Sonntag, 25. Mai 2014

My expectations towards Europe - Mes attentes envers l'Europe - Meine Erwartungen an Europa

English

I believe in the European idea, although I am not satisfied with the current implementation.
I want a Europe reaching from the Sahara to Spitsbergen and from the Azores to Kamchatka.
Furthermore, a Europe that is not, like in it's current condition, only a business community, but also to the community of values,
a Europe that starts accession negotiations with Tunisia and Lebanon, a Europe that is open to a partnership with Russia realizing that Russia has always been, currently is and will always be a part of the continent, without being influenced of outdated, outmoded military alliances having a counterproductive effect on the realization of the European idea and catching it forever in a bipolar world order.
Moreover, a Europe showing zero tolerance to nationalists like Orbán.
Above all, a Europe realizing that it can only be perceived as a community of values, ​​when it admits itself to the reconciliation and human rights policy of the BDP / HDP in the framework of the accession negotiations with Turkey, instead of currying favor with more powerful parties and their 19th century fashioned nationalism and ethnocentrism for economic and power-political motives.


Français

Je crois en l'idée européenne , même si je ne suis pas satisfait de sa mise en œuvre actuelle.
Je veux une Europe allant de la Sahara au Spitzberg et des Açores au Kamtchatka.
En outre, une Europe qui n'est pas, comme dans son état ​​actuel, seulement une communauté d'affaires, mais aussi une communauté de valeurs, une Europe qui commence des négociations d'adhésion avec la Tunisie et le Liban, une Europe ouverte à un partenariat avec la Russie se rendant compte que la Russie a toujours fait, fait actuellement et fera toujours partie du continent, sans se laisser influencer par des alliances militaires dépassées et obsolètes ayant un effet contre-productif à la réalisation de l'idée européenne et attraprant l'UE dans un ordre mondial bipolaire pour la perpétuité.
En outre, une Europe montrant acune tolérance pour les nationalistes comme Orbán.
Et surtout, l'Europe se rendant compte qu'il ne peut être perçue comme une communauté de valeurs, tant qu'elle ne revendique pas la politique de réconciliation et réalisation des droits de l'homme de la BDP / HDP dans le cadre des négociations d'adhésion avec la Turquie, à lieu de s'attirer les faveurs avec les parties plus puissants et leur nationalisme et ethnocentrisme passéistes pour des raisons économiques et de pouvoir politique.


Deutsch

Ich glaube an die europäische Idee, obschon ich mit der aktuellen Umsetzung nicht zufrieden bin.
Ich wünsche mir ein Europa von der Sahara bis Spitzbergen und von den Azoren bis Kamtschatka.
Ein Europa, dass sich nicht, wie aktuell, nur auf die Wirtschaftsgemeinschaft sondern auch auf die Wertegemeinschaft stützt.
Ein Europa, das Beitrittsverhandlungen mit Tunesien und dem Libanon aufnimmt.
Ein Europa, das sich einer Partnerschaft mit Russland öffnet und realisiert, dass Russland immer ein Teil des Kontinents war, ist und bleibt, ohne sich dabei von überholten, nicht mehr zeitgemäßen und sich kontraproduktiv auf die Realisierung der europäischen Idee auswirkenden Militärbündnissen beeinflußen zu lassen und so ewig in einer bipolaren Weltordnung gefangen zu sein.
Ein Europa, das Nationalisten wie Orbán konsequent die rote Karte zeigt und ein Europa, das realisiert, das es als Wertegemeinschaft nur wahrgenommen werden kann, wenn es sich im Zuge der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei klar zur Versöhnungs- und Menschrechtspolitik der BDP/HDP bekennt, statt sich aus wirtschafts- und machtpolitischen Beweggründen bei den anderen mächtigeren Parteien und ihrem Nationalismus aus dem 19. Jahrhundert anzubiedern.

Montag, 12. Mai 2014

Eurovision Song Contest 2014: So macht die ARD antislawischen Rassismus salonfähig

Novitätseffekt macht den Sieger

Conchita Wurst aus Österreich gewinnt deutlich den ESC 2014. Musikalisch deutlich stärkere aber optisch weniger innovative Beiträge aus Schweden, Italien, Armenien, Montenegro oder Norwegen werden auf die Plätze verwiesen. Damit wiederholt sich ein Phänomen, das man bei dieser Veranstaltung in regelmäßigen Abständen beobachten kann; die musikalische Leistung wird vom Eindruck des Novitätseffekts auf die Plätze verwiesen. Der Novitätseffekt beschreibt vereinfacht gesagt in der Psychologie das Phänomen einer gesteigerten Begeisterungsfähigkeit des oder der Rezipienten für Neuartiges und Unerwartetes.
« De gustibus non est disputandum » und auch um solche Phänomene zu beobachten sind sportliche, musikalische und politische Wettbewerbe da. Es soll im Folgenden nicht weiter um eine musikalische oder künstlerische Bewertung gehen. Diese wäre ohnehin immer extrem subjektiv. Was allerdings beleuchtet werden muss, ist die Stimmung in der Kopenhagener Halle sowie der Moderationsstil Peter Urbans von der ARD.
Ein anderes Phänomen, nämlich das der Politisierung, geht aber unter bzw. soll vielleicht sogar untergehen, da es der aktuellen transatlantischen Interessenpolitik beinahe unbemerkt in die Hände spielt. Feindbilder werden und wurden seit jeher geschaffen und propagiert, um Kollektive zu konstruieren, sie gegen andere Kollektivkonstruktionen zu einen und so bestehende Herrschaftsverhältnisse und politische Zielsetzungen zu untermauern.


Wirklich ein Höhepunkt von Toleranz und Offenheit?

Die Frontfrau der deutschen Teilnehmerinnen Elaiza bezeichnete den Sieg des österreichischen Travestiekünstlers als eine Sternstunde der Toleranz und Zeichen für die Offenheit und Fortschrittlichkeit Europas. Auch die Medien überschlagen sich mit ähnlich gearteten Meldungen.
Das ist vordergründig zunächst einmal richtig und nachvollziehbar.
Wer aber die Übertragung aus Kopenhagen, insbesondere jene mit ARD Kommentar von Peter Urban gesehen hat, der sollte stutzen und schnell erkennen, dass die Inszenierung des ESC 2014 eigentlich genau das nicht war.
In der Halle wird wirklich jeder Punkt, der an die noch im Teenageralter befindlichen russischen Künstlerinnen vergeben wird, lautstark mit Buhrufen und Pöbeleien kommentiert. Dies erfolgt so kontinuierlich und konstant, dass man sich fragen muss, ob seitens der Veranstalter vorher dazu aufgerufen wurde?
Politik kann kontrovers diskutiert werden. Dass dies auch geschieht zeigen die seit Wochen kursierenden Umfragen, die bei einer knappen Mehrheit der Bundesbürger eine gesunde Resistenz gegen die bereits zwei Jahre vor Ausbruch der Ukrainekrise gestarteten Anti-Russland-Kampagne der deutschen Politik und Medien wiederspiegeln.
Ihre Ergebnisse sind ein weiteres Indiz dafür, dass in Kopenhagen Anpeitscher unterwegs gewesen sein könnten.
Solche Pöbeleien, Ressentiments und eine derartige Form von ethnisch motiviertem Mobbing sollten bei einem künstlerischen Wettbewerb nichts zu suchen haben.
An diesem Samstagabend wurde so wieder einmal die europäische Idee ad absurdum geführt, Intoleranz gegenüber russischstämmigen – und sprachigen Bürgern salonfähig gemacht und die Etablierung eines neuen stereotypen ethnisch motivierten Feindbildes einen großen Schritt vorangetrieben.


