den er bekam unlauteren Wettbewerb und kam mit unbegründeten Unterstellungen von Mauscheleien daher. Während dies also das Leitmotiv seiner Moderation eine massive Breitseite gegen Russland war, ging er aber zwischendurch sogar immer wieder einige Schritte weiter. Er zerredete den polnischen und montenegrinischen Beitrag auf polemische Art und Weise. Besonders dreist wurde Urban, als er die 12 Punkte die der montenegrinische Beitrag, eine solide und wirklich schön gesungene Balkan-Pop-Ballade in serbokroatischer Sprache, aus Mazedonien bekam, auf die übliche Art und Weise diffamierte.
An anderer Stelle beschwerte sich Peter Urban wiederum über ausbleibende Nachbarschaftshilfe aus Österreich für den deutschen Beitrag…Freund Doppelmoral lässt grüßen!
Immer wieder brachte er Unterstellungen über Absprachen bei der Punktevergabe zwischen osteuropäischen Ländern beim aktuellen und bei früheren Wettbewerben unter.
Eine Unterstellung, die ihm bei den sich oft von Land zu Land extrem ähnelnden Abstimmungsergebnissen westeuropäischer Staaten niemals über die Lippen kommen würde.
Dass die Geschmäcker sich einfach soziokulturell ähnlich sind, erkennt Urban gerne für Westeuropa an. Dass das auch im von ihm als ach so böse dargestellten Osteuropa der Fall sein kann, mag er nicht akzeptieren. Es ist schließlich viel einfacher und interessanter Feindbilder zu schüren. Peter Urbans Kommentar war mit das Rassistischste, was in den letzten zwei Jahrzehnten vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen propagiert wurde.
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat hier ganz klar und eindeutig eine Kulturveranstaltung politisiert und dazu missbraucht, antislawischen Rassismus zu schüren und bei den Zuschauern zu verankern.
Vor einigen Wochen klassifizierte der zum WDR-gehörende Sender „EinsLive“ Menschen, die den Begriff „Propagandamedien“ verwenden als Rechtspopulisten. Nach dem Eindruck der Urbanschen ESC-Moderation 2014, muss man sich die Frage stellen, ob doch eher ein nicht gerade geringfügiger Teil bedeutender deutscher Medien Rechtspopulisten sind. Es gibt klare Kriterien für rassistische Ressentiments und Propaganda. Die ESC-Übertragung der ARD mit dem Kommentar von Peter Urban hat sie erfüllt.
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Montag, 12. Mai 2014
Eurovision Song Contest 2014: So macht die ARD antislawischen Rassismus salonfähig
Sonntag, 6. April 2014
Eine Analyse zur wachsenden Skepsis gegenüber den USA - Der NSA-Skandal ist nur pars pro toto
Gute zwei Jahre dauert mittlerweile die Anti-Russland-Kampagne der deutschen Medien. Schon lange vor Ausbruch der Krimkrise bekamen die Zuschauer der Tagesschau, ZDF heute sowie der Privatsender anfangs wöchentlich und später mit immer höherer Frequenz ausschließlich negative Berichte mit zweifelhaft konnotierter Rhetorik über „Putins Reich“ vorgesetzt.
Zeitgleich findet im selben Zeitraum eine beispiellos zensierte und einseitige Kampagne deutscher Nachrichtensendungen über den syrischen Bürgerkrieg statt.
Das alles passiert in einer Zeit, in der sich Deutschland über einen europaweit wirtschaftlichen Aufschwung erfreut, aber die durch US-Zockerbanken ausgelöste Weltwirtschaftskrise dennoch in den Köpfen vieler Menschen weiterhin präsent ist.
In diese Zeit nun fällt ein Statement des Bundespräsidenten, in dem er sich kategorisch gegen Volksentscheide ausspricht, weil er „dem Volk“ dessen Repräsentant er sein sollte, politisch komplexe Entscheidungen nicht zutraue.
Passend dazu erschien in der Onlineausgabe der Welt am Samstag, den 05.April 2014 ein Artikel mit folgender Überschrift und
„Deutsche Distanz zu den USA beunruhigt die Politik - 49 Prozent der Bürger favorisieren inzwischen eine "mittlere Position zwischen dem Westen und Russland". Dieser Wandel beunruhigt die Politik, die die Ursachen dafür auch in der NSA-Affäre sieht“
Der komplette Artikel kann unter nachstehendem Link nachgelesen werden: Die Welt: Deutsche Distanz zu den USA beunruhigt die Politik
Ich habe Cem Özdemir immer als sehr besonnen Politiker und guten Analytiker geschätzt. Des Weiteren würde ich nach wie vor trotz vielerseits heftig geäußerter Kritik jedem Einsteiger in die Thematik sein 2008 erschienenes Buch „Die Türkei: Politik, Religion, Kultur“ empfehlen. Freilich geht dieses Werk nicht wirklich in die Tiefe. Für Einsteiger in die Thematik halte ich es jedoch für ideal geeignet, um sich ein gewisses Grundwissen anzueignen, bevor man sich mit beispielsweise Hasan Kaygisiz auseinandersetzen kann.
Für seine in der Welt wie folgt zitierte Äußerung zur o.g. Thematik habe ich allerdings nun kein Verständnis mehr übrig und muss, auch wenn es mir aufgrund einer gewissen Sympathie schwer fällt, Kritik üben.
Dort ist von Herrn Özdemir Folgendes zu lesen: "Dass die Bürgerinnen und Bürger Deutschland künftig stärker zwischen dem Westen und Russland sehen wollen, ist sicher Realität, aber nichts, was dazu führen darf, dass wir diesem Wunsch nachgeben".
Hier liegt der erste Kritikpunkt, dessen Quintessenz ich auch Herrn Gauck entgegenhalten möchte. Wenn die Politik in einer Demokratie die Wünsche, Sorgen und Ängste einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr ernst nimmt oder sie einfach übergehen möchte und übergeht, muss man sich wirklich fragen, ob Politikern wie Herrn Özdemir, Herrn Gauck, der kompletten Bundesregierung und den Mitgliedern der Medienräte von ARD und ZDF nicht der Bezug zu ihrem Berufsethos abhanden gegangen ist. Dieses zeichnet sich schließlich wesentlich durch die Rolle des Volksrepräsentanten und nicht des Volksbevormunder im Dienste anderer Staaten aus.
Zur Erinnerung, das Wort Demokratie setzt sich aus den altgriechischen Worten „Demos“ (das Volk) und „kratein“ (herrschen) zusammen.
Können wir ernsthaft angesichts solcher Äußerungen quer durch politische Führungsriege Deutschlands wirklich noch von einer Demokratie sprechen?
Sind wir angesichts dieses Unwillens Stimmungslagen einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zu repräsentieren, und der damit einhergehenden Ignoranz bzw. schon Arroganz demgegenüber bereits in einer anderen Herrschaftsform angekommen?
Die Entscheidung, ob wir nun in einer parlamentarischen Aristokratie (von altgriechisch „hoi aristoi“ – die Besten, „kratein“ – herrschen), also einer Herrschaft der Besten, oder einer Oligarchie (von altgriechisch „hoi oligoi“ – die Wenigen, archein – herrschen), also einer Herrschaft der Wenigen leben, bleibt dabei der Wahrnehmung der Einzelnen überlassen.
Fakt jedoch wird immer stärker, dass der Wille der Bürgerinnen und Bürger offenbar keine Bedeutung mehr für die Spitzenpolitik zu haben scheint und sie damit nun auch erschreckend offen umgeht. Bei Herrn Özdemir und anderen Politikern der Grünen wiegen solche Äußerungen besonders schwer, da sie sich statt, wie es ihre Aufgabe wäre, nicht Oppositionsarbeit leisten sondern sich nur noch bei der CDU und SPD für künftige Koalitionen anzubiedern scheinen.
Ich möchte unterstreichen:
Es ist nicht so, wie die laute polemische Fraktion der Hardcore-Atlantiker gerne behauptet, dass 49% sich für eine Bindung an Russland, oder wie sie zu sagen pflegen „Putins Zarenreich des Bösen“ ausgesprochen hätten. Sie halten lediglich eine „mittlere Position zwischen dem Westen und Russland“ für angebrachter, als wie aktuell der Fall blind, unkritisch und unkontrovers die von den USA vorgegebenen außenpolitischen Positionen zu übernehmen. Es geht also nicht um den Wunsch nach einer 180°-Drehung von einer radikalen Position zur Anderen sondern lediglich um den Wunsch nach einer unabhängigen Mediatorenrolle, die im Übrigen allein schon die geografische Lage Deutschlands und Europas nahe legen würde.
Dass dieser Wunsch für CDU, SPD und Grüne schon zu viel verlangt ist, um auch nur auf ihn einzugehen geschweige denn ihn ernst zu nehmen, legt die Vermutung nahe, dass große Teile der Parteispitzen offenbar jeglichen Bezug zu ihrem Berufsethos verloren haben. Politiker, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Rolle als die eines Volksrepräsentanten zu interpretieren, haben, so deutlich muss man sein, ihren Beruf verfehlt!
Wer mir nun Populismus vorwirft, dem danke ich bereits vorsorglich für dieses Kompliment. Lässt sich das Wort Populismus doch schließlich auf „vox populi“ (lateinisch „Die Stimme des Volkes“) zurückführen und halte ihnen gerne unter Bezug auf die antike römische Rhetorik entgegen, dass ich es für besser halte die „vox populi“ zu unterstützen statt arroganter- und ignoraterweise der Illusion aufsitzen man könne im Stile absolutistischer Herrscher mit der „vox dei“ (Stimme Gottes) sprechen.
Die Arroganz und Ignoranz, die der Artikel der Welt zu Vorschein bringt, geht jedoch weiter und äußert sich in der Vermutung Özdemirs sowie des ebenfalls zu Wort kommenden CDU-Politikers Elmar Brok, dieses Stimmungsbild sei lediglich Produkt des NSA-Skandals.
Nun ist er sicherlich auch ein wesentlicher Grund für die US-kritische Stimmungslage innerhalb weiter Teile der Bevölkerung der Bundesrepublik. Hierin aber den einzigen Grund dafür zu sehen und somit den Bürgerinnen und Bürgern zu unterstellen andere außenpolitische Sachverhalte nicht durchschauen zu können, ist für eine Analyse der Stimmungslage aber vollkommen unzureichend.
Eine weitere entscheidende Rolle spielt sicherlich der moralische Anspruch der USA und der der NATO gegenüber vermeintlichen „Feindstaaten“ wie Russland, den sie jedoch, für immer mehr Menschen ersichtlich, nicht einmal ansatzweise an sich selbst stellen.
Nachgiebigkeit gegenüber zu Zockerbuden verkommenen Banken wie Goldmann & Sachs, Liquidierungen per Joystick durch auf der halben Erdkugel geführte Drohnenkriege, der Fortbestand einer künstlich geschaffenen menschenrechtsfreien Zone wie „Guantanamo“ sowie eine völkerrechtlich fragwürdige Rolle in einer Vielzahl von Konflikten in Lateinamerika, bei der Bombadierung von Belgrad im Zuge des Kosovokonflikts oder im letzten Irakkrieg, sind nur einige jedem auch nur mäßig informiertem Menschen hierzulande bekannte Gründe abseits des NSA-Skandals, warum das ehemals gute US-Image in Deutschland stark bröckelt.
Etwas ausführlicher muss man sich die Komponente syrischer Bürgerkrieg angehen. Hier wird seitens deutscher Medien seit Jahren ein Bild gezeichnet, dass die Realität nicht ansatzweise wiederspiegelt.
- Ebenso wie in den USA wird versucht zu vertuschen, dass der Großteil des militärischen Kampfes gegen Assad aus z.B. Saudi-Arabien, Tschetschenien, der Türkei, Aserbaidschan oder Usbekistan rekrutierten radikal-sunnitischen Importterroristen der Al Nusra oder der ISIS besteht, die eindeutig genozidale Intentionen gegenüber Alawiten, orientalischen Christen, Drusen und Kurden verfolgen. Die von der NATO unterstützte FSA (Freie Syrische Armee) hat bis vor einigen Monaten mit diesen Kräften zusammengearbeitet. Ist diese Kooperation mittlerweile offenbar aufgelöst, erfolgt jedoch seitens der NATO keinerlei Distanzierung von den o.g. Al Kaida Ablegern. Im Gegenteil, es gilt als gesichert, dass diese die Grenzregionen der Südosttürkei, also eines NATO-Staates, als Rückzuggebiet nutzen, und dort sogar medizinische und logistische Unterstützung bekommen.
- Neben der syrischen Armee Assads, der FSA und radikalen Al Kaida Mordkommandos gibt es eine Kriegspartei, die dem Westen ein ganz besonderer Dorn im Auge zu sein scheint. So verwundert es wenig bis gar nicht, dass in den Nachrichtensendungen niemals die Rede von den kurdischen Volksverteidigungskräften ist. Diese sind die mit Abstand am demokratischsten organisierte Kriegspartei, in der nicht nur Männer wie Frauen gleichermaßen sondern auch, und das unterscheidet sie von den ausschließlich sunnitischen NATO-Günstlingen, Angehörige aller Religionen, Konfessionen und Volksgruppen sich wiederfinden; sunnitische Kurden, alawitische Araber, Drusen sowie christliche Assyrer, Armenier und Araber.
- Besonders skandalös ist, dass das bislang verheerendste Massaker des syrischen Bürgerkrieges an über 300 kurdischen Zivilisten im August 2013 in Rojava weder westliche Parlamente beschäftigte noch Einzug in westliche Televisionsmedien haben durfte. Ebenso wie die aktuellen Vertreibungen im teils armenisch und teils alawitisch bevölkerten Ort Kessab geht es auf das Konto von Al Nusra und ISIS und findet mit Ausnahme von Kanada null Resonanz in westlichen Nachrichtensendungen, geschweige denn dass sich Menschenrechts-kommissionen oder Ausschüsse entsprechender Parlament damit beschäftigen würden. Lediglich Russland und Armenien protestierten in der UN.
Gerade hier entgeht vielen nicht, dass die NATO nicht, wie propagiert, auf demokratische (das wären nämlich in erster Linie die kurdischen Einheiten) sondern auf zwielichtige Kräfte setzt. Damit verbunden ist logischerweise die Schlussfolgerung, dass die Rolle Russlands entgegen der medialen Darstellung sowie des Tenors der deutschen Spitzenpolitik nicht rein negativ zu bewerten ist.
