Am 15. Oktober hat der Präsident des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte das Urteil in der seit 2008 anhängigen Sache Perincek vs. Schweiz verkündet. Die Oberste Kammer des EGMR bestätigt als letzte Instanz das vorherige Urteil des EGMR vom 17.12.2013, in dem die Faktizität des Genozids an den Armeniern bereits infrage gestellt worden war und Dogu Perincek das uneingeschränkte Recht auf Meinungsäußerung entsprechend §10 der Europäischen Menschenrechtskonvention zuerkannt wurde; nach Ansicht des EGMR schließt dies das Recht ein, den Völkermord an den Armeniern des Osmanischen Reiches zu bezweifeln.
Wenn die Meinungsfreiheit nicht mehr dort endet, wo die Menschenwürde massiv verletzt wird, wird sie vom Menschenrecht zum Arschlochrecht degradiert.
Die Nachkommen der Völkermordsopfer würden in ihren neuen Heimaten lieber über die Jazzszene in Yerewan, Granatapfelwein, Konyak, Baden im Sewansee, den Volkstanz Kochari und das Potential Armeniens bei erneuerbaren Energien sprechen, statt sich ständig zur Völkermordsthematik zu äußern. Das können sie aber nicht, weil die bespiellos ethnozentrisch durchwucherte, geschichtsrevisionistische Leugnungspolitik der Türkei, als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches, das Täter-Opfer-Verhältnis skrupellos radikal umkehrt, und sie dazu zwingt sich immer wieder für das Schicksal ihrer Vorfahren rechtfertigen zu müssen. Diese zum Himmel schreiend ungerechte Situation wird durch das Urteil des EMGR in der Causa Doğu Perinçek gegen die Schweiz weiter verschlimmert.
Gerade jetzt, da die sich seit mehr als einem halben Jahrzehnt die Fratze des türkischen Rassismus in Europa immer schärfer abzeichnet, bedeutet dieses Urteil einen weiteren fatalen Freibrief.
Die, der pro-kurdischen Partei HDP angehörenden, Opfer der Anschläge von Ankara vom Samstag, den 10.10.2015 werden bei der EM-Qualifikation in Konya von türkischen "Fans" ausgebuht und verhöhnt. Eine Spendenkampagne für, vor dem IS geflüchtete, vorwiegend yezidische Kurden im Shingalgebirge wird von der Drogeriemarktkette DM auf Druck türkischer Fundamentalisten abgesagt. Jetzt bekommen auch die armenischen, aramäischen und pontosgriechischen Nachkommen der Genozidopfer den immensen zerstörerischen Einfluß der xenophoben türkisch-rechtskonservativen Lobby in Europa, für die Perinçek als Wanderprediger fungiert, zu spüren. Das alles passierte innerhalb von nur einer Woche. Europa verkauft seine Werte im Eiltempo. Währenddessen wird Perinçek in der Türkei in den Rang eines Nationalhelden erhoben.
Doğu Perinçek ist nicht Irgendeiner. Er ist ein staatlich koordiniert und geförderter Scharfmacher, der türkische Migranten in Europa gezielt aufstacheln soll. Ein ochlokratisch organisiertes und semi-totalitäres System hat europäische Rechtsstaalichkeit erfolgreich unterlaufen, und besiegt. Das ist zu einem Zeitpunkt, wo der türkische Rassismus eine neue Dimension erreicht hat, ein denkbar falsches Signal.
Zum Weiterlesen und besseren Verständnis:
1.) Istanbul, 13. März 2014: Notorischer Genozidleugner Doğu Perinçek in der Türkei vorzeitig aus der Haft entlassen: „WIR SIND WIE EIN GEZOGENES SCHWERT!“
2.) Straßburg, 15. Oktober 2015: EGMR verurteilt schweizerische Justiz und erlaubt Genozidleugnung im Rahmen der Meinungsfreiheit
3.) Pressemitteilung der Gesellschaft Schweiz
- Armenien (GSA)
4.) Pfiffe und Buhrufe für die Terroropfer von Ankara
5.) Heulsuse der Woche: rassistische Flüchtlingsgegner vs. nationalistische Deutschtürken
6.) Kein Rassismus in der Türkei!
7.) Türkischer Rassismus im Nationalstaat Türkei am Beispiel der Kurden
8.) Türkische Gemeinde zu Berlin hetzt gegen Kurden in Deutschland
9.) Robert Fulford: Turkey is increasingly unable to handle criticism
10.) «Völkermord oder nicht ist keine demokratische Ausmarchung»
11.) Das Gericht schadet sich selbst
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Samstag, 17. Oktober 2015
Kommentar zum Urteil des EMGR in Fall Doğu Perinçek: Ein Menschenrecht wurde zum Arschlochrecht degradiert
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Sonntag, 20. Juli 2014
Zyprioten entlarven die Doppelmoral von Anti-Israel Demonstranten
Deutschland und ganz Europa werden derzeit von massiven Anti-Israel Demonstrationen erschüttert.
Während es einige daran beteiligte linksgerichtete Gruppierung vielleicht wirklich ernst mit Friedensaktivismus und Humanität meinen, haben jedoch längst diejenigen Kräfte, die seit Jahren durch antisemitische Aktivitäten auffallen, die Wortführung übernommen. Man hört auf den Demonstrationen kaum legitime Kritik an der israelischen Politik. Stattdessen ziehen oft gewaltbereite Truppen durch die Straßen, die rassistische Parolen von sich geben, die man in Europa und ganz besonders in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs für geächtet glaubte.
Wer da wie demonstriert
Die echten Friedensaktivisten werden in der Lautstärke gänzlich von Extremisten und Antisemiten absorbiert.
Es marschieren Neonazis Hand in Hand mit Mitgliedern radikaler sunnitischer Gruppierung und türkischen Rechtsradikalen, wie der vom Verfassungsschutz beobachteten Millî Görüş oder der sich zur Zeit insbesondere in Österreich aber auch Deutschland als geistiger Brandstifter Nr. 1 hervortuenden, und in ganz Europa operierenden, Lobbyorganisation der türkischen Regierungspartei AKP, der UETD.
Es ist jene Organisation, die angestachelt von ihrer Regierung Anfang Juni eine rassistische Fahrt gegen die Genozid-Gedenkstätte der Armenischen Gemeinde im niederländischen Almelo unternahm, und bereits in der jüngeren Vergangenheit durch antisemitische Kundgebungen auffiel:
Kaffeefahrt zur Störung der Totenruhe
Antisemiten und Rechtsradikale auf Pro-Erdogan-Demo
Anti-Israel-Demo am Sonntag in Wien: [...]"Die Justiz beobachtet derzeit mit erhöhter Sensibilität auch antisemitische Aktivitäten, insbesondere in sozialen Netzwerken", so Justizminister Wolfgang Brandstetter am Donnerstag"
Liest man sich die Beiträge auf den Social-Media-Plattformen dieser Organisationen durch, so gewinnt man den Eindruck, dass diese Organisationen und ihre Anhänger und Sympathisanten nur auf Krieg gewartet haben, um eine Pseudorechtfertigung zu haben ihren Judenhass heraus zu posaunen, ebenso wie sie sonst unverhohlen und von weiten Teilen der deutschen Politik toleriert, ja teilweise sogar protegiert, ihre rassistischen Ressentiments gegen Aleviten, Êzidin, Armenier, Aramäer, Griechen, Alawiten und schiitische Muslime Preis geben.