ARD Kommentator Peter Urban übt sich in antislawischen Sticheleien

Ein ganz und gar unverschämt agierender Anpeitscher ist ARD Moderator Peter Urban. Auch als schon längst klar war, dass der russische Beitrag mit der Entscheidung nichts mehr zu tun haben würde, unterstellte er bei jedem einzelnen Punkt den er bekam unlauteren Wettbewerb und kam mit unbegründeten Unterstellungen von Mauscheleien daher. Während dies also das Leitmotiv seiner Moderation eine massive Breitseite gegen Russland war, ging er aber zwischendurch sogar immer wieder einige Schritte weiter. Er zerredete den polnischen und montenegrinischen Beitrag auf polemische Art und Weise. Besonders dreist wurde Urban, als er die 12 Punkte die der montenegrinische Beitrag, eine solide und wirklich schön gesungene Balkan-Pop-Ballade in serbokroatischer Sprache, aus Mazedonien bekam, auf die übliche Art und Weise diffamierte.
An anderer Stelle beschwerte sich Peter Urban wiederum über ausbleibende Nachbarschaftshilfe aus Österreich für den deutschen Beitrag…Freund Doppelmoral lässt grüßen!
Immer wieder brachte er Unterstellungen über Absprachen bei der Punktevergabe zwischen osteuropäischen Ländern beim aktuellen und bei früheren Wettbewerben unter.
Eine Unterstellung, die ihm bei den sich oft von Land zu Land extrem ähnelnden Abstimmungsergebnissen westeuropäischer Staaten niemals über die Lippen kommen würde.
Dass die Geschmäcker sich einfach soziokulturell ähnlich sind, erkennt Urban gerne für Westeuropa an. Dass das auch im von ihm als ach so böse dargestellten Osteuropa der Fall sein kann, mag er nicht akzeptieren. Es ist schließlich viel einfacher und interessanter Feindbilder zu schüren. Peter Urbans Kommentar war mit das Rassistischste, was in den letzten zwei Jahrzehnten vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen propagiert wurde.
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat hier ganz klar und eindeutig eine Kulturveranstaltung politisiert und dazu missbraucht, antislawischen Rassismus zu schüren und bei den Zuschauern zu verankern.
Vor einigen Wochen klassifizierte der zum WDR-gehörende Sender „EinsLive“ Menschen, die den Begriff „Propagandamedien“ verwenden als Rechtspopulisten. Nach dem Eindruck der Urbanschen ESC-Moderation 2014, muss man sich die Frage stellen, ob doch eher ein nicht gerade geringfügiger Teil bedeutender deutscher Medien Rechtspopulisten sind. Es gibt klare Kriterien für rassistische Ressentiments und Propaganda. Die ESC-Übertragung der ARD mit dem Kommentar von Peter Urban hat sie erfüllt.

Dienstag, 6. Mai 2014

La «question kurde» ne peut être compris sans tenir compte du génocide arménien

Non «seulement» un génocide contre les Arméniens, mais aussi contre les Syriaques, Grecs pontiques et yézide

La première définition du mot génocide a été créé par Raphael Lemkin et inspirée par l'extermination des Arméniens, les Syriaques (également appelés Assyriens), les Grecs pontiques et les Kurdes de religion Yezidin dans l'Empire Ottoman entre 1912 et 1922.
Des modifications ont été apportées après l'expérience de l'holocauste dans le 3ème Reich.
Seulement un des nombreux, mais une preuve triste et impressionnante en même temps pour la similitude de ces deux crimes contre l'humanité sont les charniers d'environ 40.000 victimes du génocide arménien et syriaque entourant la chapelle de Margadeh dans le désert syrien de Deir ez-Zor.


La photo a été prise par le témoin oculaire allemand de génocide, le photographeArmin T. Wegner.
Elle montre un fonctionnaire de l'État ​​ottoman humiliantes des enfants arméniens étant proche de mourir de faim en leur présentant une miche de pain

Grâce à plus de 400 historiens internationalement bien réputé, il est maintenant compris que la politique de monoethnisation de l'Empire Ottoman remplit les critères tous les critères de génocide.
En dehors de la Turquie, il n'y a que cinq historiens niant ce fait par la propagation des théories du complot vraiment étranges et similaire à "Le coup de poignard dans le dos" (Dolchstoßlegende).
L'Union européenne (résolutions parlementaires adoptées en 1987, 1998, 2000, 2001, 2002, 2005), ainsi que 20 pays confirment la reconnaissance.
Même le parti récemment fondé et en même temps le parti le plus démocratique de la Turquie, le BDP/HDP le reconnait et poursuit une politique de réconciliation sérieuse.



L'inutilité de la proposition de la Turquie d'"un groupe international d'historiens"

La proposition du gouvernement turc pour "un groupe international d'historiens" servant d'examiner le contenu de des archives de l'Etat turc est totalement inutile, parce que les historiens ont déjà apporté la preuve que tous les critères de génocide sont remplit.
En outre, ce groupe dépendra de la transcription de les lettres arabes en lettres latines par des fonctionnaires turcs. Il faut savoir que les archives ottomanes avaient été écrites en caractères arabes.
Il est la norme à l'université dans le monde entier que les historiens doivent apprendre deux des trois langues suivantes, le latin , le grec ancien et le sanskrit.
De plus, les résultats de l'analyse de nombreux témoins ainsi que archives d'Etat allemand, américain, français, italiens, scandinaves et russes conduisent déjà à la conclusion que l'Empire ottoman a clairement commit génocide .
C'est déjà le consensus scientifique. Seulement dû à la politique interalliée de l'OTAN quelques gouvernements et parlements hésitent d'adopter des résolutions afférentes.
Il ya deux ans, le historien Taner Akçam a même trouvé des preuves dans les archives turques, qui apparemment ne sont pas assez bien censurés. Ils expriment clairement que l'objectif de la politique de monoethnisation ottomane était de créer une population turque de 90 % dans chaque région. L'autre 10% étaient prévu d'être absorbé. Alors que les Kurdes sunnites et alévis étaient considérés comme absorbable avant 1922, les chrétiens et Yezidin ne l'étaient pas. Ainsi, le résultat a été que les Jeunes-Turcs ont chargé un comité pour traiter un plan d'extermination de ces minorités. L'un des principaux architectes de ce plan a été Baheddin Cakir, l'équivalent turc à Adolf Eichmann dans l'Allemagne nazie.


La suppression des Kurdes a commencé peu après le génocide

De sûrcroit, après toutes les minorités chrétiennes avaient été exterminés ou expulsés et désaffectée, les nombreux massacres et la répression de l'Etat turc contre sa population kurde dans de les années 1930 (Zilan) sur Dersim ( turc: Tunceli ), Kahranmaras et Sivas à 2011 (Roboski), en particulier ceux de confession alévie comme dans la province de Dersim 1937 et 1938, quand plus que 30.000 civils kurdes avaient été massacrés, montrent une forte relation causale avec le génocide non "seulement", comme si ça ne serait pas déjà assez mauvais, arménien (les Arméniens l'appellent "Aghet"), mais aussi syriaque (ils l'appellent "Sayfo") grec pontique et kurde yezidin .
Certains historiens même disent que l'une des raisons pour les massacres de Dersim effectuée par l'armée turque, est le fait que les Kurdes, ont aidé des refuges arméniens et syriaques tels que beaucoup de Néerlandais ont fait avec les Juifs lors de la 2ème guerre mondiale .
Un autre fait historique dans la même relation causale sont par exemple les massacres contre les juifs en 1934, les pogroms de Thrace.
La langue kurde et leurs coutume culturelles avaient été interdites en général pendant près de 8 décennies.
Avant la soi-disant "guerre d'indépendance turque", Mustafa Kemal a promis d'autonomie aux Kurdes afin de les faire devenir ses alliés. Bientôt, il a rompu sa promesse et a continué au même point, où les Jeunes Turcs avaient été arrêtés à la fin de la 1ère guerre mondiale.
Bien que certaines réformes ont été exécutés pour améliorer les droits des Kurdes, en Turquie leur langue et leur culture n'est pas encore égal, mais limités par exemple §222 du code pénal turc (Türk Ceza Kanunu), et loin de remplir les normes de minorités selon le Pacte international relatif aux droits civils et politiques (PIDCP).