Viele, selbst politisch nur mäßig interessierte Bundesbürgerinnen und –bürger, nehmen diese nicht mehr zu rechtfertigende und offenkundig auf transatlantischen Druck zustande kommende Doppelmoral, u.a. durch den Dialog mit syrischstämmigen Migranten durchaus wahr und fühlen sich zurecht von der Politik und den Nachrichtensendungen hinters Licht geführt. Sie durchschauen die extrem dreist gewordenen Indoktrinations- und zensurversuche. Sie sehnen sich nach mehr Neutralität sehen im durch Politik sowie Tagesschau und Co. auferlegten Tabu, keinerlei Kritik am durch die außenpolitischen Interessen der USA gelenkten Verhalten der NATO äußern zu dürfen, aus nachvollziehbaren Gründen eine Gängelung, ja sogar eine Entmündigung.
In Zeiten wirtschaftlichen Wohlstandes führen ein solches Verhalten und solche Meinungen zwar nicht zu tiefgreifenden politischen Veränderungen, da für die wenigsten Menschen an der Wahlurne außenpolitische Prioritäten setzen. Laut Kontratief folgt auf einen Aufschwung aber immer irgendwann eine Rezension. Mit Hinblick darauf sollten sich GroKo und Grüne schon aus eigenem Interesse überlegen, ob sie mit diese Ignoranz fortsetzen wollen.
Die wachsende Skepsis gegenüber den USA ist jedoch nicht, wie dargestellt, allein das Resultat des NSA-Skandals oder gar, wie reflexionsunfähige Hardcore-Atlantiker es versuchen darzustellen, ein russischer Propagandaerfolg. Sie ist vielmehr hausgemacht durch Doppelmoral und Ignoranz von Politikern aller Parteien, mit Ausnahme der Linken, sowie einer offenkundig politisch motivierten und erschreckend einseitig gewordenen Berichterstattung in allen zur Primetime ausgestrahlten Nachrichtensendungen des deutschen Fernsehens geschuldet.
Nota bene:
Auf die Krimkrise und den im Artikel der Welt geäußerten Vorwurf einer mangelnden Empathie der deutschen Bevölkerung gegenüber den osteuropäischen NATO-Staaten bin ich nicht eingegangen, empfehle hierzu aber meinen nachstehenden Artikel:
Die Krimkrise in den Medien
Zeitgleich findet im selben Zeitraum eine beispiellos zensierte und einseitige Kampagne deutscher Nachrichtensendungen über den syrischen Bürgerkrieg statt.
Das alles passiert in einer Zeit, in der sich Deutschland über einen europaweit wirtschaftlichen Aufschwung erfreut, aber die durch US-Zockerbanken ausgelöste Weltwirtschaftskrise dennoch in den Köpfen vieler Menschen weiterhin präsent ist.
In diese Zeit nun fällt ein Statement des Bundespräsidenten, in dem er sich kategorisch gegen Volksentscheide ausspricht, weil er „dem Volk“ dessen Repräsentant er sein sollte, politisch komplexe Entscheidungen nicht zutraue.
Passend dazu erschien in der Onlineausgabe der Welt am Samstag, den 05.April 2014 ein Artikel mit folgender Überschrift und
„Deutsche Distanz zu den USA beunruhigt die Politik - 49 Prozent der Bürger favorisieren inzwischen eine "mittlere Position zwischen dem Westen und Russland". Dieser Wandel beunruhigt die Politik, die die Ursachen dafür auch in der NSA-Affäre sieht“
Der komplette Artikel kann unter nachstehendem Link nachgelesen werden: Die Welt: Deutsche Distanz zu den USA beunruhigt die Politik
Ich habe Cem Özdemir immer als sehr besonnen Politiker und guten Analytiker geschätzt. Des Weiteren würde ich nach wie vor trotz vielerseits heftig geäußerter Kritik jedem Einsteiger in die Thematik sein 2008 erschienenes Buch „Die Türkei: Politik, Religion, Kultur“ empfehlen. Freilich geht dieses Werk nicht wirklich in die Tiefe. Für Einsteiger in die Thematik halte ich es jedoch für ideal geeignet, um sich ein gewisses Grundwissen anzueignen, bevor man sich mit beispielsweise Hasan Kaygisiz auseinandersetzen kann.
Für seine in der Welt wie folgt zitierte Äußerung zur o.g. Thematik habe ich allerdings nun kein Verständnis mehr übrig und muss, auch wenn es mir aufgrund einer gewissen Sympathie schwer fällt, Kritik üben.
Dort ist von Herrn Özdemir Folgendes zu lesen: "Dass die Bürgerinnen und Bürger Deutschland künftig stärker zwischen dem Westen und Russland sehen wollen, ist sicher Realität, aber nichts, was dazu führen darf, dass wir diesem Wunsch nachgeben".
Hier liegt der erste Kritikpunkt, dessen Quintessenz ich auch Herrn Gauck entgegenhalten möchte. Wenn die Politik in einer Demokratie die Wünsche, Sorgen und Ängste einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr ernst nimmt oder sie einfach übergehen möchte und übergeht, muss man sich wirklich fragen, ob Politikern wie Herrn Özdemir, Herrn Gauck, der kompletten Bundesregierung und den Mitgliedern der Medienräte von ARD und ZDF nicht der Bezug zu ihrem Berufsethos abhanden gegangen ist. Dieses zeichnet sich schließlich wesentlich durch die Rolle des Volksrepräsentanten und nicht des Volksbevormunder im Dienste anderer Staaten aus.
Zur Erinnerung, das Wort Demokratie setzt sich aus den altgriechischen Worten „Demos“ (das Volk) und „kratein“ (herrschen) zusammen.
Können wir ernsthaft angesichts solcher Äußerungen quer durch politische Führungsriege Deutschlands wirklich noch von einer Demokratie sprechen?
Sind wir angesichts dieses Unwillens Stimmungslagen einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zu repräsentieren, und der damit einhergehenden Ignoranz bzw. schon Arroganz demgegenüber bereits in einer anderen Herrschaftsform angekommen?
Die Entscheidung, ob wir nun in einer parlamentarischen Aristokratie (von altgriechisch „hoi aristoi“ – die Besten, „kratein“ – herrschen), also einer Herrschaft der Besten, oder einer Oligarchie (von altgriechisch „hoi oligoi“ – die Wenigen, archein – herrschen), also einer Herrschaft der Wenigen leben, bleibt dabei der Wahrnehmung der Einzelnen überlassen.
Fakt jedoch wird immer stärker, dass der Wille der Bürgerinnen und Bürger offenbar keine Bedeutung mehr für die Spitzenpolitik zu haben scheint und sie damit nun auch erschreckend offen umgeht. Bei Herrn Özdemir und anderen Politikern der Grünen wiegen solche Äußerungen besonders schwer, da sie sich statt, wie es ihre Aufgabe wäre, nicht Oppositionsarbeit leisten sondern sich nur noch bei der CDU und SPD für künftige Koalitionen anzubiedern scheinen.
Ich möchte unterstreichen:
Es ist nicht so, wie die laute polemische Fraktion der Hardcore-Atlantiker gerne behauptet, dass 49% sich für eine Bindung an Russland, oder wie sie zu sagen pflegen „Putins Zarenreich des Bösen“ ausgesprochen hätten. Sie halten lediglich eine „mittlere Position zwischen dem Westen und Russland“ für angebrachter, als wie aktuell der Fall blind, unkritisch und unkontrovers die von den USA vorgegebenen außenpolitischen Positionen zu übernehmen. Es geht also nicht um den Wunsch nach einer 180°-Drehung von einer radikalen Position zur Anderen sondern lediglich um den Wunsch nach einer unabhängigen Mediatorenrolle, die im Übrigen allein schon die geografische Lage Deutschlands und Europas nahe legen würde.
Dass dieser Wunsch für CDU, SPD und Grüne schon zu viel verlangt ist, um auch nur auf ihn einzugehen geschweige denn ihn ernst zu nehmen, legt die Vermutung nahe, dass große Teile der Parteispitzen offenbar jeglichen Bezug zu ihrem Berufsethos verloren haben. Politiker, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Rolle als die eines Volksrepräsentanten zu interpretieren, haben, so deutlich muss man sein, ihren Beruf verfehlt!
Wer mir nun Populismus vorwirft, dem danke ich bereits vorsorglich für dieses Kompliment. Lässt sich das Wort Populismus doch schließlich auf „vox populi“ (lateinisch „Die Stimme des Volkes“) zurückführen und halte ihnen gerne unter Bezug auf die antike römische Rhetorik entgegen, dass ich es für besser halte die „vox populi“ zu unterstützen statt arroganter- und ignoraterweise der Illusion aufsitzen man könne im Stile absolutistischer Herrscher mit der „vox dei“ (Stimme Gottes) sprechen.
Die Arroganz und Ignoranz, die der Artikel der Welt zu Vorschein bringt, geht jedoch weiter und äußert sich in der Vermutung Özdemirs sowie des ebenfalls zu Wort kommenden CDU-Politikers Elmar Brok, dieses Stimmungsbild sei lediglich Produkt des NSA-Skandals.
Nun ist er sicherlich auch ein wesentlicher Grund für die US-kritische Stimmungslage innerhalb weiter Teile der Bevölkerung der Bundesrepublik. Hierin aber den einzigen Grund dafür zu sehen und somit den Bürgerinnen und Bürgern zu unterstellen andere außenpolitische Sachverhalte nicht durchschauen zu können, ist für eine Analyse der Stimmungslage aber vollkommen unzureichend.
Eine weitere entscheidende Rolle spielt sicherlich der moralische Anspruch der USA und der der NATO gegenüber vermeintlichen „Feindstaaten“ wie Russland, den sie jedoch, für immer mehr Menschen ersichtlich, nicht einmal ansatzweise an sich selbst stellen.
Nachgiebigkeit gegenüber zu Zockerbuden verkommenen Banken wie Goldmann & Sachs, Liquidierungen per Joystick durch auf der halben Erdkugel geführte Drohnenkriege, der Fortbestand einer künstlich geschaffenen menschenrechtsfreien Zone wie „Guantanamo“ sowie eine völkerrechtlich fragwürdige Rolle in einer Vielzahl von Konflikten in Lateinamerika, bei der Bombadierung von Belgrad im Zuge des Kosovokonflikts oder im letzten Irakkrieg, sind nur einige jedem auch nur mäßig informiertem Menschen hierzulande bekannte Gründe abseits des NSA-Skandals, warum das ehemals gute US-Image in Deutschland stark bröckelt.
Etwas ausführlicher muss man sich die Komponente syrischer Bürgerkrieg angehen. Hier wird seitens deutscher Medien seit Jahren ein Bild gezeichnet, dass die Realität nicht ansatzweise wiederspiegelt.
- Ebenso wie in den USA wird versucht zu vertuschen, dass der Großteil des militärischen Kampfes gegen Assad aus z.B. Saudi-Arabien, Tschetschenien, der Türkei, Aserbaidschan oder Usbekistan rekrutierten radikal-sunnitischen Importterroristen der Al Nusra oder der ISIS besteht, die eindeutig genozidale Intentionen gegenüber Alawiten, orientalischen Christen, Drusen und Kurden verfolgen. Die von der NATO unterstützte FSA (Freie Syrische Armee) hat bis vor einigen Monaten mit diesen Kräften zusammengearbeitet. Ist diese Kooperation mittlerweile offenbar aufgelöst, erfolgt jedoch seitens der NATO keinerlei Distanzierung von den o.g. Al Kaida Ablegern. Im Gegenteil, es gilt als gesichert, dass diese die Grenzregionen der Südosttürkei, also eines NATO-Staates, als Rückzuggebiet nutzen, und dort sogar medizinische und logistische Unterstützung bekommen.
- Neben der syrischen Armee Assads, der FSA und radikalen Al Kaida Mordkommandos gibt es eine Kriegspartei, die dem Westen ein ganz besonderer Dorn im Auge zu sein scheint. So verwundert es wenig bis gar nicht, dass in den Nachrichtensendungen niemals die Rede von den kurdischen Volksverteidigungskräften ist. Diese sind die mit Abstand am demokratischsten organisierte Kriegspartei, in der nicht nur Männer wie Frauen gleichermaßen sondern auch, und das unterscheidet sie von den ausschließlich sunnitischen NATO-Günstlingen, Angehörige aller Religionen, Konfessionen und Volksgruppen sich wiederfinden; sunnitische Kurden, alawitische Araber, Drusen sowie christliche Assyrer, Armenier und Araber.
- Besonders skandalös ist, dass das bislang verheerendste Massaker des syrischen Bürgerkrieges an über 300 kurdischen Zivilisten im August 2013 in Rojava weder westliche Parlamente beschäftigte noch Einzug in westliche Televisionsmedien haben durfte. Ebenso wie die aktuellen Vertreibungen im teils armenisch und teils alawitisch bevölkerten Ort Kessab geht es auf das Konto von Al Nusra und ISIS und findet mit Ausnahme von Kanada null Resonanz in westlichen Nachrichtensendungen, geschweige denn dass sich Menschenrechts-kommissionen oder Ausschüsse entsprechender Parlament damit beschäftigen würden. Lediglich Russland und Armenien protestierten in der UN.
Gerade hier entgeht vielen nicht, dass die NATO nicht, wie propagiert, auf demokratische (das wären nämlich in erster Linie die kurdischen Einheiten) sondern auf zwielichtige Kräfte setzt. Damit verbunden ist logischerweise die Schlussfolgerung, dass die Rolle Russlands entgegen der medialen Darstellung sowie des Tenors der deutschen Spitzenpolitik nicht rein negativ zu bewerten ist.
Viele, selbst politisch nur mäßig interessierte Bundesbürgerinnen und –bürger, nehmen diese nicht mehr zu rechtfertigende und offenkundig auf transatlantischen Druck zustande kommende Doppelmoral, u.a. durch den Dialog mit syrischstämmigen Migranten durchaus wahr und fühlen sich zurecht von der Politik und den Nachrichtensendungen hinters Licht geführt. Sie durchschauen die extrem dreist gewordenen Indoktrinations- und zensurversuche. Sie sehnen sich nach mehr Neutralität sehen im durch Politik sowie Tagesschau und Co. auferlegten Tabu, keinerlei Kritik am durch die außenpolitischen Interessen der USA gelenkten Verhalten der NATO äußern zu dürfen, aus nachvollziehbaren Gründen eine Gängelung, ja sogar eine Entmündigung.
In Zeiten wirtschaftlichen Wohlstandes führen ein solches Verhalten und solche Meinungen zwar nicht zu tiefgreifenden politischen Veränderungen, da für die wenigsten Menschen an der Wahlurne außenpolitische Prioritäten setzen. Laut Kontratief folgt auf einen Aufschwung aber immer irgendwann eine Rezension. Mit Hinblick darauf sollten sich GroKo und Grüne schon aus eigenem Interesse überlegen, ob sie mit diese Ignoranz fortsetzen wollen.