Kritik liest und hört man kaum, stattdessen werden, angestachelt von den jüngsten Äußerungen des türkischen Präsidenten und seinen europäischen Tentakeln, inflationär Ausgüsse geistiger Impotenz wie "Scheiß Juden", "Alle Juden sind Hurensöhne" oder "Vergast die Juden" zum Besten gegeben. Gegen §130 StGB wird reihenweise verstoßen und schlecht gemachte Propagandavideos der, die eigene Bevölkerung als Schutzschilde missbrauchenden HAMAS, dienen einer fatalen weiteren Radikalisierung.
Treffender als Ali Yildiz von Christlich-Alevitischen Freundeskreis der CDU hätte kann man wohl die Intentionen und den ideologischen Hintergrund derjenigen, die die Wortführung bei den Demonstrationen übernommen haben, nicht charakterisieren. Er postete gestern auf seiner Facebookseite folgende Worte zu nachstehendem Bild:
„Als ISIS tausende Muslime und Christen abgeschlachtet hat, Moscheen und Kirchen zerstörte, wo seid ihr gewesen? Ist in Deutschland die ISIS Flagge noch erlaubt? Wer gemeinsame Sache mit Terroristen macht, sollte sich Fragen, ob sein Einsatz "für Kinder" richtig ist und auf welcher Informationsbasis gehandelt wird.
FG, Ali Yildiz“

Doppelmoral hat kurze Beine
Auch möchte ich ein weiteres treffendes Zitat anführen und verlinken:
„Die Doppelmoral sowie der aggressive und respektlose Umgangston des türkischen Präsidenten Erdoğan drohen nun endlich zu einem gefährlichen außenpolitischen Boomerang zu werden. Nachdem Erdoğan seit nunmehr vier Jahren immer wieder durch antisemitische Statements auffält, hat nun Israel sein Botschaftspersonal abgezogen. Eine durch jüngste Statements des Präsidenten aufgestachelte Menge hatte die diplomatische Vertretung angegriffen. Es war nicht das erste solche Ereignis in der jüngeren Geschichte Türkei. Nach dem Mavi-Marmara Zwischenfall von 2010 stürmte ein aufgebrachter Mob antijüdische Schmähgesänge gröhlend das Spielfeld während eines Auswärtspiels der israelischen Basketballnationalmannschaft in der Türkei, um sie anzugreifen. Das Spiel musste abgebrochen werden. Erdoğan wirft Israel Völkermord und Staatsterror vor, erkennt aber selbst den wissenschaftlich einwandfrei bewiesenen Völkermord des Osmanischen Reiches, Vorgängerstaat der heutigen Türkischen Republik, an den Armeniern, Aramäern / Assyrern, pontischen und ionischen Griechen sowie Kurden êzidischen Glaubens nicht an, und lässt zur Zeit kurdische Demonstrationen gegen die ISIS im Osten des Landes brutal niederknüppeln. Auch griff er in seiner Amtszeit immer wieder die israelische Siedlungspolitik auf oft polemische Art und Weise an. Am heutigen Samstag, den 19. Juli 2014, wurde beim IStGH Klage gegen die Türkei wegen ihrer Kriegsverbrechen, Völkerrechtsbrüche und der damit einhergehenden Siedlungsoplitik auf Zypern eingereicht.“
Klage gegen türkische Kriegsverbrechen in Zypern in Den Haag eingereicht
Der niedere, aber immer wieder wirkungsvolle rhetorische Trick von der „Umkehr des Sachverhalts“ ist es, der hier angewandt wird. Mit ihm lässt man eine gefährliche Rassenideologie, wie sie Europa seit knapp 60 Jahren in diesem Ausmaß nicht erlebt hat, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfsbereitschaft auferstehen.
Diesmal legt die politische Großwetterlage die nicht mehr zu überbietende und aufwieglerische Doppelmoral aber so schonungslos offen, wie nie zuvor.
Schlußwort
Den wenigen echten Friedenaktivisten auf den Demonstrationen sei schlussendlich noch gesagt. Gegen Krieg und Ungleichbehandlung der Palästinenser zu demonstrieren ist löblich und begrüßenswert. Dabei aber einen Schulterschluss mit Neonazis, Millî Görüş, UETD & Co. sowie deren Propagandawerkzeugen und völkischen Hasstiraden zu vollziehen, fügt der Sache irreparablen Schaden zu. Wer mit der ISIS sympathisiert, die Unterdrückung der Kurden, die Leugnung des durch das Osmanische Reich begangenen Völkermordes praktiziert, ihn sogar glorifiziert, Israel Kolonialismus vorwirft und ihn aber gleichzeitig auf Zypern verteidigt, kann nicht als Friedensaktivist wahrgenommen werden, sondern muss klar und deutlich als doppelmoralistischer Hetzer identifiziert sein.
Abseits der durch u.a. die erwähnten Organisationen kontrollierten Foren und Social Media Plattformen, zeigt das Netz nämlich auch, dass das Gros der politisch interessierten Bevölkerung Deutschlands hat aus der Geschichte gelernt hat, und dass die auf den Demonstrationen geäußerten Parolen zum Glück auf ganz viele Menschen eine abschreckende Wirkung haben.
Weiterführende Links zur Thematik
Die historische Dimension. Äußerst lesenswert!!! "Vom Zerfall des „Osmanischen Reiches“ bis zur Gründung Israels"
Neonazis und Islamisten gemeinsam gegen Israel
Warum Nazis mit Islamisten gegen Israel marschieren
Offener Brief von Charlotte Knobloch (Zentralrat der Juden) an Jürgen Todenhöfer
Eigene Notiz:
Todenhöfer wird in der deutschen Medienlandschaft immer wieder als Friedenfürst etikettiert und seine oft bärenstarken Gastbeiträge bei diversen Zeitungen legen dies auch nahe. Wer seine Facebookseite verfolgt, wird jedoch auf kurz oder lang eines Besseren belehrt. Dort macht er „den Westen“ für die die zum ersten Mal im 7. Jahrhundert von Statten gegangene konfessionelle Teilung des Islam verantwortlich und lässt reihenweise Kommentare zu, die o.g. Völker und Religionen beleidigen und verunglimpfen und schreckt nicht davor zurück das faschistische Basken mordende Franco-Regime im Spanien der 1970er zu verharmlosen.
Stellungnahme des BDAJ – So sieht differenzierte Kritik aus und nicht Rassenhass!
Während es einige daran beteiligte linksgerichtete Gruppierung vielleicht wirklich ernst mit Friedensaktivismus und Humanität meinen, haben jedoch längst diejenigen Kräfte, die seit Jahren durch antisemitische Aktivitäten auffallen, die Wortführung übernommen. Man hört auf den Demonstrationen kaum legitime Kritik an der israelischen Politik. Stattdessen ziehen oft gewaltbereite Truppen durch die Straßen, die rassistische Parolen von sich geben, die man in Europa und ganz besonders in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs für geächtet glaubte.
Wer da wie demonstriert
Die echten Friedensaktivisten werden in der Lautstärke gänzlich von Extremisten und Antisemiten absorbiert.
Es marschieren Neonazis Hand in Hand mit Mitgliedern radikaler sunnitischer Gruppierung und türkischen Rechtsradikalen, wie der vom Verfassungsschutz beobachteten Millî Görüş oder der sich zur Zeit insbesondere in Österreich aber auch Deutschland als geistiger Brandstifter Nr. 1 hervortuenden, und in ganz Europa operierenden, Lobbyorganisation der türkischen Regierungspartei AKP, der UETD.