Des civils kurdes et les politiciens du BDP commémorant les victimes du massacre de Roboski

Les tentative turques pour justifier une politique ethnocentrique et des crimes contre l'humanité sont toujours les mêmes, peu importe s'il s'agit sur ​​le génocide contre les Arméniens, les Syriaques, les Grecs pontiques et les Kurdes Yezidin ou les massacres et la répression contre les Kurdes.
Ils ne sont que des falsifications historiques, les stéréotypes inexacts, des théories de conspiration étranges et raciste accompagné par la criminalisation et la diffamation de quatre entiers groupes ethniques comme des agresseurs, des terroristes ou même des traîtres de la patrie(turc: "vatan hayni"). Même dans les livres d'enseignement officielles turques, les Syriaques (aussi Assyriens) sont encore appelée traîtres de la patrie.

Donc, si vous voulez comprendre la soi-disant "question kurde", vous devez considérer le génocide de l'Empire ottoman contre ses minorités chrétiennes qui fournit de nombreuses preuves pour une politique de monoethnisation constante et une manière de nationalisme sans égal dans le reste du monde.


Sources (seulement un petit choix) recommandées sur lesquel se fonde cet article

Doumanis, Nicholas: Before the Nation: Muslim-Christian Coexistence and its Destruction in Late-Ottoman Anatolia.

Alexander Laban Hinton, Thomas La Pointe, Douglas Irvin-Erickson (Eds.): Hidden Genocides: Power, Knowledge, Memory.

Kostos, Sofia Kontogeorge (Ed.): Before the Silence: Archival News Reports of the Christian Holocaust That Begs to be Remembered.

Üngör, Uğur Ümit; Polatel, Mehmet: Confiscation and Destruction: the Young Turk Seizure of Armenian Property.

The Asia Minor Catastrophe and the Ottoman Greek Genocide: Essays on Asia Minor, Pontos und Eastern Thrace, 1912-1922.

The Slow Disappearance of the Syriacs from Turkey: And of the Grounds of the Mor Gabriel Monastery.

Taner Akçam: Young Turks' Crime Against Humanity: The Armenian Genocide and Ethnic Cleansing in the Ottoman Empire.

Raymond Kevorkian: The Armenian Genocide: A Complete History.

Dündar, Fuat: Crime of Numbers: The Role of Statistics in the Armenian Question (1878-1918).

Sarafian, Ara: Talaat Pashas Report on the Armenian Genocide, 1917.

Besikci, Ismail; International colony Kurdistan.

Besikci, Ismail; Tunceli Kanunu ve Dersîm Jenosidi (only in Turkish language; "The Tunceli law and the Dersim genocide")

Besikci, Ismail; Wir wollen frei und Kurden sein - Brief an die UNESCO (in German language "We want to be free and Kurds - letter to the UNESCO")

Hans-Lukas KIESER; Dersim Massacre, 1937-1938.



Lisez cet article en anglais / Read this article in English
‘Kurdish question’ can’t be understood ignoring the Armenian genocide



Samstag, 26. April 2014

The "Kurdish question" can't be understood ignoring the Armenian genocide

Not "only" a genocide to Armenians but also to Syriacs, Pontic Greeks and Kurdish Yezidin

The first definition of genocide was created by Raphael Lemkin and has been inspired by the extermination of the Armenians, Syriacs (also called Assyrians), Pontic Greeks and Kurds of Yezidin believe in the Ottoman Empire from 1912 to 1922.
Modifications have been made after the experience of the holocaust in the 3rd Reich.
Only one of many, but a sadly impressing evidence for how similar these two crimes against humanity were carried out, are the mass graves of about 40.000 Armenian and Syriac genocide victims surrounding the chapel of Margadeh in the Syrian desert Deir ez-Zor.


The photo was taken by the German eyewhitness of genocide, Armin T. Wegner
It shows an Ottoman state servant humiliating Armenian children being close to starve by presenting them a loaf of bread

Thanks to more than 400 internationally well-reputated historians it is now broadly understood that the Ottoman Empire's policy of monoethnisation fullfils all criteria of genocide.
Outside Turkey there are only about five historians denying this prooven fact by spreading some really strange conspiracy theories.
The European Union (Parliamentary Resolutions adopted in 1987, 1998, 2000, 2001, 2002, 2005) as well as 20 countries confirm the recognition.
Even Turkey's recently founded most democratic parties BDP and HDP recognize it and are persueing a policy of seriously meant reconciliation.


The uselessness of Turkey's proposal for an "international group of historians"

Turkish governments proposal for an "international group of historians" to examine the contents of it's state archives is completely useless, because historians already prooved that all criteria of genocide are fullfilled.
Furthermore this group would depend on the transcription from Arabic into Latin letters by Turkish civil servants. The Ottoman state archives had been written in Arabic letters.
It is worldwide standard that historians have to learn two of the following three languages, Latin, Ancient Greek and Sanskrit at university.
In addition, the results of analyzing numerous time whitnesses as well as German, American, French, Italian, Scandinavian and Russian state archives already lead to the conclusion that the Ottoman Empire clearly did genocide.
This is already scientific consensus. Only some governments and parliaments hesitate do accept this, because of NATO interallied policies.
Two years ago, Taner Akcam even found evidence in the obvioulsy not that well censored Turkish archives. They express clearly that the aim of the Ottoman policy of monoethnisation was to create a 90% Turkish population in each county. The other 10% were ought to be absorbed. While Kurds of Sunni and Alevi believe were considered to be absorbable before 1922, the Christians and Yezidin weren't. So, the result was that the Young Turks chargered a committee to process a plan for the extermination of these minorities. One of this plan's main architects was Baheddin Cakir, the Turkish equivalent to Adolf Eichmann in Nazi-Germany.


Suppression of the Kurds began shortly after the genocide

Futhermore, after all Christian minorities had been exterminated or expelled and disappropriated, the numerous massacres and suppression the Turkish state did to it's Kurdish population from the 1930s (Zilan) over Dersim (Turkish: Tunceli), Kahranmaras and Sivas to 2011 (Roboski), especially those of Alevi confession such as in the province of Dersim 1938 and 1939, when more than 30.000 Kurd civilians had been massacred, show a causal relationship with the not "only", as if it wouldn't be bad enough, Armenian (Armenian call it "Aghet") but also Syriac (call it "Sayfo) Pontic Greek and Kurdish Yezidin genocide.
Some historians even say that one reason for the massacres in Dersim carried out by the Turkish army, is the fact that Kurds there helped Armenian and Syriac refuges such as many Dutch people did with the Jews in 2nd World War.
Another historical fact in the same causal relationship are e.g. the mass killings of Jews in 1934, the Thrace pogroms.
Kurdish language and cultural customs had been forbidden in general for nearly 8 decades.
Before the so called "Turkish War of Independence" Mustafa Kemal promised autonomy to the Kurds in order to get them allied. Soon he broke his promise and continued where the Young Turks had been stopped at the end of World War 1.
Although some reforms have been executed to enhance the rights of the Kurds, in Turkey their language and culture is still not equal, but restricted by e.g. §222 of the Turkish penal code (Türk Ceza Kanun), and far away from fulfilling minority standards according to the International Covenant on Civil and Political Rights (ICCPR).