Die wachsende Skepsis gegenüber den USA ist jedoch nicht, wie dargestellt, allein das Resultat des NSA-Skandals oder gar, wie reflexionsunfähige Hardcore-Atlantiker es versuchen darzustellen, ein russischer Propagandaerfolg. Sie ist vielmehr hausgemacht durch Doppelmoral und Ignoranz von Politikern aller Parteien, mit Ausnahme der Linken, sowie einer offenkundig politisch motivierten und erschreckend einseitig gewordenen Berichterstattung in allen zur Primetime ausgestrahlten Nachrichtensendungen des deutschen Fernsehens geschuldet.
Nota bene:
Auf die Krimkrise und den im Artikel der Welt geäußerten Vorwurf einer mangelnden Empathie der deutschen Bevölkerung gegenüber den osteuropäischen NATO-Staaten bin ich nicht eingegangen, empfehle hierzu aber meinen nachstehenden Artikel:
Die Krimkrise in den Medien
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Donnerstag, 20. März 2014
Die Krimkrise in den Medien: Ein bisschen weniger Rocky 4, dafür etwas mehr Billy Joel, bitte!!!
Als es 1999 darum ging, Serbien und somit die Einflusssphäre Russlands zu verkleinern, war das im Zivilpakt festgeschriebene "Selbstbestimmungsrecht der Völker" noch ein hohes Gut, aber für Kurden, Basken oder die Russen auf der Krim soll es nicht gelten dürfen, nur weil die von sog. "Partnern" statt von sog. "Feinden" besetzt sind?
Kann man moralische Ratschläge von politischen Kräften überhaupt ernst nehmen, die seit 30 Jahren die Besatzung Nordzyperns protegieren?
Wo bleiben die Hintergrundberichte und Analysen in den deutschen Nachrichten?
Wie können diese in Anbetracht ihrer schablonenhaften Suggestivberichte noch erarten ernst genommen zu werden, wenn sie Beschränkungen von Pressefreiheit anderswo auf der Welt anprangern?
Hätten die USA in den Kosovokonflikt überhaupt eingegriffen, wenn Serbien vorher auf ihren Vorschlag eingegangen wäre, eine Militärbasis auf seinem Staatsgebiet errichten zu dürfen?
Man dann keine moralischen Ansprüche an andere stellen, die man nicht auch an sich selbst hat.
Nur noch einmal zur Erinnerung: Die Unabhängigkeit des Kosovo war notwendig und richtig.
In Anbetracht der heiklen ethnischen Spannungen kann man auch den Einsatz von Super-Apache-Hubschraubern gegen serbisches Kriegsgerät am Boden vor Ort als gerechtfertigt bezeichnen.
Die USA und Großbritannien haben aber 1999 des Weiteren Belgrad mit Tarnkappenbombern angriffen.
Warum eigentlich, wenn es darum ging ethnischen Säuberungen im 350 Kilometer entfernten Kosovo vorzubeugen?
Wurden sie dafür mit Sanktionen belegt oder in Den Haag zur Rechenschaft gezogen?
Von der Abspaltung Montenegro 2006, bei dem das EU-Assozierungsabkommen quasi bereits gemachte Sache war, bevor das Abstimmungsergebnis feststand, ganz zu schweigen.
Bezeichnend ist wirklich, dass gerade jene USA und EU den moralischen Zeigefinger heben und mit Sanktionen lospoltern, die von 1974 beginnende blutige Invasion und bis heute andauernde Besatzung Nordzyperns sowie die damit verbundenen Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen stillschweigend akzeptieren bzw. seitens der USA mit Drohungen gegenüber Griechenland von Anbeginn der Stunde sogar protegieren.
Hat die ukrainische Protestbewegung als Bürgerbewegung gegen einen korrupten Despoten angefangen, ist sie jedoch mittlerweile zu einem nicht mehr wegzudiskutierenden Teil von rechtsradikalen Kräften wie Swoboda oder Sektor infiltriert.
Selbst die Tagesschau hat mittlerweile reagiert und brachte am 19.März 2014 darüber einen Bericht. Allerdings kommt dort weiterhin auf vier einseitige Berichte nur ein kritischer.
Die Krim ist nun einmal zu 60% russisch besiedelt, ebenso wie z.B. das Kosovo zu 70% albanisch und zu 30% serbisch besiedelt ist.
Warum soll die "nationale Einheit" der Ukraine mehr Wert sein, als die "nationale Einheit" Serbiens?
Und ist "nationale Einheit" nicht überhaupt ein Begriff aus dem 19. Jahrhundert?
Man muss sich noch nicht einmal mit der Darstellung russischer Medien auseinandersetzen. Es genügt vollkommen die deutschen Nachrichten mit den deutlich neutraleren österreichischen und schweizerischen zu vergleichen und schon sieht man, dass mit der hiesigen Berichterstattung etwas nicht stimmen kann.
Man verschweigt nicht nur die Doppelmoral des Westens sondern emotionalisiert mit, ok das gebe ich gerne zu, teilweise nachvollziehbaren Ängsten der Bevölkerungen im Baltikum und Polen.
Das fände ich auch noch in Ordnung, würde die Kehrseite der Medaille ebenso erwähnt. Man enthält sie jedoch dem obrigkeitsgläubigen 08/15-Germanski, der alles schluckt, was die Televisionsmedien um vorkauen, vor. Im Kaukasus gibt es einen Staat namens Armenien. Ein Land dessen Volk wahrscheinlich, sieht man von Israel, den Tutsi und den Opfern des Khmer-Regimes in Kambodscha ab, wie weltweit kaum Anderes durch Völkermord und Unterdrückung gelitten hat, und das durch den seit Ende der Sowjetunion bestehenden militärischen Dauerkonflikt mit dem bevölkerungsreicheren, flächenmäßig dreimal so großen und durch die reichen Erdölvorkommen an seiner Küste auch wirtschaftlich haushoch überlegenen Aserbaidschan, in ständiger Bedrohung lebt. Das russische Militär schützt die Grenze Armeniens mit, und ist hier Garant für die Prävention eines weiteren Völkermords. Würde Russland tatsächlich in einen militärischen Konflikt an seinen Westgrenzen verwickelt und müsste Truppen aus Armenien abziehen, könnte dies vom aserbaidschanischen Diktator Ilham Aliyew, zu dessen Regime ich mich bereits in früheren Beiträgen geäußert habe, als Einladung für einen Überfall auf Armenien verstanden werden. Dies würde vermutlich den Todesstoß für die kleine, junge Demokratie mit Schönheitsfehlern bedeuten. Der Präzedenzfall Nordzypern lässt die Prognose zu, dass vom Westen im Falle eines Überfalls keine Hilfe zu erwarten wäre. Der wird nämlich nur dann aktiv, wenn ein vermeintlicher Partner Russlands gegen Menschenrechte verstößt. Bei den eigenen Partnern oder Staaten gegenüber denen man zumindest neutral eingestellt ist, sieht man gerne einmal über die ein oder andere Invasion oder das ein oder andere Massaker hinweg (z.B. Stichwort „Rojava“).
Klingt absurd oder abwegig? – Mag sein! Auf keinen Fall aber abwegiger als die Szenarien, die unsere Medien von einer Invasion Russlands im Baltikum oder Polen zeichnen. Es sei erwähnt, dass österreichische und schweizerische Berichterstatter vor Ort diese Szenarien auch für unrealistisch halten, ohne von den dreisten Zwischenfragen einer immer unkontrollierter dummdreist agierenden Marieta Slomka oder den Suggestivfragen eines Klaus Kleber unterbrochen zu werden.
Des Weiteren ist Völkerrecht mit seinen verschiedenen Rechtsquellen selten eindeutig und unkontrovers darzustellen ist grundlegend falsch. Eine schlüssige Bewertung diesbezüglich habe ich noch nirgendwo gelesen. Es wird immer nur nach der "Huck, ich habe gesprochen – Mentalität“ gesagt, dass ein Verstoß vorliegt oder nicht. Dass hier aber eventuell Paragraphen der UN-Charta mit Artikeln des Zivilpakts kollidieren und eine Gewichtung vorgenommen werden muss, erwähnt niemand. Ob dies nun absichtlich oder nur aus Faulheit geschieht sei dahinstellt. Von Resolutionen der UN oder des Europarats, die in der Praxis nicht wirklich justiziabel sind, sondern bislang lediglich Empfehlungscharakter besitzen ganz zu schweigen. Völkerrecht ist keine Ampel, auf der es nur Rot und Grün gibt, sondern eine komplexe Baustelle.
In der politischen Bildung gibt es gemäß dem Beutelsbacher Konsens ein Indoktrinationsverbot und ein Kontroversitätsgebot, an dem sich Lehrkörper dieses Faches zu orientieren haben.
Den meisten Journalisten der Tagesschau, von ProSieben-Sat1, RTL und insbesondere des ZDF scheinen solche Prinzipien vollkommen fremd zu sein.
Die deutschen Medien inszenieren, wie so oft wenn es um Russland geht, die plumpen Stereotypen vom bösen, skrupellosen und mit unlauteren Mitteln kämpfenden Iwan Drago. Als kritischer Mensch sollte man sich wünschen, sie würden ein bisschen mehr auch den Viktor aus Billy Joels Song Leningrad berücksichtigen.
Kann man moralische Ratschläge von politischen Kräften überhaupt ernst nehmen, die seit 30 Jahren die Besatzung Nordzyperns protegieren?
Wo bleiben die Hintergrundberichte und Analysen in den deutschen Nachrichten?
Wie können diese in Anbetracht ihrer schablonenhaften Suggestivberichte noch erarten ernst genommen zu werden, wenn sie Beschränkungen von Pressefreiheit anderswo auf der Welt anprangern?
Hätten die USA in den Kosovokonflikt überhaupt eingegriffen, wenn Serbien vorher auf ihren Vorschlag eingegangen wäre, eine Militärbasis auf seinem Staatsgebiet errichten zu dürfen?
Man dann keine moralischen Ansprüche an andere stellen, die man nicht auch an sich selbst hat.
Nur noch einmal zur Erinnerung: Die Unabhängigkeit des Kosovo war notwendig und richtig.
In Anbetracht der heiklen ethnischen Spannungen kann man auch den Einsatz von Super-Apache-Hubschraubern gegen serbisches Kriegsgerät am Boden vor Ort als gerechtfertigt bezeichnen.
Die USA und Großbritannien haben aber 1999 des Weiteren Belgrad mit Tarnkappenbombern angriffen.
Warum eigentlich, wenn es darum ging ethnischen Säuberungen im 350 Kilometer entfernten Kosovo vorzubeugen?
Wurden sie dafür mit Sanktionen belegt oder in Den Haag zur Rechenschaft gezogen?
Von der Abspaltung Montenegro 2006, bei dem das EU-Assozierungsabkommen quasi bereits gemachte Sache war, bevor das Abstimmungsergebnis feststand, ganz zu schweigen.
Bezeichnend ist wirklich, dass gerade jene USA und EU den moralischen Zeigefinger heben und mit Sanktionen lospoltern, die von 1974 beginnende blutige Invasion und bis heute andauernde Besatzung Nordzyperns sowie die damit verbundenen Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen stillschweigend akzeptieren bzw. seitens der USA mit Drohungen gegenüber Griechenland von Anbeginn der Stunde sogar protegieren.
Hat die ukrainische Protestbewegung als Bürgerbewegung gegen einen korrupten Despoten angefangen, ist sie jedoch mittlerweile zu einem nicht mehr wegzudiskutierenden Teil von rechtsradikalen Kräften wie Swoboda oder Sektor infiltriert.
Selbst die Tagesschau hat mittlerweile reagiert und brachte am 19.März 2014 darüber einen Bericht. Allerdings kommt dort weiterhin auf vier einseitige Berichte nur ein kritischer.
Die Krim ist nun einmal zu 60% russisch besiedelt, ebenso wie z.B. das Kosovo zu 70% albanisch und zu 30% serbisch besiedelt ist.
Warum soll die "nationale Einheit" der Ukraine mehr Wert sein, als die "nationale Einheit" Serbiens?
Und ist "nationale Einheit" nicht überhaupt ein Begriff aus dem 19. Jahrhundert?
Man muss sich noch nicht einmal mit der Darstellung russischer Medien auseinandersetzen. Es genügt vollkommen die deutschen Nachrichten mit den deutlich neutraleren österreichischen und schweizerischen zu vergleichen und schon sieht man, dass mit der hiesigen Berichterstattung etwas nicht stimmen kann.
Man verschweigt nicht nur die Doppelmoral des Westens sondern emotionalisiert mit, ok das gebe ich gerne zu, teilweise nachvollziehbaren Ängsten der Bevölkerungen im Baltikum und Polen.
Das fände ich auch noch in Ordnung, würde die Kehrseite der Medaille ebenso erwähnt. Man enthält sie jedoch dem obrigkeitsgläubigen 08/15-Germanski, der alles schluckt, was die Televisionsmedien um vorkauen, vor. Im Kaukasus gibt es einen Staat namens Armenien. Ein Land dessen Volk wahrscheinlich, sieht man von Israel, den Tutsi und den Opfern des Khmer-Regimes in Kambodscha ab, wie weltweit kaum Anderes durch Völkermord und Unterdrückung gelitten hat, und das durch den seit Ende der Sowjetunion bestehenden militärischen Dauerkonflikt mit dem bevölkerungsreicheren, flächenmäßig dreimal so großen und durch die reichen Erdölvorkommen an seiner Küste auch wirtschaftlich haushoch überlegenen Aserbaidschan, in ständiger Bedrohung lebt. Das russische Militär schützt die Grenze Armeniens mit, und ist hier Garant für die Prävention eines weiteren Völkermords. Würde Russland tatsächlich in einen militärischen Konflikt an seinen Westgrenzen verwickelt und müsste Truppen aus Armenien abziehen, könnte dies vom aserbaidschanischen Diktator Ilham Aliyew, zu dessen Regime ich mich bereits in früheren Beiträgen geäußert habe, als Einladung für einen Überfall auf Armenien verstanden werden. Dies würde vermutlich den Todesstoß für die kleine, junge Demokratie mit Schönheitsfehlern bedeuten. Der Präzedenzfall Nordzypern lässt die Prognose zu, dass vom Westen im Falle eines Überfalls keine Hilfe zu erwarten wäre. Der wird nämlich nur dann aktiv, wenn ein vermeintlicher Partner Russlands gegen Menschenrechte verstößt. Bei den eigenen Partnern oder Staaten gegenüber denen man zumindest neutral eingestellt ist, sieht man gerne einmal über die ein oder andere Invasion oder das ein oder andere Massaker hinweg (z.B. Stichwort „Rojava“).