Es ist jene Organisation, die angestachelt von ihrer Regierung Anfang Juni eine rassistische Fahrt gegen die Genozid-Gedenkstätte der Armenischen Gemeinde im niederländischen Almelo unternahm, und bereits in der jüngeren Vergangenheit durch antisemitische Kundgebungen auffiel:
Kaffeefahrt zur Störung der Totenruhe
Antisemiten und Rechtsradikale auf Pro-Erdogan-Demo
Anti-Israel-Demo am Sonntag in Wien: [...]"Die Justiz beobachtet derzeit mit erhöhter Sensibilität auch antisemitische Aktivitäten, insbesondere in sozialen Netzwerken", so Justizminister Wolfgang Brandstetter am Donnerstag"
Liest man sich die Beiträge auf den Social-Media-Plattformen dieser Organisationen durch, so gewinnt man den Eindruck, dass diese Organisationen und ihre Anhänger und Sympathisanten nur auf Krieg gewartet haben, um eine Pseudorechtfertigung zu haben ihren Judenhass heraus zu posaunen, ebenso wie sie sonst unverhohlen und von weiten Teilen der deutschen Politik toleriert, ja teilweise sogar protegiert, ihre rassistischen Ressentiments gegen Aleviten, Êzidin, Armenier, Aramäer, Griechen, Alawiten und schiitische Muslime Preis geben.
Kritik liest und hört man kaum, stattdessen werden, angestachelt von den jüngsten Äußerungen des türkischen Präsidenten und seinen europäischen Tentakeln, inflationär Ausgüsse geistiger Impotenz wie "Scheiß Juden", "Alle Juden sind Hurensöhne" oder "Vergast die Juden" zum Besten gegeben. Gegen §130 StGB wird reihenweise verstoßen und schlecht gemachte Propagandavideos der, die eigene Bevölkerung als Schutzschilde missbrauchenden HAMAS, dienen einer fatalen weiteren Radikalisierung.
Treffender als Ali Yildiz von Christlich-Alevitischen Freundeskreis der CDU hätte kann man wohl die Intentionen und den ideologischen Hintergrund derjenigen, die die Wortführung bei den Demonstrationen übernommen haben, nicht charakterisieren. Er postete gestern auf seiner Facebookseite folgende Worte zu nachstehendem Bild:
„Als ISIS tausende Muslime und Christen abgeschlachtet hat, Moscheen und Kirchen zerstörte, wo seid ihr gewesen? Ist in Deutschland die ISIS Flagge noch erlaubt? Wer gemeinsame Sache mit Terroristen macht, sollte sich Fragen, ob sein Einsatz "für Kinder" richtig ist und auf welcher Informationsbasis gehandelt wird.
FG, Ali Yildiz“

Doppelmoral hat kurze Beine
Auch möchte ich ein weiteres treffendes Zitat anführen und verlinken:
„Die Doppelmoral sowie der aggressive und respektlose Umgangston des türkischen Präsidenten Erdoğan drohen nun endlich zu einem gefährlichen außenpolitischen Boomerang zu werden. Nachdem Erdoğan seit nunmehr vier Jahren immer wieder durch antisemitische Statements auffält, hat nun Israel sein Botschaftspersonal abgezogen. Eine durch jüngste Statements des Präsidenten aufgestachelte Menge hatte die diplomatische Vertretung angegriffen. Es war nicht das erste solche Ereignis in der jüngeren Geschichte Türkei. Nach dem Mavi-Marmara Zwischenfall von 2010 stürmte ein aufgebrachter Mob antijüdische Schmähgesänge gröhlend das Spielfeld während eines Auswärtspiels der israelischen Basketballnationalmannschaft in der Türkei, um sie anzugreifen. Das Spiel musste abgebrochen werden. Erdoğan wirft Israel Völkermord und Staatsterror vor, erkennt aber selbst den wissenschaftlich einwandfrei bewiesenen Völkermord des Osmanischen Reiches, Vorgängerstaat der heutigen Türkischen Republik, an den Armeniern, Aramäern / Assyrern, pontischen und ionischen Griechen sowie Kurden êzidischen Glaubens nicht an, und lässt zur Zeit kurdische Demonstrationen gegen die ISIS im Osten des Landes brutal niederknüppeln. Auch griff er in seiner Amtszeit immer wieder die israelische Siedlungspolitik auf oft polemische Art und Weise an. Am heutigen Samstag, den 19. Juli 2014, wurde beim IStGH Klage gegen die Türkei wegen ihrer Kriegsverbrechen, Völkerrechtsbrüche und der damit einhergehenden Siedlungsoplitik auf Zypern eingereicht.“
Klage gegen türkische Kriegsverbrechen in Zypern in Den Haag eingereicht
Der niedere, aber immer wieder wirkungsvolle rhetorische Trick von der „Umkehr des Sachverhalts“ ist es, der hier angewandt wird. Mit ihm lässt man eine gefährliche Rassenideologie, wie sie Europa seit knapp 60 Jahren in diesem Ausmaß nicht erlebt hat, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfsbereitschaft auferstehen.
Diesmal legt die politische Großwetterlage die nicht mehr zu überbietende und aufwieglerische Doppelmoral aber so schonungslos offen, wie nie zuvor.
Schlußwort
Den wenigen echten Friedenaktivisten auf den Demonstrationen sei schlussendlich noch gesagt. Gegen Krieg und Ungleichbehandlung der Palästinenser zu demonstrieren ist löblich und begrüßenswert. Dabei aber einen Schulterschluss mit Neonazis, Millî Görüş, UETD & Co. sowie deren Propagandawerkzeugen und völkischen Hasstiraden zu vollziehen, fügt der Sache irreparablen Schaden zu. Wer mit der ISIS sympathisiert, die Unterdrückung der Kurden, die Leugnung des durch das Osmanische Reich begangenen Völkermordes praktiziert, ihn sogar glorifiziert, Israel Kolonialismus vorwirft und ihn aber gleichzeitig auf Zypern verteidigt, kann nicht als Friedensaktivist wahrgenommen werden, sondern muss klar und deutlich als doppelmoralistischer Hetzer identifiziert sein.
Abseits der durch u.a. die erwähnten Organisationen kontrollierten Foren und Social Media Plattformen, zeigt das Netz nämlich auch, dass das Gros der politisch interessierten Bevölkerung Deutschlands hat aus der Geschichte gelernt hat, und dass die auf den Demonstrationen geäußerten Parolen zum Glück auf ganz viele Menschen eine abschreckende Wirkung haben.
Weiterführende Links zur Thematik
Die historische Dimension. Äußerst lesenswert!!! "Vom Zerfall des „Osmanischen Reiches“ bis zur Gründung Israels"
Neonazis und Islamisten gemeinsam gegen Israel
Warum Nazis mit Islamisten gegen Israel marschieren
Offener Brief von Charlotte Knobloch (Zentralrat der Juden) an Jürgen Todenhöfer
Eigene Notiz:
Todenhöfer wird in der deutschen Medienlandschaft immer wieder als Friedenfürst etikettiert und seine oft bärenstarken Gastbeiträge bei diversen Zeitungen legen dies auch nahe. Wer seine Facebookseite verfolgt, wird jedoch auf kurz oder lang eines Besseren belehrt. Dort macht er „den Westen“ für die die zum ersten Mal im 7. Jahrhundert von Statten gegangene konfessionelle Teilung des Islam verantwortlich und lässt reihenweise Kommentare zu, die o.g. Völker und Religionen beleidigen und verunglimpfen und schreckt nicht davor zurück das faschistische Basken mordende Franco-Regime im Spanien der 1970er zu verharmlosen.
Stellungnahme des BDAJ – So sieht differenzierte Kritik aus und nicht Rassenhass!