Kurdish civilians and BDP politicians commemorating the victims of Roboski airstrike, also known as the Uludere massacre

Turkish attempts to justify an ethnocentric policy and the resulting crimes against humanity are always the same, no matter if it is about the genocide to the Armenians, Syriacs, Pontic Greeks and Kurdish Yezidin or the massacres and suppression to the Kurds.
They consist of nothing but historical falsification, inaccurate stereotypes of strange conspiracies and racist criminalisation and defamation labelling four entire ethnical groups as aggressors, terrorists or even traitors to the nation ("vatan hayni"). Even in official Turkish educational books, Syriacs (also Assyrians) are still called traitors to nation.

So, if you want to understand the ‘Kurdish question’, you need to consider the genocide that the Ottoman Empire did to its Christian minorities, providing plenty of evidence of Turkey’s ongoing policy of monoethnisation and globally-unparalleled nationalism.


Read this article in French / Lisez cet article en français: La «question kurde» ne peut être compris sans tenir compte du génocide arménien


Recommended literature(only a small choice) on which this article is based


Doumanis, Nicholas: Before the Nation: Muslim-Christian Coexistence and its Destruction in Late-Ottoman Anatolia.

Alexander Laban Hinton, Thomas La Pointe, Douglas Irvin-Erickson (Eds.): Hidden Genocides: Power, Knowledge, Memory.

Kostos, Sofia Kontogeorge (Ed.): Before the Silence: Archival News Reports of the Christian Holocaust That Begs to be Remembered.

Üngör, Uğur Ümit; Polatel, Mehmet: Confiscation and Destruction: the Young Turk Seizure of Armenian Property.

The Asia Minor Catastrophe and the Ottoman Greek Genocide: Essays on Asia Minor, Pontos und Eastern Thrace, 1912-1922.

The Slow Disappearance of the Syriacs from Turkey: And of the Grounds of the Mor Gabriel Monastery.

Taner Akçam: Young Turks' Crime Against Humanity: The Armenian Genocide and Ethnic Cleansing in the Ottoman Empire.

Raymond Kevorkian: The Armenian Genocide: A Complete History.

Dündar, Fuat: Crime of Numbers: The Role of Statistics in the Armenian Question (1878-1918).

Sarafian, Ara: Talaat Pashas Report on the Armenian Genocide, 1917.

Besikci, Ismail; International colony Kurdistan.

Besikci, Ismail; Tunceli Kanunu ve Dersîm Jenosidi (only in Turkish language; "The Tunceli law and the Dersim genocide")

Besikci, Ismail; Wir wollen frei und Kurden sein - Brief an die UNESCO (in German language "We want to be free and Kurds - letter to the UNESCO")

Hans-Lukas KIESER; Dersim Massacre, 1937-1938.

Donnerstag, 10. April 2014

Kessab, Rojava, Syriens Armenier und Kurden – Als Raniah Salloum das „Daily Beast“ in den Spiegel brachte

Bezug nehmend auf unter nachstehendem Link abrufbaren Artikel von Raniah Salloum, Auslandsredakteurin bei „Spiegel Online“, muss einiges ergänzend angemerkt werden, um diesen einordnen zu können.
"Raniah Salloum: Assads zynisches Spiel mit dem Trauma der Armenier"

Kontakte zu Washingtoner Hochschullehrer und Publizisten mit wenig Sympathie für Kurden und Armenier

Seit einiger Zeit versucht sich Salloum für einen völkerrechtlich fragwürdigen Militärschlag gegen Syrien à la „Bomben auf Belgrad“ oder einer False Flag Operation wie im Irak stark zu machen.
Wer sie googelt, stößt zunächst auf einige ihrer Syrienartikel, bevor es dann von ganz viel Kritik wimmelt.
U.a. in diesem schiitischen Forum wird einer ihrer Artikel auseinandergenommen. Die Kritikpunkte werden zumeist ironisch abgehandelt. Das geschieht aus gutem Grund, finden sich darin viele schlecht recherchierte oder fragwürdige Darstellungen.
Shia-Forum

Auch ich möchte diesen Artikel aufgreifen, da er nicht nur exemplarisch für Salloums Schaffen angesehen werden kann, sondern auch eine interessant Verbindung offenbart. Ihre Behauptung, ich zitiere wörtlich „Die PKK ist ein Verbündeter des Assad-Regimes“, ist für eine Analyse ihres Stils, ihrer Intentionen und eine später folgende Überleitung zu ihrem jüngst veröffentlichten Beitrag sehr ergiebig.

1.) Richtig wäre in Syrien von der YPG zu sprechen. Man kann davon ausgehen, dass Salloum sich darüber durchaus im Klaren ist, aber mit voller Absicht von der PKK spricht das Schreckgespenst von „bösen Terroristen“ beschwören zu können.

2.) Die kurdische YPG musste und muss sich vorwiegend gegen die von Salloum leitmotivartig in allen ihren Artikeln notorisch verharmlosten Milizen der u.a. Al Nusra und ISIS, die im August 2013 in Rojava ein verheerendes Massaker an 300 kurdischen Zivilisten begangen, zur Wehr setzen. Keinesfalls aber sind sie mit der Armee Assads verbündet oder waren es jemals.
Dazu: Frankfurter Rundschau: Kurden in Syrien - Die Frau, die Al-Kaida das Fürchten lehrt

3.) Woher der Wind weht, wird klar, als sie direkt im Anschluss Soner Çağaptay zitiert. Er ist Leiter des Turkish Research Program des Washington Institute for Near East Policy, der auch gelegentlich für die Washington Post, die Hürriyet, The Atlantic u.a. schreibt. Einen von ihm verfassten Artikel über die Lage der Kurden im Nahen Osten zu finden, in dem nicht die Worte „Terror“ und „PKK“ vorkommen, ist nahezu unmöglich. In Bezug auf die u.a. im EU-Fortschrittsbericht 2012 lobend erwähnten Reformen zur Verwendung kurdischer Sprache, die parteilichen Aktivitäten der BDP sowie Bestrebungen nach Gleichstellung kurdisch kulturellen Brauchtums, also die Realisierung von Menschrechten erster Dimension, spricht er fortwährend von kurdischem Nationalismus und unterstellt notorisch PKK-Verbindungen. Gerade in den USA, wo de facto kein Hintergrundwissen über die Geschichte staatlicher Repressionen gegenüber kurdischem Brauchtum, kurdischer Sprache, allgemein kurdischer kultureller Identität geschweige denn über die sozialistische Programmatik ihrer Freiheitsbewegung besteht, zeigt die Suggestion „Kurden=PKK=Schreckgespenst Terrorismus“ leider häufig die gewünschte Wirkung.
So ist es auch wenig verwunderlich, dass er im Zuge im US-Repräsentantenhaus eingehender Anträge zur Anerkennung des durch den vom osmanischen Reich verübten Genozid von 1912-1922, bereits am 22. Februar 2007 für die Washington Post einen Artikel mit dem Titel „Armenian Genocide Folly“ (Armenier-Völkermord-Dummheiten) verfasste.
Der offenkundig neoliberale Çağaptay geht darin ebenso wie in der Stigmatisierung der kurdischen Gleichstellung und systematischen Ausblendung von völkerrechtlich relevanten Minderheitenrechten taktisch sehr klug vor. Anstatt sich in historischer Falsifikation zu üben, spielt er die Bedeutung der Thematik bei gleichzeitiger Überhöhung der türkischen Wirtschaftsstärke herunter und betont wortwörtlich „katastrophale“ wirtschaftliche Negativauswirkurgen auf die US-Ökonomie, die er mit einer Armada von nicht überprüfbaren Zahlen gekonnt untermauert, und zeichnet Szenarien von der Schließung der türkischen US-Militärstützpunkte und daraus resultierenden Auswirkungen auf die Irakpolitik. Damit trifft er, dass muss man leider sagen, bei der einflussreichen US-Waffen-, Öl- und Schwerindustrielobby einen sensiblen Nerv.
Taktisch geht er klug vor. Moralisch jedoch ist allein schon durch die Überschrift, in der die parlamentarische Thematisierung eines der grausamsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit des letzten Jahrhunderts als „Dummheit“ oder anders übersetzt „Narretei“, ein Hohn gegenüber völkerrechtlichen Prinzipien.
Die Botschaft seines Artikels lautet: „Kümmert Euch nicht um Menschrechte und Armenier, kümmert Euch um Cash!“ und kommt an…
Am 23. Oktober desselben Jahres legte Çağaptay auf seiner Homepage nach und stellte Verbindungen zwischen der Genozid-Debatte in den USA sowie gleichzeitigen Gefechten der türkischen Armee mit kurdischen Guerillas an der irakischen Grenze her. Dabei betonte er die Negativauswirkungen auf die US-Reputation in der Türkei sowie warnte vor Aufkündigung militärischer Kooperation in Afghanistan. Geschickt bringt er dabei den Wunsch nach Anerkennung historischer Tatsachen damit in Verbindung, was er unter Terrorismus versteht. Dabei spricht er dieselbe Klientel an wie bereits erwähnt.