Klingt absurd oder abwegig? – Mag sein! Auf keinen Fall aber abwegiger als die Szenarien, die unsere Medien von einer Invasion Russlands im Baltikum oder Polen zeichnen. Es sei erwähnt, dass österreichische und schweizerische Berichterstatter vor Ort diese Szenarien auch für unrealistisch halten, ohne von den dreisten Zwischenfragen einer immer unkontrollierter dummdreist agierenden Marieta Slomka oder den Suggestivfragen eines Klaus Kleber unterbrochen zu werden.
Des Weiteren ist Völkerrecht mit seinen verschiedenen Rechtsquellen selten eindeutig und unkontrovers darzustellen ist grundlegend falsch. Eine schlüssige Bewertung diesbezüglich habe ich noch nirgendwo gelesen. Es wird immer nur nach der "Huck, ich habe gesprochen – Mentalität“ gesagt, dass ein Verstoß vorliegt oder nicht. Dass hier aber eventuell Paragraphen der UN-Charta mit Artikeln des Zivilpakts kollidieren und eine Gewichtung vorgenommen werden muss, erwähnt niemand. Ob dies nun absichtlich oder nur aus Faulheit geschieht sei dahinstellt. Von Resolutionen der UN oder des Europarats, die in der Praxis nicht wirklich justiziabel sind, sondern bislang lediglich Empfehlungscharakter besitzen ganz zu schweigen. Völkerrecht ist keine Ampel, auf der es nur Rot und Grün gibt, sondern eine komplexe Baustelle.
In der politischen Bildung gibt es gemäß dem Beutelsbacher Konsens ein Indoktrinationsverbot und ein Kontroversitätsgebot, an dem sich Lehrkörper dieses Faches zu orientieren haben.
Den meisten Journalisten der Tagesschau, von ProSieben-Sat1, RTL und insbesondere des ZDF scheinen solche Prinzipien vollkommen fremd zu sein.
Die deutschen Medien inszenieren, wie so oft wenn es um Russland geht, die plumpen Stereotypen vom bösen, skrupellosen und mit unlauteren Mitteln kämpfenden Iwan Drago. Als kritischer Mensch sollte man sich wünschen, sie würden ein bisschen mehr auch den Viktor aus Billy Joels Song Leningrad berücksichtigen.
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Mittwoch, 29. Januar 2014
Büttenredner bewerben sich für den Karneval: John Kornblum und Julian Reichelt bei Günther Jauch
Man konnte in der Günther Jauch Sendung vom 26.01.2014 seinen Ohren kaum trauen und musste sich manchmal ernsthaft fragen, ob John Kornblum und Julian Reichelt die Zuschauer wirklich für minderbemittelt halten oder sich quasi Last-Minute für den Kölsche Karneval bewerben.
Julian Reichelt, Chefredakteur der Bildzeitung, sagte doch tatsächlich, es sei verständlich, dass die USA Kanzlerin Angela Merkel abhören, weil diese schließlich in punkto Syrien andere Positionen vertrete.
- Nein, welch ein Affront von Frau Merkel! Wie kann sie denn eine andere Meinung haben. Man sollte nicht nur ihr Handy überwachen, sondern ihr sofort seitens der NSA einen 24/7-aktiven Kameramann zur Seite stellen. Seit wann darf sich die Regierungschefin eines „Partnerstaats“ eine eigene Meinung erlauben?- So eine Dreistigkeit aber auch, geradezu blasphemisch!
John Kornblum: „Deutschland braucht den Schutz der USA nötiger denn je“
- Hä??? Vor wem denn bitte? Ach so, Herr Kornblum ich verstehe schon und Sie haben natürlich Recht. Vor Saddam Husseins Leiche müssen die USA Deutschland beschützen, richtig?! Der hat sich, so verlautet es aus offiziellen Kreisen, bei seinem Intermezzo im Hades nicht nur seinen Namen in Satan Hussein geändert, sondern sich nun doch mit Massenvernichtungswaffen eingedeckt. Diesmal wird dann die ganze Chose also keine False Flag Operation mehr.
Ebenso kam immer wieder der plumpe Versuch das rhetorische Mittel der „Umkehr des Sachverhalts“ anzuwenden. Edward Snowden sei ja schließlich in Russland und Russland ist nämlich ganz, ganz böse…
Ja, die sowjetische Intervention in Afghanistan von 1979 bis 1989 war völkerrechtlich fraglich. Aber war die Rolle der USA in Panama, Nicaragua, El Salvador oder später im Irak rühmlicher? – Sicher nicht!
Ja, in russischen Straflagern herrschen menschenrechtlich katastrophale Zustände. Aber sind die Zustände in Guantanamo besser? – Sicher nicht!
Aus gutem Grund fielen die Tweets zu den beiden Herrschaften beinahe durchweg negativ aus.
Herr Kornblum, Herr Reichelt, auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen. Immer wieder Rocky Balboa gegen Ivan Drago inszenieren zu wollen, funktioniert nicht!
Außerdem äußerte Reichelt wiederholt, die bloße Thematisierung der Persona Snowden sowie der NSA-Affäre würden das Transatlantische Bündnis gefährden.
- Ist denn ein „Bündnis“, in dem sog. „Partner“ nicht gleichberechtigt miteinander debattieren können und gleichberechtigte Möglichkeiten haben das „Bündnis“ zu gestalten überhaupt noch ein „Bündnis“? Und wenn ja, gefährdet nicht vielmehr eine Haltung wie Reichelt und Kornblum sie einnehmen solche „Bündnisse“?
Die versuchte Stilisierung von berechtigter und längst überfälliger Kritik zu „Antiamerikanismus“, die reißerischen Parolen ohne ansatzweise Argumente sowie die offenkundige Ablehnung jeglichen Kompromissansatzes waren Antiwerbung für Reichelt und Kornblum. Über weite Strecken hatte man den Eindruck, es handele sich bei den beiden um Sympathisanten eines totalitären Regimes.
Wer Gesprächen deutscher und amerikanischer Touristen im Sommerurlaub 2013 rund um das Mittelmeer oder im Winter auf den elsässischen Weihnachtsmärkten zum Thema Abhörskandal lauschte, stellte zumeist Einigkeit darüber fest, dass Snowden gut daran tat, die Praktiken der NSA zu enthüllen und dass diesen Einhalt geboten werden muss.
Wenn man aber Kritik an staatlichen Praktiken nicht mehr mit Argumenten zurückweisen kann, versucht man sie als eben Hass gegen ein ganzes Volk darzustellen, damit der ein oder andere Kritiker aus schlechtem Gewissen die Schnauze hält. Ganz schwacher Trick, Herr Reichelt und Herr Kornblum!
Tja ihr beiden, Repressivität fängt wohl an dem Punkt an, wo Kritik an der Obrigkeit nicht mehr erlaubt ist…
Julian Reichelt, Chefredakteur der Bildzeitung, sagte doch tatsächlich, es sei verständlich, dass die USA Kanzlerin Angela Merkel abhören, weil diese schließlich in punkto Syrien andere Positionen vertrete.
- Nein, welch ein Affront von Frau Merkel! Wie kann sie denn eine andere Meinung haben. Man sollte nicht nur ihr Handy überwachen, sondern ihr sofort seitens der NSA einen 24/7-aktiven Kameramann zur Seite stellen. Seit wann darf sich die Regierungschefin eines „Partnerstaats“ eine eigene Meinung erlauben?- So eine Dreistigkeit aber auch, geradezu blasphemisch!
John Kornblum: „Deutschland braucht den Schutz der USA nötiger denn je“
- Hä??? Vor wem denn bitte? Ach so, Herr Kornblum ich verstehe schon und Sie haben natürlich Recht. Vor Saddam Husseins Leiche müssen die USA Deutschland beschützen, richtig?! Der hat sich, so verlautet es aus offiziellen Kreisen, bei seinem Intermezzo im Hades nicht nur seinen Namen in Satan Hussein geändert, sondern sich nun doch mit Massenvernichtungswaffen eingedeckt. Diesmal wird dann die ganze Chose also keine False Flag Operation mehr.
Ebenso kam immer wieder der plumpe Versuch das rhetorische Mittel der „Umkehr des Sachverhalts“ anzuwenden. Edward Snowden sei ja schließlich in Russland und Russland ist nämlich ganz, ganz böse…
Ja, die sowjetische Intervention in Afghanistan von 1979 bis 1989 war völkerrechtlich fraglich. Aber war die Rolle der USA in Panama, Nicaragua, El Salvador oder später im Irak rühmlicher? – Sicher nicht!
Ja, in russischen Straflagern herrschen menschenrechtlich katastrophale Zustände. Aber sind die Zustände in Guantanamo besser? – Sicher nicht!
Aus gutem Grund fielen die Tweets zu den beiden Herrschaften beinahe durchweg negativ aus.
Herr Kornblum, Herr Reichelt, auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen. Immer wieder Rocky Balboa gegen Ivan Drago inszenieren zu wollen, funktioniert nicht!
Außerdem äußerte Reichelt wiederholt, die bloße Thematisierung der Persona Snowden sowie der NSA-Affäre würden das Transatlantische Bündnis gefährden.
- Ist denn ein „Bündnis“, in dem sog. „Partner“ nicht gleichberechtigt miteinander debattieren können und gleichberechtigte Möglichkeiten haben das „Bündnis“ zu gestalten überhaupt noch ein „Bündnis“? Und wenn ja, gefährdet nicht vielmehr eine Haltung wie Reichelt und Kornblum sie einnehmen solche „Bündnisse“?
Die versuchte Stilisierung von berechtigter und längst überfälliger Kritik zu „Antiamerikanismus“, die reißerischen Parolen ohne ansatzweise Argumente sowie die offenkundige Ablehnung jeglichen Kompromissansatzes waren Antiwerbung für Reichelt und Kornblum. Über weite Strecken hatte man den Eindruck, es handele sich bei den beiden um Sympathisanten eines totalitären Regimes.
Wer Gesprächen deutscher und amerikanischer Touristen im Sommerurlaub 2013 rund um das Mittelmeer oder im Winter auf den elsässischen Weihnachtsmärkten zum Thema Abhörskandal lauschte, stellte zumeist Einigkeit darüber fest, dass Snowden gut daran tat, die Praktiken der NSA zu enthüllen und dass diesen Einhalt geboten werden muss.
Wenn man aber Kritik an staatlichen Praktiken nicht mehr mit Argumenten zurückweisen kann, versucht man sie als eben Hass gegen ein ganzes Volk darzustellen, damit der ein oder andere Kritiker aus schlechtem Gewissen die Schnauze hält. Ganz schwacher Trick, Herr Reichelt und Herr Kornblum!
Tja ihr beiden, Repressivität fängt wohl an dem Punkt an, wo Kritik an der Obrigkeit nicht mehr erlaubt ist…
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Freitag, 29. März 2013
Steinbrück hat Recht - Das unverhältnismäßige Russlandbashing muss aufhören!
Danke Peer Steinbrück - Ihr Aufruf zur Mäßigung der unverhältnismäßigen und undifferenzierten Russlandberichterstattung ist einer der besten und mutigsten Schritte eines deutschen Spitzenpolitikers seit der Weigerung zur Partizipation am Irakkrieg!
Ausführliche Hintergrundinfos dazu kann man in meinem vorherigen Blogeintrag sowie dem Eintrag von Ende 2012 über indirekte Zensur in unseren Televisionsmedien nachlesen. Die Kritik an Russland und die undifferenzierte mediale Ausschlachtung jedes leisen Husters von Putin zum Orkan, stehen in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Sachverhalten und Hintergründen seiner Politik.
Einmal ganz davon abgesehen, dass diese Form der Russlandberichterstattung zu einem mittlerweile immer bedenklicheren, weil als geradezu schick geltenden, antislawischen Rassismus innerhalb deutscher Oberschichten führt. Die mediale Stilisierung Russlands zum Reich des Bösen hat etwas von Rocky oder Rambo Filmen. Sie ist unterhaltsam, aber vollkommen an der Wirklichkeit vorbei.
Zu welchen antislawisch-rassistischen Auswüchsen dies führt und wie unverhältnismäßig die Berichterstattung stattindet, darf gerne in der zweiten Hälfte meines Blogeintrags "Unglaubliche Dämlichkeiten beim Thailänder, die Heilkräfte russischer Babkas und Aleviten im Salat oder Ganz alltägliche Begegnungen mit den Bildungslücken und Vorurteilen des deutschen Bildungsbürgertums" nachgelesen werden.
Steinbrück hat vollkommen Recht, wenn er den mutigen Schritt wagt zur Mäßigung aufzurufen!
Ausführliche Hintergrundinfos dazu kann man in meinem vorherigen Blogeintrag sowie dem Eintrag von Ende 2012 über indirekte Zensur in unseren Televisionsmedien nachlesen. Die Kritik an Russland und die undifferenzierte mediale Ausschlachtung jedes leisen Husters von Putin zum Orkan, stehen in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Sachverhalten und Hintergründen seiner Politik.
Einmal ganz davon abgesehen, dass diese Form der Russlandberichterstattung zu einem mittlerweile immer bedenklicheren, weil als geradezu schick geltenden, antislawischen Rassismus innerhalb deutscher Oberschichten führt. Die mediale Stilisierung Russlands zum Reich des Bösen hat etwas von Rocky oder Rambo Filmen. Sie ist unterhaltsam, aber vollkommen an der Wirklichkeit vorbei.
Zu welchen antislawisch-rassistischen Auswüchsen dies führt und wie unverhältnismäßig die Berichterstattung stattindet, darf gerne in der zweiten Hälfte meines Blogeintrags "Unglaubliche Dämlichkeiten beim Thailänder, die Heilkräfte russischer Babkas und Aleviten im Salat oder Ganz alltägliche Begegnungen mit den Bildungslücken und Vorurteilen des deutschen Bildungsbürgertums" nachgelesen werden.
Steinbrück hat vollkommen Recht, wenn er den mutigen Schritt wagt zur Mäßigung aufzurufen!