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Sonntag, 1. Dezember 2013
Als die Armenier aus Maraş nach Uruguay flohen (Übersetzung von Ferda Çetins Artikel "Maraş'tan Uruguay'a Kaçabilen Ermeniler")
Beim hier vorliegenden Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Türkischen.
Der Artikel wurde ursprünglich von Ferda Çetin verfasst und kann im Original unter folgendem Link gelesen werden:
"Maraş'tan Uruguay'a Kaçabilen Ermeniler" von Ferda Çetin
Uruguay liegt am anderen Ende der Welt. Der heutige Stand der Technik erlaubt es, das Land innerhalb gerade einmal eines einzigen Tages mit dem Flugzeug zu erreichen. Vor hundert Jahren gab es keine Alternative zu den Schiffen, auf denen die Überfahrt dorthin fünf bis sechs Monate dauerte, um die unüberbrückbar erscheinende Entfernung zu bewältigen. Vor einigen Jahren besuchte der Journalist M.Ali Doğan im Rahmen seiner Lateinamerikaberichterstattung auch Uruguay. Als er hörte, dass dort eine große Anzahl von Armeniern lebt, erforschte er ihren Werdegang, fand die Geschichte eines hundert Jahre andauernden Exils vor und beschloss eine Reportage darüber zu machen.
Die Mehrheit der heute 70 bis 80 jährigen Kindergeneration der Armenier aus Maraş kennt jedes Detail im Leben ihrer Väter und Mütter. Jeder von ihnen erzählt von Völkermord, dem Beginn der Jugend in einer Flüchtlingsfamilie und von persönlichen Tragödien.
Die Auswanderer bauten sich in Uruguay in neues Leben auf. Dennoch haben sie nichts vergessen. Was auch immer notwendig war, um die Erinnerungen am Leben zu halten, haben sie getan. Es gibt sehr aktive Vereine. An bestimmten Tagen kommen dort drei Generationen zusammen.
Die Vereine tragen den Namen „Maraşlılar Derneği“ („Verein derer, die aus Maraş kommen“). Ein alter Armenier fragt M.Ali Doğan, woher er denn komme. Als dieser „Ich komme aus Maraş“ zur Antwort gibt, bricht Jubel aus. “Maraşlı olsun çamırdan olsun!” (zu dt. in etwa: „Wer aus Maraş kommt, der muss aus Lehm gemacht sein“)
Einst waren die Menschen gezwungen aus ihrer Heimat zu fliehen und es hätte nahe gelegen, in einem Nachbarland Zuflucht zu suchen. Aber die Massaker und das gewaltsame Vorgehen, mit dem sich die Armenier konfrontiert sahen, waren derart grausam, dass sie an die weitest möglich entfernten und unerreichbarsten Orte flohen. Daher bevorzugten sie es, nach Uruguay, Argentinien oder die USA zu emigrieren. Sie setzten alles daran sich von Unterdrückung, Barbarei und Gnadenlosigkeit zu entfernen.
Trotz dutzender Regierungswechsel nach Stattfinden des Völkermordes an den Armeniern, erkennt der türkische Staat, einschließlich der AKP, den Völkermord an den Armeniern nicht an. Im Gegenteil, sie versuchen eine Geschichte von Türken mordenden Armeniern und zufällig zu Stande gekommenen Todesfällen bei Umsiedlungsmärschen zu erzählen. Sie versuchen darüber hinaus, die Welt glauben zu machen, die Zahl der massakrierten Armenier beliefe sich nicht auf 1,5 Millionen, sondern es sei plausibler die Opfer auf 350.000 zu beziffern, was eine entschuldbare Zahl darstelle. Offizielle staatliche Historiker schrieben hunderte von Büchern, um der Bevölkerung diese Lügen glauben zu machen. Jedoch zeigen die in den letzten Jahren in rascher Folge veröffentlichten Erinnerungen armenischer Autoren die ganze Absurdität dieser Opferzahldebatte und führen uns die Wahrheit vor Augen.
Der 1889 in Mezre (Provinz Elazığ) geborene Vahan Totovents beschreibt seine tragische Geschichte in “Yitik Evin Varisleri” (zu Deutsch: „Die Erben des verlorenen Hauses“):
„Als wir Kinder in der Silvesternacht darauf warteten, dass der Weihnachtsmann uns unsere Neujahrsgeschenke bringt, hat der Tod an unsere Tür geklopft, ich hielt die Hand meines Vaters.
Sie haben uns freundlich die Hände geschüttelt. Arm in Arm gingen wir aus dem Haus. Während des Marsches durch den strahlend weißen Schnee verloren wir uns aus den Augen. Diejenigen, die jetzt fort gingen, kehrten nie wieder zurück…Den Verlust von Rebeka, eine der Cousinen die Vahan Totovents am meisten am Herzen lag, beschreibt er wie folgt:
Rebeka, die Tochter meiner Tante, war ein kräftig gebautes, gesundes, fleißiges Mädchen vom Geiste eines Dichters. Selbst ihre großen, reinen blauen Augen schienen einen einzustürzen drohenden Himmel erneuern zu können. Dieser Himmel ist über den vorher noch gen Morgenröte in die Höhe schießenden weißen Lilien, die Rebeka angepflanzt hatte, eingestürzt. Rebeka wurde in die arabischen Wüsten deportiert. Die Sonne hatte Muttermale in ihre Stirn und Wangen eingebrannt. All das erfahren zu haben, hat mein Herz ausgebrannt. Rebeka! Die Greuel, die Du erlebt hast schreibend auf mich nehmend, verneige ich mich vor Dir. Nimm hiermit die Tränen Deines Bruders an…“
Hagop Mintzuri aus dem Dorf Armı bei Erzincan, beschreibt die Geschehnisse zwischen 1897 und 1940 in seinen „İstanbul Anıları“ (Erinnerungen aus Istanbul) folgendermaßen:
Im April des Jahres 1915 begannen die Deportation und Vertreibung der Armenier in Istanbul. Ich war damals noch dort als Soldat. Im Mai kamen keine Briefe mehr aus der Heimat. Zweimal sendete ich ein Rückantworttelegramm, doch eine Antwort blieb aus. Auf das dritte Telegramm kam folgende Antwort: „Sie sind nicht hier und befinden sich irgendwo auf einer unbekannten Route“. Mein Großvater Melkon war 88 Jahre alt. Meine Mutter Nanik war 55 Jahre alt, meine Kinder Nurhan, Maranik, Arahit und Haço waren 6, 4, 2 Jahre bzw. erst 9 Monate alt. Meine Frau Voğıda war 29 alt. Wie sollten sie einen Marsch durchstehen? Mein Großvater hätte es nicht einmal bis zum Brunnen von Suazeg geschafft. Temer , ein Kurde aus Gamıh war gekommen. Er war Bauer bei Lusnik, der Tante meines Cousins. Soweit ich mich erinnern kann, hat er die Felder um ihr Haus bestellt. Er sprach ebenso gut wie wir armenisch. Er brachte mir die Nachricht, dass alle Armenier am 4. Juni aus dem Dorf gebracht wurden. Er erzählte mir, dass sie noch die Türen ihrer Häuser und die Tür der Kirche küssten bevor, sie das Dorf verlassen mussten. Wenn einer der Nächsten in ihrem Haus stirbt, wünschten sie sich dann nicht wenigstens gemeinsam zu sterben? Könnten sie dann noch arbeiten? Wer könnte dann schon noch Tag ein Tag aus weitermachen und arbeiten? Ich war Soldat und ich war Befehlen untergeben. Müsste ich sie loslassen und mich damit abfinden?“
Mit den Erinnerungen von Hagop Mintzuri, möchten wir erzählen, wie er als einziges Mitglied seiner Familie übrig bleibt.