Soner Çağaptay wird nicht nur in Salloums Artikeln erstaunlich häufig zitiert, auch finden sich seine Ansichten oft auf äquivalente Art und Weise wieder.
Bloß ist Deutschland nicht mit den USA gleichzusetzen. Die Lobbys, die Çağaptay in seinen Artikeln anspricht, haben lange nicht dieselbe Macht und generell besteht durch eine andere Einwanderungsstruktur, in der sich alle Ethnien und Konfessionen aus dem Nahen Osten auf geografisch engerem Raum wieder finden, eine größere Diversität an Meinungen. Damit verbunden ist auch eine gesunde Skepsis gegenüber solchen Artikeln wie den vorliegenden.


Kim Kardashian passt Raniah Salloum besser als Cher oder Serj Tankian

Bezeichnend ist zudem ihr zentraler Absatz, den sie „Die Kardashians verbreiten auf Twitter Regime-Propaganda“ nennt.
Salloum stellt hier die „#savekessab – Aktion“ in den Social Media so dar, als sei sie eine Idee und Initiative der armenischstämmigen, vereinfacht gesagt US-Hardcore-Version von Daniela Katzenberger, Kim Kardashian, dar. Wer diese Social-Media-Kampagne tatsächlich startete, ist unklar und dürfte in den Wirren des WWW auch nicht mehr recherchierbar sein. Vom Web auf die Straße kam sie jedenfalls auf Initiative armenischer Organisationen, wie z.B. der ANCA in den USA oder der CCAF in Frankreich, deren Mitglieder nicht selten Familienangehörige in Nordsyrien haben oder hatten, weil sie vor Al Nusra, ISIS und Co. geflohen sind. Teilnehmern der Aktion, die aus Sorge um ihre Verwandten und Landsleute daran teilnehmen „Regime-Propaganda“ zu unterstellen, ist nur eine von vielen haltlosen Behauptungen, die Salloum bei ihren Syrienartikeln ein ums andere Mal einstreut. Auch stimmt es nicht, wenn sie schreibt, Proteste haben nur in den USA stattgefunden. Sie fanden des Weiteren in Kanada, Australien, Armenien, Frankreich und am vergangenen Wochenende in Köln, Düsseldorf und Hamburg statt.
Unbedingt, muss erwähnt werden, dass die Überschrift dieses Absatzes ganz stark an den am 31.März vom US-Hobbyjournalisten-Boulevard-Magazin mit dem überaus seriösen Namen „The Daily Beast“ veröffentlichten Artikel „Kim Kardashian Butts Into Syria’s (Online) Civil War With #SaveKessab Campaign“, der in für die Yellow Press üblichen Weise auf Kardashian, einprügelt und dabei den selben Vorwurf äußert wie die Autorin.
Salloum hat sich offenbar darauf verlassen, dass diese Parallele in ihrem Artikel niemandem auffällt. Jedoch hat sie da ihre zahlreichen Kritiker unterschätzt. Wer Kim Kardashian fettgedruckt ins Zentrum eines politischen Artikels rückt, macht sich verdächtig.
Kim Kardashian ist ein als Skandalnudel verschrienes Lieblingsopfer der Boulevardpresse, dem ein gewisses Dumpfbackenimage anhaftet. Dass dies nicht zwangsläufig zutreffen muss, sollte uns Verona Feldbusch gelehrt haben. Jedenfalls versucht Salloum sich dieses negativ besetzte Image für ihren Suggestionsjournalismus zu Nutze zu machen. Hätte sie Kim Kardashian durch Cher oder Serj Tankian (Ex-Frontmann der Hard Roch Band System Of A Down) ersetzt, die sich ebenfalls der „#savekessab – Aktion“ angeschlossen haben, wäre das im Kopf des nicht vorgebildeten Lesers erzeugte Bild sicherlich nicht ansatzweise so negativ ausgefallen.
Salloum versucht hier die Initiative dadurch in ein schlechtes Licht zu rücken, dass eine in der Yellow Press regelmäßig als ungebildete Boulevardskandalnudel dargestellte Kim Kardashian daran teilnimmt, und dass durch das bloße Aufmerksam-Machen auf die Vertreibungen von Armeniern und Alawiten in Kessab „Regime-Propaganda“ vorliege.

Klug jedoch ist diese Taktik nicht. Vielmehr tut sich das Paradoxon auf, warum Kim Kardashian im Artikel eines politischen Nachrichtenmagazins, das als seriös wahrgenommen werden möchte, fettgedruckt erscheint und ihr mehrere Sätze gewidmet werden.



Was sie nicht weiß, spricht sie dennoch an. Was ihr nicht passt, verschweigt sie.

„Es gab keine Massaker“ lautet die Überschrift ihres nächsten Absatzes. Wenig später relativiert sie diese absolut formulierte Überschrift kaum merklich mit dem Wörtchen „offenbar“. Fakt ist also, sie weiß es nicht und äußert sich trotzdem!
Sie führt an, es habe Vertreibungen gegeben und widerspricht sich selbst, wenn sie mögliche Todesopfer einräumt, diese aber selbst Schuld seien, da sie eine Bürgerwehr gebildet hätten.

(Schwerbewaffnete Milizen nach ihrem Angriff und der Vertreibung der Einwohner von Kessab / Bild: Asbarez News)

Angemerkt sei der Fairness halber, dass es mittlerweile als gesichert gilt, dass Massaker ausblieben.

Noch einen Schritt weiter geht Salloum, als sie Bilder aus Horrorfilmen und Splattermovies zu zentralen Elementen der Kampagne erklärt. Solche Bilder waren in der Tat bei Twitter und Facebook im Umlauf, wurden aber von den Organisatoren und Verantwortlichen der seit zwei Wochen stattfindenden SaveKessab-Demonstrationen als solche identifiziert, die Poster ermahnt und ihr Zeigen und ihre Verbreitung untersagt. Die Demonstrationen verliefen rund um die Welt ruhig, um auf die Vertreibungen aufmerksam zu machen.
Zu den Demonstrationen schreibt Raniah Salloum nichts. Dass sie keine Möglichkeit zu deren Negativdarstellung sieht, spricht für deren Organisation und Professionalität.