Mittwoch, 27. März 2013
Unglaubliche Dämlichkeiten beim Thailänder, die Heilkräfte russischer Babkas und Aleviten im Salat oder Ganz alltägliche Begegnungen mit den Bildungslücken und Vorurteilen des deutschen Bildungsbürgertums
Es ist Samstagabend in einer beschaulichen mittelhessischen Kleinstadt mit Bischofssitz. Dass der alte Bischof um Längen besser war als der Neue ist hier zurecht allgemeiner Konsens und spricht sehr für die Domstadt. Ich möchte mir also einen ruhigen und gemütlichen Abend beim Thailänder machen und freue mich auf den im Anschluss geplanten Kinobesuch. Der erste Wehrmutstropfen: Die Heizung ist kaputt, draußen sind es -8°C. Ich muss mich also umsetzen, um die wenige aber dafür gebündelte Wärme des provisorisch aufgestellten Heizlüfters zu nutzen, damit ich mich nicht erkälte. Am Tisch neben sitzen zwei Paare.
Eines der beiden Anfang 50, das andere deutlich jünger, so Anfang 20 und offenkundig, das wird aus den Tischgesprächen deutlich, zwei Lehramtsstudenten. Die Gruppe ist zu viert dort. Bis sie das Restaurant verlassen, kann ich nicht zuordnen, ob das ältere Paar seine Eltern sind oder ihre. Sie führen eine Unterhaltung in einer, gelinde gesagt, für die Nachbartische störenden Lautstärke. Keiner, auch ich nicht, beschwert sich; „Leben und leben lassen“ heißt es ja schließlich. Stattdessen lausche ich, was sie so zu sagen haben.
Die USA werden für ihre Irakpolitik harsch angegangen. – Eine Ansicht, die ich noch irgendwo teilen kann, bevor mir nach und nach übel wird. Man unterhält sich über das russische Gesetz, welches die Adoption von russischen Waisenkindern durch Familien in den verbietet USA. Wortführerin ist unangefochten der weibliche Part des älteren Pärchens.
- „Die Russen haben keine Probleme damit ihre Kinder wegzugeben. Die Russen sind ein sehr menschenverachtendes Volk“, poltert die Dame.
– Ca. 200 Millionen Russen – die Bevölkerung Russlands ist etwas geringer, zählt man aber jene mit, die in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken leben, kommt man ungefähr auf diese Zahl - , alle menschenverachtend? So ein Unsinn! Wenn dem so wäre dürfte es ja gar keine russischen Menschen mehr geben. Zweifelsohne auch ein Produkt der undifferenzierten und durchweg negativen Russlandberichterstattung in den Nachrichtensendungen der deutschen Mainstreammedien. Meiner Erfahrung nach, und das dürfte jeder, der mit Vertretern dieses Kulturkreises zu tun hat oder einmal Russland bereist hat, bestätigen können, lieben viele Russen ihre Familien weit über das Verständnis der westlichen Industrienationen von Liebe und Loyalität, hinaus und viele Europäer könnten sich gerade in punkto emotionale Wärme hier ein Beispiel an ihnen nehmen.
Einige etwas leichtere Gesprächsthemen weiter und ca. 15 Minuten später fängt die bereits erwähnte Dame, eine Bankangestellte in leitender Position, an, über ihren Chef herzuziehen. Nun ja, bis dahin nichts Ungewöhnliches – Welche/r Angestellte tut dies nicht. Bemerkenswert bis ekelerregend ist vielmehr die Art und Weise, in der sie es tut.
- „Mein Chef, den sie mir da jetzt vorgesetzt haben, der ist Holländer. Ey, der hat neulich einen Brief geschrieben, der an ne andere Filiale gehn sollte. Den hab ich nur durch Zufall auf meinem Schreibtisch gehabt. Ich hab in jedem Satz 20 Fehler korrigiert und dann hat der das in einem Tuckendeutsch geschrieben. Ne! Das konnt man net abschigge. Wenn die Käsköpp schon hier arbeidde, dann sollen sie wenigstens deutsch können.“
Ich denke bei mir: Dass das Beherrschen der deutschen Sprache meist eine notwendige Voraussetzung zur Partizipation am Erwerbsleben hierzulande ist, steht natürlich außer Frage. Aus den Worten der Dame spricht jedoch der blanke Neid, den sie in einer Form latenten Rassismus gegen Niederländer äußert, wie man sie bei den Generationen 45+ leider noch sehr häufig vorfindet. Eine gewisse Verbitterung über die wahrscheinlich höhere Gehaltsklasse ihres Chefs ist ebenso evident. Auch ich habe geschäftlich nicht selten mit Kunden in den Niederlanden zu tun und bin immer wieder beeindruckt, wie weit verbreitet dort die deutsche Sprache, trotz der nationalsozialistischen Greueltaten am holländischen Volk, heute dort ist, wie offen und ressentimentlos man mir dort begegnet und vor allem wie grammatikalisch oft makellos die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift erfolgt – von spitzenmäßigen Englisch der Mehrheit der Holländer mal ganz zu schweigen!
Man muss also davon ausgehen, dass die Dame von Neid, Frust und Rassismus getrieben, hier eine verzerrte Wahrnehmung bzgl. der Fähigkeiten ihres Vorgesetzten im Hinblick auf seine Fähigkeiten in der deutschen Sprache, hat und davon sogar derart überzeugt ist, dass sie sich nicht schämt, damit ein ganzes Restaurant zu unterhalten. Ob andere Gäste dies hören wollen oder nicht scheint ihr egal zu sein. So merkt sie nicht einmal, wie ein junger Mann, der in weiblicher Begleitung am Tisch schräg gegenüber von sitzt, sich im Moment o.g. Äußerung zu ihr umdreht, mit den Augen rollt und kopfschüttelnd ein Gespräch mit seiner Begleitung beginnt. Ein Statement, wie es um ihre Kenntnisse der niederländisch-flämischen Sprache steht, bleibt die Bankangestellte natürlich schuldig. Natürlich habe ich mir nichts anmerken lassen, der Appetit am ansonsten überaus leckeren Essen, war mir allerdings vergangen.
Freundlich, höflich und zuvorkommend verabschiedete sich die Dame bei mir, als die vier das Restaurant verließen. Ich entgegnete ebenso mit meinem breitesten Lächeln, ließ es mir aber nicht nehmen durch das Wünschen einer „Spakoinoi nochy“ noch eine kleine aber feine Spitze zu verteilen. Ich weiß es nicht, aber meine an ihrer Mimik erkannt zu haben, dass sie genau verstanden hat, worauf ich durch die Verwendung der russischen Sprache anspielte.
Nun, solch verwirrte Menschen gibt es wohl überall. Für hoch problematisch sehe ich aber im Wesentlichen zwei Aspekte an:
1.) Keiner der 3 Tischgenossen widersprach ihr in irgendeinem Punkt oder relativierte auch nur ihr Parolen und Hasstiraden. Sie scheint also eindeutig als Meinungsbildnerin und Macherin in dieser Familie zu agieren und genießt diesbezüglich eine fatale Autorität, die ihre mehr als bedenklichen Ansichten wuchern lässt.
2.) Die Dame und ihre 3 Begleiter waren keinesfalls irgendwelche dahergelaufenen Bomberjacken tragenden Hobbyglatzen. Ganz im Gegenteil, sie wiesen alles ein sehr gepflegtes Erscheinungsbild auf, bedienten sich nicht selten gehobener Wortwahl und wiesen bei anderen Gesprächsthemen eine profunde Kenntnis des deutschen Bildungswesens sowie in punkto Kunsthistorie auf. Solche Ansichten bei derart gebildeten Menschen? Dabei soll doch Bildung eigentlich das Allheilmittel gegen rechtes und rassistisches Gedankengut sein. Aber würde diese Dame überhaupt merken, dass sie derartiges Gedankengut verbreitet?
Die Antwort ist ein klares NEIN!
Warum? Weil Bildung in diesem Kontext wertlos ist, wenn sie keine Aufklärung beinhaltet. Rechtsradikalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit werden seit einigen Jahren in den deutschen Medien und parteiübergreifend von hochrangingen Politikern komplett und ausschließlich auf Islamphobie und Hass gegen türkischstämmige Migranten beschränkt. Diese beiden Aspekte sind zweifelsohne auch große Problem in der deutschen Gesellschaft, das komplette Phänomen aber darauf zu beschränken, ist aber einfach dumm und gefährlich.
Das Produkt einer solchen Meinungsmache sind Ansichten, wie sie bei der o.g. Dame vorherrschen. Über die Formen von Rassismus, die sie äußert, regt sich skandalöserweise auch niemand wirklich auf. Holländer durch den Kakao zu ziehen ist doch in Deutschland total lustig und bei nahezu jeder Gelegenheit gesellschaftsfähig – schließlich haben die Bösen Rudi Völler angespuckt…Wer nicht rafft, dass der letzte Satz ironisch gemeint war: EINFACH DIE FRESSE HALTEN!
Nach den Erfahrungen dieses Abends muss folgende unbequeme Frage einmal gestellt werden:
Wenn Mohammed Karikaturen einen riesen Medienrummel erzeugen und tagelang in allen Nachrichtensendungen sowie Bestandteil diverser Polittalks sind, warum wird eigentlich so rein gar nicht über den insbesondere vor 1965 geborenen Deutschen vorhanden Hass gegen Mitmenschen aus den Niederlanden ? – Man mag mir vorwerfen, der Vergleich hinke. Dem ist aber mit Nichten so, In punkto Verhältnismäßigkeit liegt bei der hiesigen Berichterstattung einiges im Argen. Und dass die meisten Holländer die dämlichen deutschen Ressentiments mit Humor nehmen, spricht auf ein Neues für die Holländer, nimmt aber zweifelsohne rassistischen Äußerungen wie jenen besagter Bankangestellter nicht die Brisanz.
Um hier Kritik vorzubeugen: Berichte, die zu einer kontroversen Debatte über die Verletzung religiöser Gefühle, egal welcher Glaubensrichtung oder Konfession, führen, müssen natürlich Bestandteil unserer Medienlandschaft bleiben.
ABER: Das Thema Rassismus ist zu komplex, um darauf beschränkt zu werden. Schon in einem früheren Thread habe ich vor dem was jetzt kommt unter einer Fokussierung auf andere Sachverhalte gewarnt.
Welche katastrophalen Auswirkungen die negative Russlandberichterstattung von ARD-Tagesschau, ZDF-heute und RTL Aktuell hat, beweist nicht nur die Dame aus dem Restaurant. Auch war ich über Jahre extrem über die Äußerungen einer guten Bekannten, die ich privat sehr schätze, die aber keine Gelegenheit ausließ, sich abfällig über Russen und andere Vertreter slawischer Völker zu äußern, teilweise schockiert und teilweise sogar regelrecht erbost.
Auch da fielen Äußerungen wie „Die sind alle ekelhaft“, „Menschenverachtendes, brutales Volk“…und der ganze klischeehafte rassistische Nonsens über „die Russen“ und Russland, der es leider heute geschafft hat nicht nur gesellschaftsfähig zu sein sondern sogar in weiten Kreisen des deutschen Bildungsbürgertums als schick zu gelten. Meine Bekannte verfügt übrigens über ein abgeschlossenes Studium und arbeitet in leitender Funktion im technischen Bereich bei der deutschen Filiale eines amerikanischen Weltunternehmens. Hier allerdings freue ich mich sehr, dass sie diese Ansichten inzwischen nicht mehr vertritt. Der Grund dafür ist eine recht schwere, aber niemals lebensbedrohliche Krankheit bei ihr. Sie fuhr über zwei Jahre lang von einem Arzt zum anderen. Aber die Schulmedizin konnte keine Abhilfe, ja nicht einmal eine definitiv verlässliche Diagnose stellen. Durch eine Arbeitskollegin wurde ihr eine russische Babka empfohlen (eine Art traditionelle russische Naturheilkundlerin). Sie behandelt sie bis heute im Behandlungsraum ihrer Wohnung und hat das geschafft, was 4 regional im Rhein-Main-Gebiet sehr angesehene Schulmediziner nicht vermochten. Die körperlich vorher klar sichtbaren Symptome sind bereits vollständig weg. Auch ihre vorher ausschließlich durch die Medien geprägte Sichtweise auf Väterchen Russland und seine Kinder hat sich zum Glück nun um 180° gedreht.
Doch solche Erfahrungen sind leider lange nicht jedem vergönnt und wer nicht die Gelegenheit hat sie zu machen sowie auch jeder andere, lese bitte Folgendes, um nicht alles zu glauben, was die Massenmedien versuchen uns zu suggerieren. Ich möchte mich nun der himmelweit unterschiedlichen medialen Aufmerksamkeit bzgl. zweier Ereignisse widmen, wie sie artverwandter kaum sein könnten: Im Gegensatz zur in einem früheren Thread beschriebenen Ausschlachtung des Pussy-Riot-Prozesses und der damit verbundenen Stilisierung von Grobem Unfug zu revolutionärem Freiheitskampf, muss sich die russische Legislative sicherlich ein gewisses Maß an Kritik für sein Gesetz gefallen lassen, welches die Adoption russischer Waisen durch US-Bürger untersagt. Dieses Thema lief über eine ganze Woche durch alle Nachrichten -, Politik-, und Gesellschaftssendungen auf RTL, ZDF und ARD. Dafür dass dieses Gesetz für Deutschland keinerlei Bedeutung hat, sondern allenfalls für den an den Kalter-Krieg-Reloaded-ähnlichen Beziehungen ganz und gar nicht unschuldigen großen Bruder aus den USA, ist das verdammt viel Sendezeit.
Ganz zu schweigen davon, dass natürlich nur Russland kritisiert wurde und die USA nahezu vollkommen kritiklos davon kamen, was der Sache nicht gerecht wird. Schon das türkische Pendant zum Pussy-Riot-Prozess, die lächerliche Anklage gegen den Pianisten Fazil Say, fand hierzulande nur in den Printmedien ein wenig Beachtung.
Nun aber geht es um ein Thema, das äquivalenter zum russischen Adoptionsgesetz nicht sein könnte. So hat es sich die türkische Regierung auf die Fahnen geschrieben, einer türkischen Mutter dabei zu helfen, ihren bei einem lesbischen Paar in den Niederlanden lebenden Sohn, den sie zur Adoption frei gegeben hat, zurückzuholen.