Die aus Maraş stammenden Armenier in Uruguay vermissen die Erde und die Menschen in der alten Heimat. Mit Worten wie “Maraşlı olsun çamırdan olsun“ erzählen sie uns das. Vahan Totovents aus Harput fasst die Liebe und die Sehnsucht nach seinem Geburtsort in folgende Worte: „In diesem alten Land ruft die Sonne die Früchte herbei, sie haucht der den Boden überziehenden unerschöpflichen Vegetation Atem ein; Flüsse plätschern, es dämmert gleichmäßig, bis die Sonne in den Armen der Abendlichter untergegangen ist; eine bis zum Rand mit frischer Milch gefüllte silberne Schale schwimmt auf blauem Wasser, die Nächte sind erfüllt von Geistern mit der Stimme der Sterne, die Bäume schweben gen Horizont und alle Blumen vibrieren säuselnd“ (Vahan Totoventes studierte in den USA, bevor es ihn in die Sowjetrepublik Armenien zog. Von Stalins Regime wurde er dort 1936-1937 ins Gefängnis geworfen. Danach hörte man nie wieder etwas von ihm).
Wir haben den Armeniern nichts als Völkermord und Grausamkeit angetan. Das hat unglaublich tiefe Wunden bei den Überlebenden verursacht. Die Menschen hier in diesem Land (Uruguay) haben wir mit endloser Einsamkeit bestraft. Das haben wir denen angetan, die unsere guten Nachbarn waren, und sie haben uns ohne Nachbarn zurückgelassen. Unser Misstrauen und ihre innere Unruhe verhindern, dass wir aus unserer Einsamkeit erlöst werden.
Portal de los armenios del Cono Sur - spanischsprachige Seite der Armenischen Diaspora in Uruguay
Der Artikel wurde ursprünglich von Ferda Çetin verfasst und kann im Original unter folgendem Link gelesen werden:
"Maraş'tan Uruguay'a Kaçabilen Ermeniler" von Ferda Çetin
Uruguay liegt am anderen Ende der Welt. Der heutige Stand der Technik erlaubt es, das Land innerhalb gerade einmal eines einzigen Tages mit dem Flugzeug zu erreichen. Vor hundert Jahren gab es keine Alternative zu den Schiffen, auf denen die Überfahrt dorthin fünf bis sechs Monate dauerte, um die unüberbrückbar erscheinende Entfernung zu bewältigen. Vor einigen Jahren besuchte der Journalist M.Ali Doğan im Rahmen seiner Lateinamerikaberichterstattung auch Uruguay. Als er hörte, dass dort eine große Anzahl von Armeniern lebt, erforschte er ihren Werdegang, fand die Geschichte eines hundert Jahre andauernden Exils vor und beschloss eine Reportage darüber zu machen.
Die Mehrheit der heute 70 bis 80 jährigen Kindergeneration der Armenier aus Maraş kennt jedes Detail im Leben ihrer Väter und Mütter. Jeder von ihnen erzählt von Völkermord, dem Beginn der Jugend in einer Flüchtlingsfamilie und von persönlichen Tragödien.
Die Auswanderer bauten sich in Uruguay in neues Leben auf. Dennoch haben sie nichts vergessen. Was auch immer notwendig war, um die Erinnerungen am Leben zu halten, haben sie getan. Es gibt sehr aktive Vereine. An bestimmten Tagen kommen dort drei Generationen zusammen.
Die Vereine tragen den Namen „Maraşlılar Derneği“ („Verein derer, die aus Maraş kommen“). Ein alter Armenier fragt M.Ali Doğan, woher er denn komme. Als dieser „Ich komme aus Maraş“ zur Antwort gibt, bricht Jubel aus. “Maraşlı olsun çamırdan olsun!” (zu dt. in etwa: „Wer aus Maraş kommt, der muss aus Lehm gemacht sein“)
Einst waren die Menschen gezwungen aus ihrer Heimat zu fliehen und es hätte nahe gelegen, in einem Nachbarland Zuflucht zu suchen. Aber die Massaker und das gewaltsame Vorgehen, mit dem sich die Armenier konfrontiert sahen, waren derart grausam, dass sie an die weitest möglich entfernten und unerreichbarsten Orte flohen. Daher bevorzugten sie es, nach Uruguay, Argentinien oder die USA zu emigrieren. Sie setzten alles daran sich von Unterdrückung, Barbarei und Gnadenlosigkeit zu entfernen.
Trotz dutzender Regierungswechsel nach Stattfinden des Völkermordes an den Armeniern, erkennt der türkische Staat, einschließlich der AKP, den Völkermord an den Armeniern nicht an. Im Gegenteil, sie versuchen eine Geschichte von Türken mordenden Armeniern und zufällig zu Stande gekommenen Todesfällen bei Umsiedlungsmärschen zu erzählen. Sie versuchen darüber hinaus, die Welt glauben zu machen, die Zahl der massakrierten Armenier beliefe sich nicht auf 1,5 Millionen, sondern es sei plausibler die Opfer auf 350.000 zu beziffern, was eine entschuldbare Zahl darstelle. Offizielle staatliche Historiker schrieben hunderte von Büchern, um der Bevölkerung diese Lügen glauben zu machen. Jedoch zeigen die in den letzten Jahren in rascher Folge veröffentlichten Erinnerungen armenischer Autoren die ganze Absurdität dieser Opferzahldebatte und führen uns die Wahrheit vor Augen.
Der 1889 in Mezre (Provinz Elazığ) geborene Vahan Totovents beschreibt seine tragische Geschichte in “Yitik Evin Varisleri” (zu Deutsch: „Die Erben des verlorenen Hauses“):
„Als wir Kinder in der Silvesternacht darauf warteten, dass der Weihnachtsmann uns unsere Neujahrsgeschenke bringt, hat der Tod an unsere Tür geklopft, ich hielt die Hand meines Vaters.