Spekulationen um türkische Beteiligung beim Angriff

Eine Beteiligung der Türkei wird von Salloum als unklar bezeichnet, auf den Abschuss eines syrischen Kampfjets reduziert und somit als mehr oder weniger rein zufällig dargestellt.
Dass dies so nicht stehen bleiben kann, zeigen einige signifikante Passagen aus englischsprachigen Artikeln zum gleichen Thema.

Raymond Ibrahim, ägyptischer Journalist, beschreibt für das Front Page Magazine die Gefühle und Lage der Bewohner bzw. ehemaligen Bewohner von Kessab wie folgt:
„One elderly man says “We’ve been here 97 years since they slaughtered us in Turkey. These al-Qaeda ‘rebel’ groups are the grandsons of Abdul Hamid”
Wenn wir aus historischen Gründen Verständnis für die Ängste von Polen und Balten vor Russland aufbringen, dann sollten wir es auch für solche Ängste syrischer Armenier aufbringen.
Den kompletten Artikel kann man unter nachstehendem Link nachlesen
Raymond Ibrahim: Turkey's New Jihad On Christian Armenians

Zeitgleich mit den Angriffen auf Kessab berichten kurdische Nachrichtenagenturen von einer neuerlichen Offensive gegen Rojava. Hier einen kausalen Zusammenhang mit den Angriffen auf Kessab zu vermuten liegt nahe.
„The fighting began when the ISIS, which had established itself in the region between Azzaz and Aleppo last year began to pull out of the region after an ultimatum from the El Ekrad Front. ISIS fighters from Aleppo, Idlib, Hama, Homs and Latakia moved into areas around Kobanê and launched a three front attack against the canton beginning on March 8th.
The ISIS opened their assault with mortar fire against the villages of Fiyonte, Bir Ketik and Evdik to the east of Kobanê. The YPG responded to the ISIS attacks in the village of Bir Kino, where they killed 4 gang members. The same day the ISIS launched an attack on a passenger bus in which one woman and one child were killed.
Between March 8th and April 8th there was fighting every couple of days. In addition to killing over 400 ISIS members and capturing 10 more, the YPG was able to seize a large quantity of military equipment. Among the ISIS dead were fighters from Saudi Arabia, Azerbaijan, Tunisia and Egypt. Documents recovered from ISIS fighters also confirmed they were receiving support from the Saudi and Turkish governments."

Den kompletten Artikel kann man hier nachlesen:
Rojava Report: YPG Kills Over 400 ISIS Members In March
Auch YPG-nahe kurdische Quellen, die für Assads Truppen genauso wenig übrig haben wie für die Milizen der ISIS, Al Nusra und Co., gehen also von türkischem Support für jene Gruppierung ausgeht.

Was Carlo Davis schreibt in der „New Republic“ schreibt, legt weitere Indizien und Gründe für eine türkische Beteiligung offen:
“On Thursday, a video was posted on YouTube containing an alleged recording of high-ranking Turkish officials discussing a potential military intervention into Syria in defense of a tiny Turkish exclave 25 miles south of the Turkey-Syria border. In its most damning moment, Turkish intelligence chief Hakan Fidan offers to orchestrate of Gulf of Tonkin-esque false flag attack on the exclave in order to justify a response. […]Turkey has been providing light arms and training to Syrian rebel groups since at least May 2012. Its northern border with Syria has become the primary conduit through which weapons flow from Jordan, Saudi Arabia, and Qatar to opposition forces on the ground. Turkey has gradually become more and more overt in its support for the Syrian opposition. Just last week, when Syrian rebels launched an operation to seize the last government-controlled border crossing between Turkey and Syria, Turkey provided them with a de facto no-fly zone, shooting down a Syrian fighter jet sent to defend the border towns. Turkey claims the plane had violated its airspace, but it crashed in Syrian territory.”
Mit der türkischen Exklave ist das Grabmal des Großvaters des ersten osmanischen Sultans gemeint.
Zum kompletten Artikel:
Carlo Davis: The Syrian Civil War May Be About to Go Fully Regional

Dazu passend erschien diese Woche in der Berner Zeitung ein Artikel über die mögliche Verwicklung der türkischen Regierung in einen Giftgasangriff in Syrien, der 2013 stattgefunden hat. Diesen Artikel griffen u.a. Tagesspiegel und der Spiegel Online selbst weniger als 24 Stunden nach Erscheinen von Raniah Salloums Artikel, auf.
Zum Artikel:
Berner Zeitung: War Ankara in den Giftgas-Angriff verwickelt?

Den nachstehend zitierten Artikel des Politologen und Journalisten Fehim Taştekin kann ich nur empfehlen. Sein Zitat reiht sich in die bereits angeführten ein. Des Weiteren lohnt es sich den Link zum kompletten Artikel abzurufen. Dort werden u.a. die verschiedenen Milizionärgruppierungen, für die Salloum gerne wirbt ausführlich beschrieben.
“Then there are reports of Turkey’s role in the capture of Kassab. Foreign Minister Ahmet Davutoglu said, “The Kassab events did not occur at our instance.” But Titizyan, asked by Agos if they were expecting an attack, replied: “No, but they told us Erdogan had opened the way. If Erdogan had not opened the way, so many nasty men would have not have come to Kassab. These men came from Turkey."
A lot has been written about militants crossing to Kassab from Turkey. Suheib Anjarini, a writer from the Lebanese daily Al-Akhbar, relying on an opposition source, said that more than 1,000 fighters trained in Jordan were brought over from Marka airport to Hatay for the Kassab operation.
And we are constantly told that the FSA was being very careful and compassionate. Although apart from the Bayirbucak Turkmen Brigade there was no FSA involvement in Operation Anfal, they are trying to make Kassab's capture acceptable by nonstop reporting that it was done by the FSA. Smart!
We should give up trying to write a saga of hospitality from this Armenian nightmare.”

Zum Artikel:
Fehim Taştekin: Turkey realizes its blunder in Kassab operation

Wie bereits von Taştekin erwähnt, melden türkische Medien wie AGOS oder Oda TV zudem unter Berufung auf Interviews mit aus Kessab geflohenen Armeniern und Alawiten, dass die Angreifer, als sie in ihre Häuser eindrangen, sowohl Arabisch als auch Türkisch gesprochen hätten.
Die Indizien, aus diesen miteinander nicht in Zusammenhang stehenden Quellen sprechen klar gegen Salloums Annahme.


Wer im Glashaus sitzt...

Am Ende ihres Absatzes "Massaker gab es nicht" drückt Salloum aus, dass armenische Verbände ihren Protest nicht öffentlich zu machen hätten, weil anderswo in Syrien auch Kriegsleiden stattfänden, für die im Ausland nicht mobilisiert werden könne. Dass es gerade die christlichen Minderheiten und die Kurden Nordsyriens sind, die in den westlichen Televisionsmedien totgeschwiegen werden und sie nur durch Aktionen wie die SaveKessab-Demonstrationen überhaupt Beachtung finden können, erwähnt sie nicht.
Bezeichnenderweise ist sie es außerdem selbst, die gerne als ein Hauptsprachrohr der Organisation „Adopt a Revolution“ fungiert. Alles ihre Publikationen zu Syrien finden sich auf der Webseite der Organisation, die hauptsächlich gegründet wurde um Spenden für die von Fehim Taştekin näher benannten und charakterisierten Gruppierungen zu sammeln. Die Terminologie „Anti-Assad-Aktivisten“, die sowohl Salloum als auch „Adopt a Revolution“ verwenden, kann nach Lektüre des Al-Monitor Beitrags nur als Euphemismus gedeutet werden. Dieser Organisation gehören auch einige prominente Politiker wie Claudia Roth oder Andrea Nahles an. Prominente Fürsprecher hätte sie also auf den ersten Blick schon. Die Organisation steht jedoch in der Kritik, seitdem sie Ende 2012 unter anderem auch durch Salloum geäußert immer lauter ein militärisches Eingreifen sowie eine Ausweitung der Waffenlieferungen an die bereits angesprochenen Gruppierungen forderte. Damals kehrte unter Anderem Konstantin Wecker ihr öffentlich den Rücken.
Ausgerechnet ein Recht auf Aktivismus und politisches Engagement, wie sie es selbst bei "Adopt a Revolution" ausübt, missgönnt Raniah Salloum offenbar den armenischen Verbänden.