Die Welt berichtete am 18.03.2013 wie folgt:
- „Die Regierung in Ankara setzt sich vehement für eine Rückkehr des Jungen zu seiner leiblichen Mutter ein. Eine türkische Parlamentskommission für die Menschenrechte will ermittelt haben, dass etwa 5000 Kinder türkischer Herkunft europaweit in "fragwürdigen" Familienverhältnissen lebten. Damit sind christliche und schwule Adoptiveltern gemeint. Am Donnerstag besucht der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte, Chef einer konservativ-sozialen Koalition, und dabei dürfte Yunus Thema werden. Yunus wurde 2004 kurz nach seiner Geburt mit Kopfverletzungen und einem gebrochenen Arm ins Krankenhaus eingeliefert. Seine Mutter behauptete, er sei gefallen. Das Haager Jugendamt glaubte ihr nicht. Auch die älteren Geschwister von Yunus, Arif und Halil, wurden von den Behörden wegen Misshandlung und erzieherischer Mängel ihrer Eltern für die Adoption durch andere lesbische Paare freigegeben. Die Mutter entführte Arif und Halil daraufhin und brachte sie zu den Großeltern in der Türkei. Ein niederländischer Richter verurteilte die türkischen Eltern deshalb zu einer Haftstrafe und sorgte dafür, dass die Kinder an die Nordsee zurückkehrten, wo sie jetzt noch immer leben.“ http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article114525880/Erdogan-Keine-muslimischen-Kinder-fuer-lesbische-Paare.html
Man muss sich das mal überlegen. Es handelt sich hier nicht um ein unbedeutendes Schamützel zwischen zwei übrig gebliebenen Alten Kriegern! Die Regierung in Ankara gibt sich offen rassistisch gegen die mehrheitlich christlichen Adoptiveltern Europas, unverhohlen homophob gegen homosexuelle Paare, die die Größe und Güte besitzen Waisenkindern oder Kinder deren Eltern sie, aus welchen Gründen auch immer abgeben mussten, ein neues Zuhause zu geben. Heute vermeldeten die „Deutsch-Türkischen-Nachrichten“, dass die Regierung Erdogan sogar den Europäischen Menschrechtsgerichthof mit einer Klage, in der sie ein Recht auf türkischstämmig-muslimische Adoptiveltern für Adoptivkinder aus der Türkei fordert, belästigen wird. Das könnte auch hunderte, wenn nicht sogar tausende Adoptiveltern in Deutschland betreffen.
Wer jedoch meint, dieser neuerliche Akt des Rassismus, der Homophobie und Menschenverachtung der Regierung Ankara, der nicht zuletzt durch den Gang nach Den Haag einen Teil unser aller Steuergroschen fressen wird, sei dem deutschen TV eine Meldung wert, ist auf dem Holzweg. Zu groß scheint a) der Einfluß türkischer Lobbys und b) die Angst vor tobenden türkischen Verbänden, die bei jedem Anflug von leisester Kritik die Nazikeule schwingen, fällt diese Meldung doch mit dem Start des Prozess gegen Beate Tschäpe zusammen und ist es doch viel politisch korrekter, 24/7 das OLG München für seine zugegebenermaßen mehr als unglückliche Entscheidung, türkischen Medienvertretern den Zugang zum Prozess zu verwehren, nieder zu machen.
Zu welcher Form von Rassismus gegenüber Russland diese bis zur Unkenntlichkeit verfälschten Bilder der Medien führen, habe ich ausführlich erläutert. Auch wird durch das nahezu vollständige Ausbleiben von Kritik an der Türkei, die nur als faszinierendes und wunderbares Urlaubsparadies dargestellt wird, was sie zweifelsohne auch ist, wird die Sensibilität gegenüber dem, was dort gerade passiert und was durch regierungsabhängige türkische Vereine nach Deutschland hineingetragen wird, die Sensibilität gegenüber der Dimension und Tragweite eines Gesetzes, wie es Ankara in punkto Adoption vorsieht, vollkommen abgetötet.
Hier greift die mit überwältigender Mehrheit wiedergewählte Regierung EU-Anwärter über Jahrhunderte mühsam erworbene Grundwerte von Toleranz und Menschlichkeit an, die es zu bewahren gilt und bekommt dafür viel Applaus im eigenen Land sowie bei türkischstämmigen Migranten in Europa. Wenn „Liderin Lideri“ (Führer der Führer), wie viele Erdogananhänger ihn mittlerweile nennen befiehlt, scheint ein leider immer größer werdender Teil seiner Landsleute ihm auch in die noch so absurdesten Unternehmungen zu folgen. An die mediale Nichtbeachtung der katastrophalen Minderheitenlage im Staat zwischen Bosporus und Euphrat hat man sich traurigerweise ebenso bereits gewöhnt wie daran in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft als Rechtsradikal zu gelten, wenn diese auch nur fragmentär anschneidet.
Neulich noch meinte ein guter Freund mit Abitur und gehobener kaufmännischer Ausbildung zu mir, ich weise ja schon durch meine Kritik an der Türkei – hier liegt schon das erste Fehler, da ich niemals die Türkei als Ganzes, deren Gastfreundschaft, Sprache, Musik, kulinarische Genüsse und touristische Attraktivität ich sehr schätze, kritisiere, sondern mir große Mühe gebe, die korrekten Terminologien türkische Regierung sowie staatlich-türkische Minderheitenpolitik zu verwenden - rechte Tendenzen auf. Darauf ging ich nicht weiter ein und fragte ihn, um die Differenziertheit seiner Aussage zu verifizieren, ob er wisse, wer oder was Aleviten seien und ob er deren Geschichte kenne. Er entgegnete mir ernst, ungelogen, ohne Scham und sich selbst dabei nicht bewusst, was für eine Bildungslücke er im Zuge war zu offenbaren: - „Ja, die sind manchmal im italienischen Salat. Ich esse die aber nicht gerne, das sind, glaube ich, Nachtschattengewächse, oder? Aber wie kommste drauf und was hat das jetzt mit der Türkei zu tun?“
Eines der beiden Anfang 50, das andere deutlich jünger, so Anfang 20 und offenkundig, das wird aus den Tischgesprächen deutlich, zwei Lehramtsstudenten. Die Gruppe ist zu viert dort. Bis sie das Restaurant verlassen, kann ich nicht zuordnen, ob das ältere Paar seine Eltern sind oder ihre. Sie führen eine Unterhaltung in einer, gelinde gesagt, für die Nachbartische störenden Lautstärke. Keiner, auch ich nicht, beschwert sich; „Leben und leben lassen“ heißt es ja schließlich. Stattdessen lausche ich, was sie so zu sagen haben.
Die USA werden für ihre Irakpolitik harsch angegangen. – Eine Ansicht, die ich noch irgendwo teilen kann, bevor mir nach und nach übel wird. Man unterhält sich über das russische Gesetz, welches die Adoption von russischen Waisenkindern durch Familien in den verbietet USA. Wortführerin ist unangefochten der weibliche Part des älteren Pärchens.
- „Die Russen haben keine Probleme damit ihre Kinder wegzugeben. Die Russen sind ein sehr menschenverachtendes Volk“, poltert die Dame.
– Ca. 200 Millionen Russen – die Bevölkerung Russlands ist etwas geringer, zählt man aber jene mit, die in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken leben, kommt man ungefähr auf diese Zahl - , alle menschenverachtend? So ein Unsinn! Wenn dem so wäre dürfte es ja gar keine russischen Menschen mehr geben. Zweifelsohne auch ein Produkt der undifferenzierten und durchweg negativen Russlandberichterstattung in den Nachrichtensendungen der deutschen Mainstreammedien. Meiner Erfahrung nach, und das dürfte jeder, der mit Vertretern dieses Kulturkreises zu tun hat oder einmal Russland bereist hat, bestätigen können, lieben viele Russen ihre Familien weit über das Verständnis der westlichen Industrienationen von Liebe und Loyalität, hinaus und viele Europäer könnten sich gerade in punkto emotionale Wärme hier ein Beispiel an ihnen nehmen.
Einige etwas leichtere Gesprächsthemen weiter und ca. 15 Minuten später fängt die bereits erwähnte Dame, eine Bankangestellte in leitender Position, an, über ihren Chef herzuziehen. Nun ja, bis dahin nichts Ungewöhnliches – Welche/r Angestellte tut dies nicht. Bemerkenswert bis ekelerregend ist vielmehr die Art und Weise, in der sie es tut.
- „Mein Chef, den sie mir da jetzt vorgesetzt haben, der ist Holländer. Ey, der hat neulich einen Brief geschrieben, der an ne andere Filiale gehn sollte. Den hab ich nur durch Zufall auf meinem Schreibtisch gehabt. Ich hab in jedem Satz 20 Fehler korrigiert und dann hat der das in einem Tuckendeutsch geschrieben. Ne! Das konnt man net abschigge. Wenn die Käsköpp schon hier arbeidde, dann sollen sie wenigstens deutsch können.“
Ich denke bei mir: Dass das Beherrschen der deutschen Sprache meist eine notwendige Voraussetzung zur Partizipation am Erwerbsleben hierzulande ist, steht natürlich außer Frage. Aus den Worten der Dame spricht jedoch der blanke Neid, den sie in einer Form latenten Rassismus gegen Niederländer äußert, wie man sie bei den Generationen 45+ leider noch sehr häufig vorfindet. Eine gewisse Verbitterung über die wahrscheinlich höhere Gehaltsklasse ihres Chefs ist ebenso evident. Auch ich habe geschäftlich nicht selten mit Kunden in den Niederlanden zu tun und bin immer wieder beeindruckt, wie weit verbreitet dort die deutsche Sprache, trotz der nationalsozialistischen Greueltaten am holländischen Volk, heute dort ist, wie offen und ressentimentlos man mir dort begegnet und vor allem wie grammatikalisch oft makellos die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift erfolgt – von spitzenmäßigen Englisch der Mehrheit der Holländer mal ganz zu schweigen!
Man muss also davon ausgehen, dass die Dame von Neid, Frust und Rassismus getrieben, hier eine verzerrte Wahrnehmung bzgl. der Fähigkeiten ihres Vorgesetzten im Hinblick auf seine Fähigkeiten in der deutschen Sprache, hat und davon sogar derart überzeugt ist, dass sie sich nicht schämt, damit ein ganzes Restaurant zu unterhalten. Ob andere Gäste dies hören wollen oder nicht scheint ihr egal zu sein. So merkt sie nicht einmal, wie ein junger Mann, der in weiblicher Begleitung am Tisch schräg gegenüber von sitzt, sich im Moment o.g. Äußerung zu ihr umdreht, mit den Augen rollt und kopfschüttelnd ein Gespräch mit seiner Begleitung beginnt. Ein Statement, wie es um ihre Kenntnisse der niederländisch-flämischen Sprache steht, bleibt die Bankangestellte natürlich schuldig. Natürlich habe ich mir nichts anmerken lassen, der Appetit am ansonsten überaus leckeren Essen, war mir allerdings vergangen.
Freundlich, höflich und zuvorkommend verabschiedete sich die Dame bei mir, als die vier das Restaurant verließen. Ich entgegnete ebenso mit meinem breitesten Lächeln, ließ es mir aber nicht nehmen durch das Wünschen einer „Spakoinoi nochy“ noch eine kleine aber feine Spitze zu verteilen. Ich weiß es nicht, aber meine an ihrer Mimik erkannt zu haben, dass sie genau verstanden hat, worauf ich durch die Verwendung der russischen Sprache anspielte.
Nun, solch verwirrte Menschen gibt es wohl überall. Für hoch problematisch sehe ich aber im Wesentlichen zwei Aspekte an:
1.) Keiner der 3 Tischgenossen widersprach ihr in irgendeinem Punkt oder relativierte auch nur ihr Parolen und Hasstiraden. Sie scheint also eindeutig als Meinungsbildnerin und Macherin in dieser Familie zu agieren und genießt diesbezüglich eine fatale Autorität, die ihre mehr als bedenklichen Ansichten wuchern lässt.
2.) Die Dame und ihre 3 Begleiter waren keinesfalls irgendwelche dahergelaufenen Bomberjacken tragenden Hobbyglatzen. Ganz im Gegenteil, sie wiesen alles ein sehr gepflegtes Erscheinungsbild auf, bedienten sich nicht selten gehobener Wortwahl und wiesen bei anderen Gesprächsthemen eine profunde Kenntnis des deutschen Bildungswesens sowie in punkto Kunsthistorie auf. Solche Ansichten bei derart gebildeten Menschen? Dabei soll doch Bildung eigentlich das Allheilmittel gegen rechtes und rassistisches Gedankengut sein. Aber würde diese Dame überhaupt merken, dass sie derartiges Gedankengut verbreitet?
Die Antwort ist ein klares NEIN!
Warum? Weil Bildung in diesem Kontext wertlos ist, wenn sie keine Aufklärung beinhaltet. Rechtsradikalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit werden seit einigen Jahren in den deutschen Medien und parteiübergreifend von hochrangingen Politikern komplett und ausschließlich auf Islamphobie und Hass gegen türkischstämmige Migranten beschränkt. Diese beiden Aspekte sind zweifelsohne auch große Problem in der deutschen Gesellschaft, das komplette Phänomen aber darauf zu beschränken, ist aber einfach dumm und gefährlich.
Das Produkt einer solchen Meinungsmache sind Ansichten, wie sie bei der o.g. Dame vorherrschen. Über die Formen von Rassismus, die sie äußert, regt sich skandalöserweise auch niemand wirklich auf. Holländer durch den Kakao zu ziehen ist doch in Deutschland total lustig und bei nahezu jeder Gelegenheit gesellschaftsfähig – schließlich haben die Bösen Rudi Völler angespuckt…Wer nicht rafft, dass der letzte Satz ironisch gemeint war: EINFACH DIE FRESSE HALTEN!
Nach den Erfahrungen dieses Abends muss folgende unbequeme Frage einmal gestellt werden:
Wenn Mohammed Karikaturen einen riesen Medienrummel erzeugen und tagelang in allen Nachrichtensendungen sowie Bestandteil diverser Polittalks sind, warum wird eigentlich so rein gar nicht über den insbesondere vor 1965 geborenen Deutschen vorhanden Hass gegen Mitmenschen aus den Niederlanden ? – Man mag mir vorwerfen, der Vergleich hinke. Dem ist aber mit Nichten so, In punkto Verhältnismäßigkeit liegt bei der hiesigen Berichterstattung einiges im Argen. Und dass die meisten Holländer die dämlichen deutschen Ressentiments mit Humor nehmen, spricht auf ein Neues für die Holländer, nimmt aber zweifelsohne rassistischen Äußerungen wie jenen besagter Bankangestellter nicht die Brisanz.
Um hier Kritik vorzubeugen: Berichte, die zu einer kontroversen Debatte über die Verletzung religiöser Gefühle, egal welcher Glaubensrichtung oder Konfession, führen, müssen natürlich Bestandteil unserer Medienlandschaft bleiben.
ABER: Das Thema Rassismus ist zu komplex, um darauf beschränkt zu werden. Schon in einem früheren Thread habe ich vor dem was jetzt kommt unter einer Fokussierung auf andere Sachverhalte gewarnt.