Sie haben uns freundlich die Hände geschüttelt. Arm in Arm gingen wir aus dem Haus. Während des Marsches durch den strahlend weißen Schnee verloren wir uns aus den Augen. Diejenigen, die jetzt fort gingen, kehrten nie wieder zurück…Den Verlust von Rebeka, eine der Cousinen die Vahan Totovents am meisten am Herzen lag, beschreibt er wie folgt:
Rebeka, die Tochter meiner Tante, war ein kräftig gebautes, gesundes, fleißiges Mädchen vom Geiste eines Dichters. Selbst ihre großen, reinen blauen Augen schienen einen einzustürzen drohenden Himmel erneuern zu können. Dieser Himmel ist über den vorher noch gen Morgenröte in die Höhe schießenden weißen Lilien, die Rebeka angepflanzt hatte, eingestürzt. Rebeka wurde in die arabischen Wüsten deportiert. Die Sonne hatte Muttermale in ihre Stirn und Wangen eingebrannt. All das erfahren zu haben, hat mein Herz ausgebrannt. Rebeka! Die Greuel, die Du erlebt hast schreibend auf mich nehmend, verneige ich mich vor Dir. Nimm hiermit die Tränen Deines Bruders an…“
Hagop Mintzuri aus dem Dorf Armı bei Erzincan, beschreibt die Geschehnisse zwischen 1897 und 1940 in seinen „İstanbul Anıları“ (Erinnerungen aus Istanbul) folgendermaßen:
Im April des Jahres 1915 begannen die Deportation und Vertreibung der Armenier in Istanbul. Ich war damals noch dort als Soldat. Im Mai kamen keine Briefe mehr aus der Heimat. Zweimal sendete ich ein Rückantworttelegramm, doch eine Antwort blieb aus. Auf das dritte Telegramm kam folgende Antwort: „Sie sind nicht hier und befinden sich irgendwo auf einer unbekannten Route“. Mein Großvater Melkon war 88 Jahre alt. Meine Mutter Nanik war 55 Jahre alt, meine Kinder Nurhan, Maranik, Arahit und Haço waren 6, 4, 2 Jahre bzw. erst 9 Monate alt. Meine Frau Voğıda war 29 alt. Wie sollten sie einen Marsch durchstehen? Mein Großvater hätte es nicht einmal bis zum Brunnen von Suazeg geschafft. Temer , ein Kurde aus Gamıh war gekommen. Er war Bauer bei Lusnik, der Tante meines Cousins. Soweit ich mich erinnern kann, hat er die Felder um ihr Haus bestellt. Er sprach ebenso gut wie wir armenisch. Er brachte mir die Nachricht, dass alle Armenier am 4. Juni aus dem Dorf gebracht wurden. Er erzählte mir, dass sie noch die Türen ihrer Häuser und die Tür der Kirche küssten bevor, sie das Dorf verlassen mussten. Wenn einer der Nächsten in ihrem Haus stirbt, wünschten sie sich dann nicht wenigstens gemeinsam zu sterben? Könnten sie dann noch arbeiten? Wer könnte dann schon noch Tag ein Tag aus weitermachen und arbeiten? Ich war Soldat und ich war Befehlen untergeben. Müsste ich sie loslassen und mich damit abfinden?“
Mit den Erinnerungen von Hagop Mintzuri, möchten wir erzählen, wie er als einziges Mitglied seiner Familie übrig bleibt.
Die aus Maraş stammenden Armenier in Uruguay vermissen die Erde und die Menschen in der alten Heimat. Mit Worten wie “Maraşlı olsun çamırdan olsun“ erzählen sie uns das. Vahan Totovents aus Harput fasst die Liebe und die Sehnsucht nach seinem Geburtsort in folgende Worte: „In diesem alten Land ruft die Sonne die Früchte herbei, sie haucht der den Boden überziehenden unerschöpflichen Vegetation Atem ein; Flüsse plätschern, es dämmert gleichmäßig, bis die Sonne in den Armen der Abendlichter untergegangen ist; eine bis zum Rand mit frischer Milch gefüllte silberne Schale schwimmt auf blauem Wasser, die Nächte sind erfüllt von Geistern mit der Stimme der Sterne, die Bäume schweben gen Horizont und alle Blumen vibrieren säuselnd“ (Vahan Totoventes studierte in den USA, bevor es ihn in die Sowjetrepublik Armenien zog. Von Stalins Regime wurde er dort 1936-1937 ins Gefängnis geworfen. Danach hörte man nie wieder etwas von ihm).
Wir haben den Armeniern nichts als Völkermord und Grausamkeit angetan. Das hat unglaublich tiefe Wunden bei den Überlebenden verursacht. Die Menschen hier in diesem Land (Uruguay) haben wir mit endloser Einsamkeit bestraft. Das haben wir denen angetan, die unsere guten Nachbarn waren, und sie haben uns ohne Nachbarn zurückgelassen. Unser Misstrauen und ihre innere Unruhe verhindern, dass wir aus unserer Einsamkeit erlöst werden.
Portal de los armenios del Cono Sur - spanischsprachige Seite der Armenischen Diaspora in Uruguay
Dienstag, 23. April 2013
Morgenthau – Eine andere Sichtweise auf einen abgewendeten deutschen Alptraum
Wieder schreiben wir morgen den 24.April, wieder werden an diesem hierzulande kaum bekannten Gedenktag vermutlich keine Fernsehberichte über den ersten Völkermord des 21.Jahrhunderts an den christlichen Minderheiten im osmanischen Reich zu sehen sein.
„Der wahre Zweck der Deportation war Raub und Zerstörung, diese war in der Tat nichts anderes als eine neue Methode der Ausrottung. Als die osmanischen Behörden den Auftrag zu diesen Deportationen gaben, so sprachen sie das Todesurteil gegen ein ganzes Volk aus, sie wussten dies genau und das gut und versuchten das auch in unserer Anwesenheit nicht zu verstecken“ [Henry Morgenthau, Ambassador Morgenthau’s Story (New York: Doubleday, Page & Co.: 1919), pp. 307-309, 321-323]
Wir alle, und da kann ich wohl für jeden deutschen Staatsbürger sprechen, sind heute zurecht froh darüber, dass sich der Plan des US- Amerikanischen Finazministers Henry Morgenthau bzgl. des deutschen Werdegangs nach dem Zweiten Weltkrieg nicht durchsetzen konnte und wir stattdessen bis heute von den positiven Auswirkungen des Marshallplans profitieren dürfen. Heute lernen Schüler aller Schulformen sehr ausführlich, was der Marshallplan bedeutete. Zum Morgenthauplan hingegen wird nur gesagt, dass er einen nie zur Realisierung vorgesehenen Gegenentwurf zu diesem darstellte, der die Herunterwirtschaftung Deutschlands zu einem reinen Agrar – und Bauernstaat vorsah.
Wer Henry Morgenthau überhaupt war und was ihn zum Entwurf einer derart drastischen Maßnahme und zu seinem späteren Buch „Germany Is Our Problem“ bewegte, darüber lernen wir nichts, nicht einmal in Vorlesungen oder Seminaren an unseren Universitäten. Henry Morgenthau jr. war der Enkel jüdischer Einwanderer aus dem deutschen Mannheim. Sein Vater war zwischen 1913 und 1916 US-Botschafter in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. 1918 verfasste er einen Bericht über seine Erfahrungen dort.
Zwischen Kapitel 14 und 18 beschreibt er darin ausführlich und detailliert, wie er Zeuge des Völkermordes an den Armeniern wurde.
Hier der Link zum Buch:
Gesamtübersicht: Ambassador Morgenthau's Story
Kapitel 14: Ambassador Morgenthau's Story
Aus diesem Bericht stammt auch zu Beginn angeführtes Zitat. Wir halten also fest das Henry Morgenthau jr. mindestens durch Erzählungen seines Vaters Zeuge des ersten Völkermordes des 20. Jahrhunderts geworden sein musste und ebenso wie bei seinem Vater – das wird aus o.g. Bericht klar deutlich – haben wohl auch bei ihm die Greueltaten der Jungtürken bleibenden Eindruck hinterlassen. Das deutsche Kaiserreich war bekanntlich im ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet und lieferte Technologie, Infrastruktur und militärische Unterstützung für die systematischen Massaker an christlichen Minderheiten.
Die Ignoranz und Gleichgültigkeit des kaiserlich-deutschen Botschafters im Osmanischen Reich beschreibt Morgenthau Sr. in Kapitel 17 seines Berichts: Ambassador Morgenthau's Story.
So werden auch im deutschen Reich Presseberichte über die, bis zum diesem Zeitpunkt beispiellosen und in dieser Größenordnung noch nie dagewesenen ethnischen Säuberungsmaßnahmen, zensiert und erst nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg publik. Viele osmanische Kriegsverbrecher entgehen einer Auslieferung an die Alliierten indem sie sich ins Exil nach Deutschland flüchten. Prominentestes Beispiel hier ist sicherlich Talât Pasa, der am 15. März in der Hardenbergstraße in Berlin-Charlottenburg von Soghomon Tehlirian erschossen wird.