Sonntag, 6. April 2014

Eine Analyse zur wachsenden Skepsis gegenüber den USA - Der NSA-Skandal ist nur pars pro toto

Gute zwei Jahre dauert mittlerweile die Anti-Russland-Kampagne der deutschen Medien. Schon lange vor Ausbruch der Krimkrise bekamen die Zuschauer der Tagesschau, ZDF heute sowie der Privatsender anfangs wöchentlich und später mit immer höherer Frequenz ausschließlich negative Berichte mit zweifelhaft konnotierter Rhetorik über „Putins Reich“ vorgesetzt.
Zeitgleich findet im selben Zeitraum eine beispiellos zensierte und einseitige Kampagne deutscher Nachrichtensendungen über den syrischen Bürgerkrieg statt.
Das alles passiert in einer Zeit, in der sich Deutschland über einen europaweit wirtschaftlichen Aufschwung erfreut, aber die durch US-Zockerbanken ausgelöste Weltwirtschaftskrise dennoch in den Köpfen vieler Menschen weiterhin präsent ist.

In diese Zeit nun fällt ein Statement des Bundespräsidenten, in dem er sich kategorisch gegen Volksentscheide ausspricht, weil er „dem Volk“ dessen Repräsentant er sein sollte, politisch komplexe Entscheidungen nicht zutraue.
Passend dazu erschien in der Onlineausgabe der Welt am Samstag, den 05.April 2014 ein Artikel mit folgender Überschrift und
„Deutsche Distanz zu den USA beunruhigt die Politik - 49 Prozent der Bürger favorisieren inzwischen eine "mittlere Position zwischen dem Westen und Russland". Dieser Wandel beunruhigt die Politik, die die Ursachen dafür auch in der NSA-Affäre sieht“
Der komplette Artikel kann unter nachstehendem Link nachgelesen werden: Die Welt: Deutsche Distanz zu den USA beunruhigt die Politik

Ich habe Cem Özdemir immer als sehr besonnen Politiker und guten Analytiker geschätzt. Des Weiteren würde ich nach wie vor trotz vielerseits heftig geäußerter Kritik jedem Einsteiger in die Thematik sein 2008 erschienenes Buch „Die Türkei: Politik, Religion, Kultur“ empfehlen. Freilich geht dieses Werk nicht wirklich in die Tiefe. Für Einsteiger in die Thematik halte ich es jedoch für ideal geeignet, um sich ein gewisses Grundwissen anzueignen, bevor man sich mit beispielsweise Hasan Kaygisiz auseinandersetzen kann.
Für seine in der Welt wie folgt zitierte Äußerung zur o.g. Thematik habe ich allerdings nun kein Verständnis mehr übrig und muss, auch wenn es mir aufgrund einer gewissen Sympathie schwer fällt, Kritik üben.
Dort ist von Herrn Özdemir Folgendes zu lesen: "Dass die Bürgerinnen und Bürger Deutschland künftig stärker zwischen dem Westen und Russland sehen wollen, ist sicher Realität, aber nichts, was dazu führen darf, dass wir diesem Wunsch nachgeben".
Hier liegt der erste Kritikpunkt, dessen Quintessenz ich auch Herrn Gauck entgegenhalten möchte. Wenn die Politik in einer Demokratie die Wünsche, Sorgen und Ängste einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr ernst nimmt oder sie einfach übergehen möchte und übergeht, muss man sich wirklich fragen, ob Politikern wie Herrn Özdemir, Herrn Gauck, der kompletten Bundesregierung und den Mitgliedern der Medienräte von ARD und ZDF nicht der Bezug zu ihrem Berufsethos abhanden gegangen ist. Dieses zeichnet sich schließlich wesentlich durch die Rolle des Volksrepräsentanten und nicht des Volksbevormunder im Dienste anderer Staaten aus.
Zur Erinnerung, das Wort Demokratie setzt sich aus den altgriechischen Worten „Demos“ (das Volk) und „kratein“ (herrschen) zusammen.
Können wir ernsthaft angesichts solcher Äußerungen quer durch politische Führungsriege Deutschlands wirklich noch von einer Demokratie sprechen?
Sind wir angesichts dieses Unwillens Stimmungslagen einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zu repräsentieren, und der damit einhergehenden Ignoranz bzw. schon Arroganz demgegenüber bereits in einer anderen Herrschaftsform angekommen?
Die Entscheidung, ob wir nun in einer parlamentarischen Aristokratie (von altgriechisch „hoi aristoi“ – die Besten, „kratein“ – herrschen), also einer Herrschaft der Besten, oder einer Oligarchie (von altgriechisch „hoi oligoi“ – die Wenigen, archein – herrschen), also einer Herrschaft der Wenigen leben, bleibt dabei der Wahrnehmung der Einzelnen überlassen.
Fakt jedoch wird immer stärker, dass der Wille der Bürgerinnen und Bürger offenbar keine Bedeutung mehr für die Spitzenpolitik zu haben scheint und sie damit nun auch erschreckend offen umgeht. Bei Herrn Özdemir und anderen Politikern der Grünen wiegen solche Äußerungen besonders schwer, da sie sich statt, wie es ihre Aufgabe wäre, nicht Oppositionsarbeit leisten sondern sich nur noch bei der CDU und SPD für künftige Koalitionen anzubiedern scheinen.
Ich möchte unterstreichen:
Es ist nicht so, wie die laute polemische Fraktion der Hardcore-Atlantiker gerne behauptet, dass 49% sich für eine Bindung an Russland, oder wie sie zu sagen pflegen „Putins Zarenreich des Bösen“ ausgesprochen hätten. Sie halten lediglich eine „mittlere Position zwischen dem Westen und Russland“ für angebrachter, als wie aktuell der Fall blind, unkritisch und unkontrovers die von den USA vorgegebenen außenpolitischen Positionen zu übernehmen. Es geht also nicht um den Wunsch nach einer 180°-Drehung von einer radikalen Position zur Anderen sondern lediglich um den Wunsch nach einer unabhängigen Mediatorenrolle, die im Übrigen allein schon die geografische Lage Deutschlands und Europas nahe legen würde.
Dass dieser Wunsch für CDU, SPD und Grüne schon zu viel verlangt ist, um auch nur auf ihn einzugehen geschweige denn ihn ernst zu nehmen, legt die Vermutung nahe, dass große Teile der Parteispitzen offenbar jeglichen Bezug zu ihrem Berufsethos verloren haben. Politiker, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Rolle als die eines Volksrepräsentanten zu interpretieren, haben, so deutlich muss man sein, ihren Beruf verfehlt!
Wer mir nun Populismus vorwirft, dem danke ich bereits vorsorglich für dieses Kompliment. Lässt sich das Wort Populismus doch schließlich auf „vox populi“ (lateinisch „Die Stimme des Volkes“) zurückführen und halte ihnen gerne unter Bezug auf die antike römische Rhetorik entgegen, dass ich es für besser halte die „vox populi“ zu unterstützen statt arroganter- und ignoraterweise der Illusion aufsitzen man könne im Stile absolutistischer Herrscher mit der „vox dei“ (Stimme Gottes) sprechen.