Welche katastrophalen Auswirkungen die negative Russlandberichterstattung von ARD-Tagesschau, ZDF-heute und RTL Aktuell hat, beweist nicht nur die Dame aus dem Restaurant. Auch war ich über Jahre extrem über die Äußerungen einer guten Bekannten, die ich privat sehr schätze, die aber keine Gelegenheit ausließ, sich abfällig über Russen und andere Vertreter slawischer Völker zu äußern, teilweise schockiert und teilweise sogar regelrecht erbost.
Auch da fielen Äußerungen wie „Die sind alle ekelhaft“, „Menschenverachtendes, brutales Volk“…und der ganze klischeehafte rassistische Nonsens über „die Russen“ und Russland, der es leider heute geschafft hat nicht nur gesellschaftsfähig zu sein sondern sogar in weiten Kreisen des deutschen Bildungsbürgertums als schick zu gelten. Meine Bekannte verfügt übrigens über ein abgeschlossenes Studium und arbeitet in leitender Funktion im technischen Bereich bei der deutschen Filiale eines amerikanischen Weltunternehmens. Hier allerdings freue ich mich sehr, dass sie diese Ansichten inzwischen nicht mehr vertritt. Der Grund dafür ist eine recht schwere, aber niemals lebensbedrohliche Krankheit bei ihr. Sie fuhr über zwei Jahre lang von einem Arzt zum anderen. Aber die Schulmedizin konnte keine Abhilfe, ja nicht einmal eine definitiv verlässliche Diagnose stellen. Durch eine Arbeitskollegin wurde ihr eine russische Babka empfohlen (eine Art traditionelle russische Naturheilkundlerin). Sie behandelt sie bis heute im Behandlungsraum ihrer Wohnung und hat das geschafft, was 4 regional im Rhein-Main-Gebiet sehr angesehene Schulmediziner nicht vermochten. Die körperlich vorher klar sichtbaren Symptome sind bereits vollständig weg. Auch ihre vorher ausschließlich durch die Medien geprägte Sichtweise auf Väterchen Russland und seine Kinder hat sich zum Glück nun um 180° gedreht.
Doch solche Erfahrungen sind leider lange nicht jedem vergönnt und wer nicht die Gelegenheit hat sie zu machen sowie auch jeder andere, lese bitte Folgendes, um nicht alles zu glauben, was die Massenmedien versuchen uns zu suggerieren. Ich möchte mich nun der himmelweit unterschiedlichen medialen Aufmerksamkeit bzgl. zweier Ereignisse widmen, wie sie artverwandter kaum sein könnten: Im Gegensatz zur in einem früheren Thread beschriebenen Ausschlachtung des Pussy-Riot-Prozesses und der damit verbundenen Stilisierung von Grobem Unfug zu revolutionärem Freiheitskampf, muss sich die russische Legislative sicherlich ein gewisses Maß an Kritik für sein Gesetz gefallen lassen, welches die Adoption russischer Waisen durch US-Bürger untersagt. Dieses Thema lief über eine ganze Woche durch alle Nachrichten -, Politik-, und Gesellschaftssendungen auf RTL, ZDF und ARD. Dafür dass dieses Gesetz für Deutschland keinerlei Bedeutung hat, sondern allenfalls für den an den Kalter-Krieg-Reloaded-ähnlichen Beziehungen ganz und gar nicht unschuldigen großen Bruder aus den USA, ist das verdammt viel Sendezeit.
Ganz zu schweigen davon, dass natürlich nur Russland kritisiert wurde und die USA nahezu vollkommen kritiklos davon kamen, was der Sache nicht gerecht wird. Schon das türkische Pendant zum Pussy-Riot-Prozess, die lächerliche Anklage gegen den Pianisten Fazil Say, fand hierzulande nur in den Printmedien ein wenig Beachtung.
Nun aber geht es um ein Thema, das äquivalenter zum russischen Adoptionsgesetz nicht sein könnte. So hat es sich die türkische Regierung auf die Fahnen geschrieben, einer türkischen Mutter dabei zu helfen, ihren bei einem lesbischen Paar in den Niederlanden lebenden Sohn, den sie zur Adoption frei gegeben hat, zurückzuholen.
Die Welt berichtete am 18.03.2013 wie folgt:
- „Die Regierung in Ankara setzt sich vehement für eine Rückkehr des Jungen zu seiner leiblichen Mutter ein. Eine türkische Parlamentskommission für die Menschenrechte will ermittelt haben, dass etwa 5000 Kinder türkischer Herkunft europaweit in "fragwürdigen" Familienverhältnissen lebten. Damit sind christliche und schwule Adoptiveltern gemeint. Am Donnerstag besucht der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte, Chef einer konservativ-sozialen Koalition, und dabei dürfte Yunus Thema werden. Yunus wurde 2004 kurz nach seiner Geburt mit Kopfverletzungen und einem gebrochenen Arm ins Krankenhaus eingeliefert. Seine Mutter behauptete, er sei gefallen. Das Haager Jugendamt glaubte ihr nicht. Auch die älteren Geschwister von Yunus, Arif und Halil, wurden von den Behörden wegen Misshandlung und erzieherischer Mängel ihrer Eltern für die Adoption durch andere lesbische Paare freigegeben. Die Mutter entführte Arif und Halil daraufhin und brachte sie zu den Großeltern in der Türkei. Ein niederländischer Richter verurteilte die türkischen Eltern deshalb zu einer Haftstrafe und sorgte dafür, dass die Kinder an die Nordsee zurückkehrten, wo sie jetzt noch immer leben.“ http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article114525880/Erdogan-Keine-muslimischen-Kinder-fuer-lesbische-Paare.html
Man muss sich das mal überlegen. Es handelt sich hier nicht um ein unbedeutendes Schamützel zwischen zwei übrig gebliebenen Alten Kriegern! Die Regierung in Ankara gibt sich offen rassistisch gegen die mehrheitlich christlichen Adoptiveltern Europas, unverhohlen homophob gegen homosexuelle Paare, die die Größe und Güte besitzen Waisenkindern oder Kinder deren Eltern sie, aus welchen Gründen auch immer abgeben mussten, ein neues Zuhause zu geben. Heute vermeldeten die „Deutsch-Türkischen-Nachrichten“, dass die Regierung Erdogan sogar den Europäischen Menschrechtsgerichthof mit einer Klage, in der sie ein Recht auf türkischstämmig-muslimische Adoptiveltern für Adoptivkinder aus der Türkei fordert, belästigen wird. Das könnte auch hunderte, wenn nicht sogar tausende Adoptiveltern in Deutschland betreffen.
Wer jedoch meint, dieser neuerliche Akt des Rassismus, der Homophobie und Menschenverachtung der Regierung Ankara, der nicht zuletzt durch den Gang nach Den Haag einen Teil unser aller Steuergroschen fressen wird, sei dem deutschen TV eine Meldung wert, ist auf dem Holzweg. Zu groß scheint a) der Einfluß türkischer Lobbys und b) die Angst vor tobenden türkischen Verbänden, die bei jedem Anflug von leisester Kritik die Nazikeule schwingen, fällt diese Meldung doch mit dem Start des Prozess gegen Beate Tschäpe zusammen und ist es doch viel politisch korrekter, 24/7 das OLG München für seine zugegebenermaßen mehr als unglückliche Entscheidung, türkischen Medienvertretern den Zugang zum Prozess zu verwehren, nieder zu machen.
Zu welcher Form von Rassismus gegenüber Russland diese bis zur Unkenntlichkeit verfälschten Bilder der Medien führen, habe ich ausführlich erläutert. Auch wird durch das nahezu vollständige Ausbleiben von Kritik an der Türkei, die nur als faszinierendes und wunderbares Urlaubsparadies dargestellt wird, was sie zweifelsohne auch ist, wird die Sensibilität gegenüber dem, was dort gerade passiert und was durch regierungsabhängige türkische Vereine nach Deutschland hineingetragen wird, die Sensibilität gegenüber der Dimension und Tragweite eines Gesetzes, wie es Ankara in punkto Adoption vorsieht, vollkommen abgetötet.
Hier greift die mit überwältigender Mehrheit wiedergewählte Regierung EU-Anwärter über Jahrhunderte mühsam erworbene Grundwerte von Toleranz und Menschlichkeit an, die es zu bewahren gilt und bekommt dafür viel Applaus im eigenen Land sowie bei türkischstämmigen Migranten in Europa. Wenn „Liderin Lideri“ (Führer der Führer), wie viele Erdogananhänger ihn mittlerweile nennen befiehlt, scheint ein leider immer größer werdender Teil seiner Landsleute ihm auch in die noch so absurdesten Unternehmungen zu folgen. An die mediale Nichtbeachtung der katastrophalen Minderheitenlage im Staat zwischen Bosporus und Euphrat hat man sich traurigerweise ebenso bereits gewöhnt wie daran in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft als Rechtsradikal zu gelten, wenn diese auch nur fragmentär anschneidet.
Neulich noch meinte ein guter Freund mit Abitur und gehobener kaufmännischer Ausbildung zu mir, ich weise ja schon durch meine Kritik an der Türkei – hier liegt schon das erste Fehler, da ich niemals die Türkei als Ganzes, deren Gastfreundschaft, Sprache, Musik, kulinarische Genüsse und touristische Attraktivität ich sehr schätze, kritisiere, sondern mir große Mühe gebe, die korrekten Terminologien türkische Regierung sowie staatlich-türkische Minderheitenpolitik zu verwenden - rechte Tendenzen auf. Darauf ging ich nicht weiter ein und fragte ihn, um die Differenziertheit seiner Aussage zu verifizieren, ob er wisse, wer oder was Aleviten seien und ob er deren Geschichte kenne. Er entgegnete mir ernst, ungelogen, ohne Scham und sich selbst dabei nicht bewusst, was für eine Bildungslücke er im Zuge war zu offenbaren: - „Ja, die sind manchmal im italienischen Salat. Ich esse die aber nicht gerne, das sind, glaube ich, Nachtschattengewächse, oder? Aber wie kommste drauf und was hat das jetzt mit der Türkei zu tun?“
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Samstag, 29. Dezember 2012
Ein anderer Rückblick auf 2012: Doppelmoral und indirekte Zensur in Deutschlands Nachrichtensendungen. Wie türkischer Rassismusimport unterstützt wird!
Ein anderer Rückblick auf 2012: Doppelmoral und indirekte Zensur in Deutschlands Nachrichtensendungen. Wie türkischer Rassismusimport unterstützt wird! Die Verdienste unserer Bundesregierung um Angela Merkel in punkto Innenpolitik und wirtschaftliches Wachstum, selbst gegen den Trend im Großteil unserer Nachbarstaaten, ist unbestritten und sie hat dafür zweifelsohne Lob verdient. Da jedoch nie etwas ganz weiß oder ganz schwarz gemalt werden kann, möchte ich mich nun speziell mit einem besorgniserregenden Negativaspekt unserer aktuellen politischen Situation beschäftigen. Auf den ersten Blick, aber auch wirklich nur auf den, haben wir es mit einer rein außenpolitischen Problematik zu tun. Aber der Reihe nach: Während beispielsweise über die nach westlichem Rechtsverständnis geradezu lächerlich anmutende Anklage gegen den genialen Pianisten Fazil Say, der es beispielsweise schafft Bühnenbilder wie bei Giuseppe Verdi zu entwerfen, Inszenierungen zu kreieren, die ein wenig an den Gefangenenchor aus Nabucco erinnern, dazu spitzenmäßige Musik im Stile eines Bela Bartok komponiert und das Ganze vor dem Hintergrund des brisanten Themas Nazim Hikmet spielen lässt, der auch heute noch vielen Stimmen in der Türkei als „Vaterlandsverräter“ gilt, wegen eines Tweets, lediglich im Hörfunkprogramm der ARD berichtet wurde, schwiegen die Televisionsmedien gänzlich zu diesem Thema, wohingegen sie den Prozess gegen die russische Punkband Pussy Riot bis ins Unendliche ausschlachteten. Nun steht hier vollkommen außer Frage, dass das Strafmaß Letztgenannter in keinem Verhältnis zu ihrem Vergehen steht und absolut überzogen ist. Auf der anderen Seite findet kaum kontroverse Berichterstattung statt. Wo blieb an dieser Stelle z.B. der Hinweis auf den § 166 StGB „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“, mit welchem die Damen zweifelsohne auch nach deutschem Recht in Konflikt geraten wären. Aus künstlerischer Sicht bleibt des Weiteren folgendes festzuhalten: Was hat Pussy Riot großartiges geleistet? Sie haben einen primitiven Text in einer Kirche gesungen, dabei eine sehr ungelenk anmutende Show performed und instrumental, bekommt gegen die Stücke dieser Band sogar Deep Purples "Smoke On The Water" einen geradezu symphonischen Charakter. Erschwerend hinzu kommt, dass die Bandmitglieder in punkto des Straftatbestandes „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ bereits vorbelastet waren. Sie haben letztendlich nichts anderes getan, als einen primitiven und prä-pubertären Text zu einer einfallslosen Melodie gesungen, ohne auch nur die geringste sachliche Kritik an Putin oder seiner Politik zu äußern. Protest mag viele Gesichter haben, raffiniert subversive Gesellschaftskritik stelle ich mir jedoch anders vor. Auch die mediale Stilisierung dieser Damen zu Heldinnen wirkt außerordentlich grotesk und passt nur allzu gut zum aktuellen Medientrend, Russland niederzumachen, sobald Putin einmal zu laut hustet. Unter den beliebtesten Opfern deutscher Medienkritik finden sich in der Tat zumeist nur Russland oder Staaten, die ihre Armeen mit in Russland produziertem Kriegsgerät ausrüsten. Syrien und Venezuela sind da nur die prominentesten Beispiele. Kritik an diesen Staaten ist in einer freien Gesellschaft natürlich absolut legitim und wünschenswert, jedoch muss man sich in der Tat, und das ist auch der Grund für den o.g. Vergleich, als kritischer Mensch unbedingt die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen – oder wann haben sie in der Tagesschau, bei ZDF heute oder RTL Aktuell den letzten kritischen Bericht über die Türkei, Saudi-Arabien oder die Golfstaaten gesehen? Sind selbst unseren Journalisten mittlerweile Panzer – und U-Bootdeals wichtiger geworden als Menschenrechte? Hat die Waffenlobby unsere Medien erreicht? Wie viel Zensur Zensur findet durch die Aufsichtsräte und Sponsoren unserer Medien wirklich statt? Vor dem Hintergrund folgender Tatsachen, haben