Das Protokoll zum Prozess gegen Tehlirian findet man hier:
Trial of Soghomon Tehlirian
Doch auch u.a. das osmanische Pendant zu Adolf Eichmann, Dr. Baheddin Cakir, findet in Berlin Zuflucht. Beide o.g. Massenmörder und Kriegsverbrecher werden bis heute auf dem türkischen Friedhof der von der DITIB betriebenen Berliner Sehitlik-Moschee verehrt – Ein Skandal!
Man muss wissen, dass der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. nicht nur Kriegsverbündeter sondern auch ein persönlicher Freund von Talât war. Eben jener Kaiser, der Deutschland und die Welt in einen verheerenden Weltkrieg stürzte und vom seinem Exil aus Briefe schrieb, in denen er „das Volk Judaä“ für seine Kriegsverbrechen verantwortlich machte. Wir halten also fest Morgenthau Sr. und Morgenthau Jr. erleben, wie die Welt von deutschem Boden aus in einen Krieg gestürzt wird. Sie werden als Diplomatenfamilie hautnah Zeuge wie erstmalig im 29. Jahrhundert ein ganzes Volk systematisch und mit akribisch kalkulierter ethnisch motivierter Grausamkeit auf seinem seit mehr als einem Jahrtausend angestammten Siedlungsgebiet quasi ausgerottet wird. Sie erleben wie die Täter ihren Strafen entgehen, lediglich in Abwesenheit verurteilt werden, ohne dass je ein Urteil vollstreckt würde, wie die wenigen überlebenden anatolischen Armenier 1923 durch die Konferenz von Lausanne und die Rücknahme der Gründung der Republik Hayastan nun endgültig aus ihrer Heimat fliehen müssen und gleichzeitig im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg antisemitische Demagogen peu à peu immer mehr Zulauf bekommen. Haben schon damals die bei den Morgenthaus die Alarmglocken geläutet? – Ich kann nur mutmaßen, aber es erscheint mir logisch. Als die Welt 1938-1945 ein zweites Mal und diesmal noch verheerender und grausamer von deutschem Boden aus in Brand gesetzt wird, dürften die schlimmsten Befürchtungen der deutsch-jüdischen Migrantenfamilie eingetroffen sein. Übertroffen wurden sie zweifelsohne als das ganze Ausmaß der Tragödie und Grausamkeit bei Eintreffen der alliierten Streitkräfte in den KZs deutlich wurde.
Eine nicht für möglich gehaltene grausame technokratische Weiterentwicklung der Ereignisse im osmanischen Reich war Realität geworden, die Shoah hatte stattgefunden und diesmal war das Volk der Morgenthaus, die wenige Jahre zuvor unmittelbare Zeugen der niemals geahndeten und mit kaiserlich-deutscher Unterstützung durchgeführten Verbrechen der jungtürkischen Führung des osmanischen Reichs an seinen christlichen Minderheiten wurden, selbst Opfer eines nun noch kaltblütiger und technokratischer durchgeführten Völkermordes, einem fatalen Déjà-Vu der Weltgeschichte. Weiterführend möchte ich hier empfehlen, sich der Lektüre Jean-Marie Carzous "Un génocide exemplaire" zu widmen.
Ich erinnere mich an einen Satz, in dem ein ehemaliger Geschichtslehrer einmal den Morgenthauplan abtat: "Der Morgenthau das war ein ganz radikaler Deutschenhasser". - Bei genauerer Betrachtung eine unhaltbare und reißerische Parole.
„Der wahre Zweck der Deportation war Raub und Zerstörung, diese war in der Tat nichts anderes als eine neue Methode der Ausrottung. Als die osmanischen Behörden den Auftrag zu diesen Deportationen gaben, so sprachen sie das Todesurteil gegen ein ganzes Volk aus, sie wussten dies genau und das gut und versuchten das auch in unserer Anwesenheit nicht zu verstecken“ [Henry Morgenthau, Ambassador Morgenthau’s Story (New York: Doubleday, Page & Co.: 1919), pp. 307-309, 321-323]
Wir alle, und da kann ich wohl für jeden deutschen Staatsbürger sprechen, sind heute zurecht froh darüber, dass sich der Plan des US- Amerikanischen Finazministers Henry Morgenthau bzgl. des deutschen Werdegangs nach dem Zweiten Weltkrieg nicht durchsetzen konnte und wir stattdessen bis heute von den positiven Auswirkungen des Marshallplans profitieren dürfen. Heute lernen Schüler aller Schulformen sehr ausführlich, was der Marshallplan bedeutete. Zum Morgenthauplan hingegen wird nur gesagt, dass er einen nie zur Realisierung vorgesehenen Gegenentwurf zu diesem darstellte, der die Herunterwirtschaftung Deutschlands zu einem reinen Agrar – und Bauernstaat vorsah.
Wer Henry Morgenthau überhaupt war und was ihn zum Entwurf einer derart drastischen Maßnahme und zu seinem späteren Buch „Germany Is Our Problem“ bewegte, darüber lernen wir nichts, nicht einmal in Vorlesungen oder Seminaren an unseren Universitäten. Henry Morgenthau jr. war der Enkel jüdischer Einwanderer aus dem deutschen Mannheim. Sein Vater war zwischen 1913 und 1916 US-Botschafter in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. 1918 verfasste er einen Bericht über seine Erfahrungen dort.
Zwischen Kapitel 14 und 18 beschreibt er darin ausführlich und detailliert, wie er Zeuge des Völkermordes an den Armeniern wurde.
Hier der Link zum Buch:
Gesamtübersicht: Ambassador Morgenthau's Story
Kapitel 14: Ambassador Morgenthau's Story
Aus diesem Bericht stammt auch zu Beginn angeführtes Zitat. Wir halten also fest das Henry Morgenthau jr. mindestens durch Erzählungen seines Vaters Zeuge des ersten Völkermordes des 20. Jahrhunderts geworden sein musste und ebenso wie bei seinem Vater – das wird aus o.g. Bericht klar deutlich – haben wohl auch bei ihm die Greueltaten der Jungtürken bleibenden Eindruck hinterlassen. Das deutsche Kaiserreich war bekanntlich im ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet und lieferte Technologie, Infrastruktur und militärische Unterstützung für die systematischen Massaker an christlichen Minderheiten.
Die Ignoranz und Gleichgültigkeit des kaiserlich-deutschen Botschafters im Osmanischen Reich beschreibt Morgenthau Sr. in Kapitel 17 seines Berichts: Ambassador Morgenthau's Story.
So werden auch im deutschen Reich Presseberichte über die, bis zum diesem Zeitpunkt beispiellosen und in dieser Größenordnung noch nie dagewesenen ethnischen Säuberungsmaßnahmen, zensiert und erst nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg publik. Viele osmanische Kriegsverbrecher entgehen einer Auslieferung an die Alliierten indem sie sich ins Exil nach Deutschland flüchten. Prominentestes Beispiel hier ist sicherlich Talât Pasa, der am 15. März in der Hardenbergstraße in Berlin-Charlottenburg von Soghomon Tehlirian erschossen wird.
Das Protokoll zum Prozess gegen Tehlirian findet man hier:
Trial of Soghomon Tehlirian
Doch auch u.a. das osmanische Pendant zu Adolf Eichmann, Dr. Baheddin Cakir, findet in Berlin Zuflucht. Beide o.g. Massenmörder und Kriegsverbrecher werden bis heute auf dem türkischen Friedhof der von der DITIB betriebenen Berliner Sehitlik-Moschee verehrt – Ein Skandal!