Die Arroganz und Ignoranz, die der Artikel der Welt zu Vorschein bringt, geht jedoch weiter und äußert sich in der Vermutung Özdemirs sowie des ebenfalls zu Wort kommenden CDU-Politikers Elmar Brok, dieses Stimmungsbild sei lediglich Produkt des NSA-Skandals.
Nun ist er sicherlich auch ein wesentlicher Grund für die US-kritische Stimmungslage innerhalb weiter Teile der Bevölkerung der Bundesrepublik. Hierin aber den einzigen Grund dafür zu sehen und somit den Bürgerinnen und Bürgern zu unterstellen andere außenpolitische Sachverhalte nicht durchschauen zu können, ist für eine Analyse der Stimmungslage aber vollkommen unzureichend.
Eine weitere entscheidende Rolle spielt sicherlich der moralische Anspruch der USA und der der NATO gegenüber vermeintlichen „Feindstaaten“ wie Russland, den sie jedoch, für immer mehr Menschen ersichtlich, nicht einmal ansatzweise an sich selbst stellen.
Nachgiebigkeit gegenüber zu Zockerbuden verkommenen Banken wie Goldmann & Sachs, Liquidierungen per Joystick durch auf der halben Erdkugel geführte Drohnenkriege, der Fortbestand einer künstlich geschaffenen menschenrechtsfreien Zone wie „Guantanamo“ sowie eine völkerrechtlich fragwürdige Rolle in einer Vielzahl von Konflikten in Lateinamerika, bei der Bombadierung von Belgrad im Zuge des Kosovokonflikts oder im letzten Irakkrieg, sind nur einige jedem auch nur mäßig informiertem Menschen hierzulande bekannte Gründe abseits des NSA-Skandals, warum das ehemals gute US-Image in Deutschland stark bröckelt.

Etwas ausführlicher muss man sich die Komponente syrischer Bürgerkrieg angehen. Hier wird seitens deutscher Medien seit Jahren ein Bild gezeichnet, dass die Realität nicht ansatzweise wiederspiegelt.
- Ebenso wie in den USA wird versucht zu vertuschen, dass der Großteil des militärischen Kampfes gegen Assad aus z.B. Saudi-Arabien, Tschetschenien, der Türkei, Aserbaidschan oder Usbekistan rekrutierten radikal-sunnitischen Importterroristen der Al Nusra oder der ISIS besteht, die eindeutig genozidale Intentionen gegenüber Alawiten, orientalischen Christen, Drusen und Kurden verfolgen. Die von der NATO unterstützte FSA (Freie Syrische Armee) hat bis vor einigen Monaten mit diesen Kräften zusammengearbeitet. Ist diese Kooperation mittlerweile offenbar aufgelöst, erfolgt jedoch seitens der NATO keinerlei Distanzierung von den o.g. Al Kaida Ablegern. Im Gegenteil, es gilt als gesichert, dass diese die Grenzregionen der Südosttürkei, also eines NATO-Staates, als Rückzuggebiet nutzen, und dort sogar medizinische und logistische Unterstützung bekommen.
- Neben der syrischen Armee Assads, der FSA und radikalen Al Kaida Mordkommandos gibt es eine Kriegspartei, die dem Westen ein ganz besonderer Dorn im Auge zu sein scheint. So verwundert es wenig bis gar nicht, dass in den Nachrichtensendungen niemals die Rede von den kurdischen Volksverteidigungskräften ist. Diese sind die mit Abstand am demokratischsten organisierte Kriegspartei, in der nicht nur Männer wie Frauen gleichermaßen sondern auch, und das unterscheidet sie von den ausschließlich sunnitischen NATO-Günstlingen, Angehörige aller Religionen, Konfessionen und Volksgruppen sich wiederfinden; sunnitische Kurden, alawitische Araber, Drusen sowie christliche Assyrer, Armenier und Araber.
- Besonders skandalös ist, dass das bislang verheerendste Massaker des syrischen Bürgerkrieges an über 300 kurdischen Zivilisten im August 2013 in Rojava weder westliche Parlamente beschäftigte noch Einzug in westliche Televisionsmedien haben durfte. Ebenso wie die aktuellen Vertreibungen im teils armenisch und teils alawitisch bevölkerten Ort Kessab geht es auf das Konto von Al Nusra und ISIS und findet mit Ausnahme von Kanada null Resonanz in westlichen Nachrichtensendungen, geschweige denn dass sich Menschenrechts-kommissionen oder Ausschüsse entsprechender Parlament damit beschäftigen würden. Lediglich Russland und Armenien protestierten in der UN.
Gerade hier entgeht vielen nicht, dass die NATO nicht, wie propagiert, auf demokratische (das wären nämlich in erster Linie die kurdischen Einheiten) sondern auf zwielichtige Kräfte setzt. Damit verbunden ist logischerweise die Schlussfolgerung, dass die Rolle Russlands entgegen der medialen Darstellung sowie des Tenors der deutschen Spitzenpolitik nicht rein negativ zu bewerten ist.
Viele, selbst politisch nur mäßig interessierte Bundesbürgerinnen und –bürger, nehmen diese nicht mehr zu rechtfertigende und offenkundig auf transatlantischen Druck zustande kommende Doppelmoral, u.a. durch den Dialog mit syrischstämmigen Migranten durchaus wahr und fühlen sich zurecht von der Politik und den Nachrichtensendungen hinters Licht geführt. Sie durchschauen die extrem dreist gewordenen Indoktrinations- und zensurversuche. Sie sehnen sich nach mehr Neutralität sehen im durch Politik sowie Tagesschau und Co. auferlegten Tabu, keinerlei Kritik am durch die außenpolitischen Interessen der USA gelenkten Verhalten der NATO äußern zu dürfen, aus nachvollziehbaren Gründen eine Gängelung, ja sogar eine Entmündigung.

In Zeiten wirtschaftlichen Wohlstandes führen ein solches Verhalten und solche Meinungen zwar nicht zu tiefgreifenden politischen Veränderungen, da für die wenigsten Menschen an der Wahlurne außenpolitische Prioritäten setzen. Laut Kontratief folgt auf einen Aufschwung aber immer irgendwann eine Rezension. Mit Hinblick darauf sollten sich GroKo und Grüne schon aus eigenem Interesse überlegen, ob sie mit diese Ignoranz fortsetzen wollen.

Die wachsende Skepsis gegenüber den USA ist jedoch nicht, wie dargestellt, allein das Resultat des NSA-Skandals oder gar, wie reflexionsunfähige Hardcore-Atlantiker es versuchen darzustellen, ein russischer Propagandaerfolg. Sie ist vielmehr hausgemacht durch Doppelmoral und Ignoranz von Politikern aller Parteien, mit Ausnahme der Linken, sowie einer offenkundig politisch motivierten und erschreckend einseitig gewordenen Berichterstattung in allen zur Primetime ausgestrahlten Nachrichtensendungen des deutschen Fernsehens geschuldet.

Nota bene:
Auf die Krimkrise und den im Artikel der Welt geäußerten Vorwurf einer mangelnden Empathie der deutschen Bevölkerung gegenüber den osteuropäischen NATO-Staaten bin ich nicht eingegangen, empfehle hierzu aber meinen nachstehenden Artikel:
Die Krimkrise in den Medien