wir es hier mit durchaus berechtigten Fragen zu tun. So wurde im Herbst 2012 bekannt, dass die Türkei zum wiederholten Mal weltweit die größte Anzahl an Journalisten in Haft hält und dabei selbst China und den Iran in den Schatten stellt. Fernsehberichte Fehlanzeige! Ebenso blieben Berichte über die ganz klar politisch motivierte strafrechtliche Verfolgung der Soziologin Pinar Selek, die sich seit Ende November 2012 einem erneuten Verfahren ausgesetzt sieht, aus. Ihr Engagement für insbesondere die kurdische Minderheit wird ihr in diesem, und dafür ist die o.g. Statistik zum Thema Pressefeindlichkeit Beweis genug, durch und durch repressiven System offenbar zum Verhängnis. So verwundert es in Anbetracht dessen wenig bis gar nicht, dass die Lage der kurdischen Hungerstreikenden im Oktober 2012 und die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Osten des türkischen Staatsgebiets lediglich in einem ca. 20 Sekunden dauernden Bericht der Tagesschau im Stile einer Schlagzeile erwähnt wurden. Sie demonstrieren gegen die Isolationshaft von Abdullah Öcalan. Indem man sie und ihren ehrlichgemeinten unter Einsatz des eigenen Lebens und die eigene Gesundheit für die Ideale und die, im Vertrag von Sèvres 1919 einmal garantierte Freiheit ihres Volkes, gefährdend, geführten Protest weitestgehend ignoriert, da sie über keinerlei Lobby verfügen, auf der anderen Seite aber andererseits dort wo es passt und gilt den Hauptkonkurrenten um Rang 2 im internationalen Waffenexport zu verdrängen, groben Unfug und Erregung öffentlichen Ärgernisses zur revolutionärem Kampf erhebt, führen die deutschen Televisionsmedien, ihre Intendanten und die dahinter stehenden Lobbys jedwedes journalistisches Ethos vollkommen ad absurdum. Sie halten dem Bürger wider besseren Wissen bedeutende Informationen des Weltgeschehens vor, die in Anbetracht der hiesigen Bevölkerungsstruktur und 800.000 in Deutschland lebenden Kurden, im Gegensatz zum Pussy Riot Prozess, längst nicht mehr eine außenpolitische Angelegenheit sind. Man hat den Eindruck, der Bürger solle gar nicht verstehen, wie brutal, arrogant und menschenverachtend sich das sonst gerne angepriesene vermeintliche Wirtschaftswunderland (das Geheimnis hier sind Kredite) und Urlaubsparadies (z.B. RTL wird u.a. von Turkishairlines gesponsert…ein Schelm, wer da Böses denkt) gegenwärtig agiert. Leider passt es da ins Bild, dass die Nachrichtenoligopolinhaber in Form des Triumvirats aus Tagesschau, ZDF heute und RTL Aktuell nur knappe, völlig unzureichende Berichte über die Zwangsenteignung des ältesten christlichen Klosters Mor Gabriel durch den türkischen Staat ausstrahlen. Der Fairness halber müssen natürlich an dieser Stelle auch die guten und ausführlichen öffentlich-rechtlich produzierten Dokumentationen zum Thema erwähnt werden. Diese jedoch dürfen offenbar nur gesendet werden, wenn der durchschnittliche Erwerbstätige längst in Morpheus Armen liegt. Es ist des Weiteren als riesiger Skandal zu bewerten, dass kein Wort darüber, dass türkische Schulbücher Aramäer ganz offiziell als Landesverräter diffamieren. Die Aramäer waren ebenso wie die Armenier und pontischen Griechen Opfer des rassistisch motivierten und kaltblütig-systematisch ausgeführten Völkermords an Christen im osmanischen Reich, der exemplarisch für weitere Genozide des 20. Jahrhunderts war und für dessen Durchführung das deutsche Kaiserreich zu einem beträchtlichen die Logistik und Infrastruktur lieferte. Auch hierüber verlieren die großen Nachrichtensendungen kein Wort. Stattdessen berät die Politik ausgerechnet verstärkt in Hessen, wo sich in der Stadt Gießen die größte aramäische Gemeinde Deutschlands befindet, über eine Beteiligung der vom türkischen Staat kontrollierten DiTiB am muslimischen Religionsunterricht an deutschen Schulen. Als wenn es nicht schon schlimm genug wäre, dass man die Verehrung von Völkermördern an der von besagter Organisation unterhaltenen Berliner Sehitlikmoschee duldet, erwägt man, einem Staat, der seit 150 Jahren unbehelligt immer wieder rassistische Progrome, Massaker und die Unterdrückung von Minderheiten praktiziert, direkten Zugriff auf das deutsche Bildungssystem zu gestatten. Wir müssen das Kind hier beim Namen nennen und in der Tat von einer gefährlichen Form staatlich tolerierten Rassismusimports aus Ankara sprechen. Man fühlt sich unweigerlich an eine Zeit erinnert, als das Kaiserreich versuchte Berichte über die Christenprogrome im osmanischen Reich zu zensieren, da es in einer ganz und gar unheiligen Allianz zu eben diesem stand. Sogar die Proteste von 10.000 Aleviten gegen den Erdogan-Besuch, an denen sich im Übrigen auch armenische, aramäische und griechische Verbände beteiligten, enthalten uns Tagesschau und ZDF Heute-Nachrichten vor. RTL berichtet zwar kurz und oberflächlich, baut aber gar in seine Berichterstattung die ungeheuerliche Formulierung "angebliche Menschenrechtsverletzungen" ein. Diese Formulierung grenzt an eine Störung der Totenruhe gegenüber z.B. den Opfern der Dersimmassaker, der Opfer von Sivas oder Kahramanmaras. Den Letztgenannten wurde am 23.12.2012 durch einen Trauermarsch gedacht. Die türkische Polizei versuchte mit Unterstützung der Armee die friedliche Trauerkundgebung durch den Einsatz von Wasserwerfern und Gummigeschossen aufzulösen. Es verwundert trotz zahlreicher Kundgebungen in Europa (z.B. Frankfurt a.M. oder Paris) nicht, dass die großen 3 der deutschen Nachrichten auch hier dafür sorgen, dass die Kenntnis um die Dimension dieses historischen Verbrechens und der von staatlich türkischer Seite vollführten Unterdrückung seiner Erinnerung, möglichst wenigen Bundesbürgern zugänglich bleibt. Auch diese Form von türkischem Importrassismus hat längst Deutschland erreicht. So sah sich eine alevitische Familie aus Berlin-Tempelhof im August 2012 einem türkischen Lynchmob vor seiner Haustür ausgesetzt, der erst durch mehrfaches Erscheinen der Polizei verschwand. Statt über dieses riesige und stetig wachsende Problem des türkischen Rassismusimports zu berichten, langweilt z.B. die Tagesschau den Zuschauer mit teilweise grotesk anmutenden Berichten über "Türkische Bierzeltgemütlichkeit" oder die "Filmstadt Istanbul", während man gleichzeitig auf Tagesschau24 CNN berechtigterweise harsch für seine durchweg positive Berichterstattung gegenüber den Golfstaaten, die sich beim Sender eingekauft haben, rügt. Diese Kritik ist zwar absolut gerechtfertigt. Vor dem Hintergrund der eigenen Berichterstattung, stinkt dieses Verhalten aber bis zum Himmel vor Doppelmoral. Die Intendanten der großen deutschen Rundfunkanstalten sollten sich fragen, ob eine derart unverhältnismäßige Berichterstattung mit journalistischem Ethos vereinbar ist. Unsere Medien haben die Aufgabe gesellschaftliche Zustände abzubilden. Dieser kommen sie hier überhaupt nicht nach und zeichnen stattdessen offenbar absichtlich, weil augenscheinlich durch Lobbys und zweifelhafte politische Kräfte beeinflusst, ein bis zur Unkenntlichkeit verfälschtes Abbild der Zustände. Die Berichterstattung der großen 3 ist im Hinblick auf o.g. Kontext, zu einer interessenpolitischen Farce verkommen. Da ich mit einem Vergleich der Berichterstattung zwischen Russland und der Türkei angefangen habe, möchte ich nun auch in gewisser Weise mit einem solchen schließen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslıoğlu, die historisch einwandfreie Darstellung des Armeniergenozids in der Ausgabe des GEO Epoche Magazins über das osmanische Reich als „geleugnetes Verbrechen“ – wer sich mit der Thematik auskennt, weiß dass es in Wahrheit noch viel schlimmer ist, dass es sich nämlich nicht nur um ein geleugnetes sondern spätestens seit der Unabhängigkeit Aserbaidschans sogar um ein glorifiziertes Verbrechen handelt – in einem verabscheuungswürdigen mit Halbwissen gespickten Hetzbrief monierte. Wie uns das Erdoğansche Rumpelstillzchenspiel nach dem Boyer-Gesetz zeigte, können wir davon ausgehen, dass bei einer vergleichbaren Aktion eines deutschen Botschafters in der Türkei sofort wieder das Säbelrasseln mit Diplomatenausweisung und Wirtschaftsboykottaufrufen losginge. Vor dem Hintergrund, dass sich die Türkei immer wieder ausdrücklich äußere Einmischung in ihre „inneren Angelegenheiten“ verbittet, schäumt diese Aktion des Botschafters nur so vor Doppelmoral, Selbstgerechtigkeit und Hybris! An unsere 3 Meinungsmacholigarchen im TV ergeht hiermit die Frage, welchen unglaublichen Skandal sie wohl aus dieser Sache konstruiert hätten, hätte sich ein russischer Botschafter einen derartigen Angriff auf die deutsche Pressefreiheit geleistet? Ich sehe die Schlagzeilen, die sie produziert hätten, schon vor: „Putins Zensurmaschinerie streckt ihre Tentakel nach Deutschland aus“ „Mit uns nicht Herr Putin – Wir wählen die Freiheit!“ „Endlich raus mit ihm! – Was erlauben russische Botschafter?!“ Diese volksverhetzende Zensurmaschinerie kommt aber hier nicht aus Russland sondern von unserem ach so vorbildlichen NATO-Partner und spätestens hier wird klar, wovon Sarkozy spricht, wenn er die Terminologie „türkische Unkultur“ verwendet. Innertürkische Konflikte in Deutschland sind längst Realität und unseren Politikern sei gesagt, dass man ihnen sicherlich nicht Herr wird, indem man immer wieder jenen nachgibt, die bei jeglicher Türkeikritik sofort mit Klischees und Stigmatisierungen um sich werfen? So ist nicht nur aus Internetforen folgendes stereotypes Verhalten bekannt: Kritisiert jemand mit deutschem Namen die menschrechtlichen Zustände in der Türkei, so schwingen sie die Nazikeule und versuchen das Thema auf NSU o.ä. zu lenken. Kritisiert jemand mit türkischem Namen diese, wird sofort das PKK und / oder ASALA-Netz ausgeworfen. Für solche Kräfte scheint also zu gelten: Kritik am Staat=Terrorismus. Das ist eine alles andere als demokratische Haltung und das darf nicht weiter verschwiegen werden! Integration und Toleranz kann und darf nicht bedeuten, dass eine zahlenmäßig große Minderheit mit entsprechender Lobby, mehrere zahlenmäßig kleinere ohne Lobby nach Lust und Laune und noch dazu unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit diskriminieren und verunglimpfen darf. Letzten Endes bleibt folgender Lichtblick. Innerhalb einigen Teilen der Bevölkerung scheint diese Botschaft bereits angekommen zu sein. So wurde beim Bürgerdialog ein analoger Gesetzesentwurf zum französischen Boyer-Gesetz mit beträchtlichem Abstand auf Platz 1 aller Vorschläge gewählt. Der Bürgerdialog erwies sich jedoch als Bauernfängerei-Aktion, da die drei meistgewählten Vorschläge, und somit alle diejenigen mit mehr als 100.000 Stimmen, kurz und knapp von der Bundeskanzlerin abgeschmettert wurden, während nur solche gelobt wurden, die sich ohnehin auf der politischen Agenda befanden [http://julian-tumasewitsch.blogspot.de/2012/12/angela-merkel-macht-eine-farce-aus-dem.html]. Nützliche weiterführende Links zur Thematik: Hetzbrief des türkischen Botschafters an Michael Scharper, den Chefredakteur von GEO-Epoche: http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_epoche/mord-an-den-armeniern-kein-genozid-73736.html Der Weltmeister der Pressefeindlichkeit: http://www.berliner-zeitung.de/medien/tuerkei-weltmeister-der-pressefeindlichkeit,10809188,17209538.html Pinar Selek: http://www.focus.de/kultur/buecher/justiz-prozess-gegen-pinar-selek-soll-neu-aufgerollt-werden_aid_866506.html Der kurdische Hungertreik: http://www.taz.de/!104059/ http://www.youtube.com/watch?v=7f7bp_qB1hI http://www.flickr.com/photos/pm_cheung/8109132436/ Mor Gabriel: http://www.3sat.de/page/?source=%2Fkulturzeit%2Fnews%2F163590%2Findex.html http://www.youtube.com/watch?v=UUW-5z8f2hQ http://www.youtube.com/watch?v=PqDU8d6abwo Unterdrückung und Verunglimpfung der christlichen Minderheiten und der Kurden: http://www.lemondepolitique.fr/culture/g%C3%A9nocide.html http://www.igfm.de/Christen-in-der-Tuerkei.1027.0.html http://nordirak-turabdin.de/2011/12/16/foderation-der-aramaer-schreibt-offenen-brief-12-12-2011/ http://www.taz.de/!92269/ http://www.youtube.com/watch?v=p2DGs6_b5Zc http://www.youtube.com/watch?v=UA3Uv9QNXug Massaker an Aleviten und Übergriffe auf sie: http://www.welt.de/kultur/history/article13729423/Das-vergessene-Massaker-der-Tuerken-an-den-Aleviten.html http://www.spiegel.de/politik/deutschland/15-jahre-massaker-von-sivas-die-auferstehung-der-aleviten-a-563623.html http://www.youtube.com/watch?v=civn61aildA http://www.taz.de/!99887/ Türkischer Rechtsextremismus: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rechtsextreme-migranten-angst-vorm-grauen-wolf-11651990.html http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-01/rechtsradikalismus-tuerken http://www.ikus.ovgu.de/ikus_media/Newsletter/2012/August/13_+August/t%C3%BCrkischer+Rechtsextremismus.pdf http://www.tagesspiegel.de/politik/tuerkischer-rechtsextremismus-radikalisierung-unter-jungen/6101386.html http://www.welt.de/politik/deutschland/article13735417/Der-Schein-truegt-die-Grauen-Woelfe-sind-gefaehrlich.html"> http://www.welt.de/politik/deutschland/article13735417/Der-Schein-truegt-die-Grauen-Woelfe-sind-gefaehrlich.html
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