Man muss wissen, dass der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. nicht nur Kriegsverbündeter sondern auch ein persönlicher Freund von Talât war. Eben jener Kaiser, der Deutschland und die Welt in einen verheerenden Weltkrieg stürzte und vom seinem Exil aus Briefe schrieb, in denen er „das Volk Judaä“ für seine Kriegsverbrechen verantwortlich machte. Wir halten also fest Morgenthau Sr. und Morgenthau Jr. erleben, wie die Welt von deutschem Boden aus in einen Krieg gestürzt wird. Sie werden als Diplomatenfamilie hautnah Zeuge wie erstmalig im 29. Jahrhundert ein ganzes Volk systematisch und mit akribisch kalkulierter ethnisch motivierter Grausamkeit auf seinem seit mehr als einem Jahrtausend angestammten Siedlungsgebiet quasi ausgerottet wird. Sie erleben wie die Täter ihren Strafen entgehen, lediglich in Abwesenheit verurteilt werden, ohne dass je ein Urteil vollstreckt würde, wie die wenigen überlebenden anatolischen Armenier 1923 durch die Konferenz von Lausanne und die Rücknahme der Gründung der Republik Hayastan nun endgültig aus ihrer Heimat fliehen müssen und gleichzeitig im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg antisemitische Demagogen peu à peu immer mehr Zulauf bekommen. Haben schon damals die bei den Morgenthaus die Alarmglocken geläutet? – Ich kann nur mutmaßen, aber es erscheint mir logisch. Als die Welt 1938-1945 ein zweites Mal und diesmal noch verheerender und grausamer von deutschem Boden aus in Brand gesetzt wird, dürften die schlimmsten Befürchtungen der deutsch-jüdischen Migrantenfamilie eingetroffen sein. Übertroffen wurden sie zweifelsohne als das ganze Ausmaß der Tragödie und Grausamkeit bei Eintreffen der alliierten Streitkräfte in den KZs deutlich wurde.
Eine nicht für möglich gehaltene grausame technokratische Weiterentwicklung der Ereignisse im osmanischen Reich war Realität geworden, die Shoah hatte stattgefunden und diesmal war das Volk der Morgenthaus, die wenige Jahre zuvor unmittelbare Zeugen der niemals geahndeten und mit kaiserlich-deutscher Unterstützung durchgeführten Verbrechen der jungtürkischen Führung des osmanischen Reichs an seinen christlichen Minderheiten wurden, selbst Opfer eines nun noch kaltblütiger und technokratischer durchgeführten Völkermordes, einem fatalen Déjà-Vu der Weltgeschichte. Weiterführend möchte ich hier empfehlen, sich der Lektüre Jean-Marie Carzous "Un génocide exemplaire" zu widmen.
Ich erinnere mich an einen Satz, in dem ein ehemaliger Geschichtslehrer einmal den Morgenthauplan abtat: "Der Morgenthau das war ein ganz radikaler Deutschenhasser". - Bei genauerer Betrachtung eine unhaltbare und reißerische Parole.
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Samstag, 29. Dezember 2012
Angela Merkel macht eine Farce aus dem Bürgerdialog: Der meistgewählte wird Gesetzesvorschlag wird mit einem Satz abgetan und ad acta gelegt! Da passt etwas nicht zusammen!
Angela Merkel macht eine Farce aus dem Bürgerdialog: Der meistgewählte wird Gesetzesvorschlag wird mit einem Satz abgetan und ad acta gelegt! Da passt etwas nicht zusammen!!!
Als ich Anfang 2012 vom Bürgerdialog Notiz nahm, war ich positiv überrascht und glaubte an eine echte Chance und ernstgemeinte Aktion, die zu mehr Volksnähe und direkter Demokratie führen würde.
Mein folgender Mailwechsel, der an die Infoadressen aller Bundestagsparteien und die Piraten ging, erklärt, das ich einem Irrglauben und einer Bauernfängerei-Aktion aufgessenen bin:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Verwundern und zugegebenermaßen auch einem beträchtlichem Maße an Entsetzen musste ich diese Woche folgenden Artikel lesen:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wie-merkel-mit-den-buergern-diskutiert-a-842305.html
Es mag sein, dass ich mit meinen aktuell 27 Jahren an Lebenserfahrung noch bisweilen zu idealistisch denke, aber erlauben Sie mir bitte im Folgenden meiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen.
Zunächst dachte ich noch, was für eine gute Idee von Frau Merkel, eine Aktion wie den Bürgerdialog ins Leben zu rufen, um zu erfahren, was die Bürger und somit die Wähler denken.
Was nun offensichtlich daraus geworden ist, ist nichts weiter als ein plumper Publicitygag der Bundeskanzlerin, die damit beinahe meine Wählerstimme bekommen hätte.
Der Bürgerdialog suggeriert die Bereitschaft der Bundesregierung, mehr Bürgerbeteilung und damit einhergehend mehr direkte Demokratie zu ermöglichen.
Das Ergebnis ist das komplette Gegenteil dessen, was die ganze Aktion versprochen hat!
Der größte Skandal bei der ganzen Sache ist für mich, dass der mit gewaltigem Abstand auf Platz 1 gewählte Vorschlag, die Leugnung des Genozids an den Armeniern, Aramäern und Pontusgriechen im osmanischen Reich unter Strafe zu stellen wird ohne Begründung mit einem Satz "Das werde ich nicht unterstützen" eiskalt abgeschmettert.
Nahezu 160.000 Stimmen für den Gesetzesvorschlag zeichnen ein klares Bild: Die Menschen interessieren sich für die Thematik und sind von ihr bewegt. Eine breite Basis in der Bevölkerung, die die Grundlage jeglicher Form von Demokratie ist, befürwortet augenscheinlich den Vorschlag!
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich beim Völkermord im osmanischen Reich von 1915 um dasjenige historische Ereignis handelt, dass überhaupt erst zur Wortneuschöpfung "Völkermord / Genozid" geführt hat.
Erste Definitionen des Wortes Genozid finden sich schon in Raphael Lemkins Frühwerken, die von Anfang der 1930er Jahre stammen. Zugegebenermaßen fand nach der schrecklichen Erfahrung der Shoah ein Begriffmodifizierung statt. Doch auch hier besteht nun wieder ein direkter kausaler Zusammenhang zum Genozid an den christlichen Minderheiten im osmanischen Reich. Es sei ausdrücklich erwähnt, dass folgendes Zitat eines Deutscher Diktatoren, dessen Namen ich nicht ausschreiben möchte, historisch verbürgt ist: "Wer erinnert sich heute noch an die Auslöschung der Armenier".
Des Weiteren muss ich Ihnen sicherlich nicht näher erläutern, welche immense Bedeutung dieser Begriff für das heutige Völkerrecht hat.
Aufgrund des kausalen Zusammenhangs halten ich und mindestens noch 150.000 Andere ein Gesetz gegen die menschenverachtende Leugnung des Genozids im Anatolien des angehenden 20.Jahrhunderts für absolut richtig und längst überfällig!
Ein Gesetz gegen derartige Volksverhetzung muss endlich verhängt werden.
Dass es einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung beweist u.a. der Bürgerdialog.
Darüber hinaus bitte ich Sie, nicht zu vergessen, dass sich in diesem Jahr auch die alevitischen Verbände an den Gedenfeierlichkeiten zum 24.April beteiligt haben.
In Deutschland leben 500.000 Aleviten, von denen sich ein Großteil durch ihre Dachverbände sehr gut repräsentiert fühlt.
Die Behauptung, alle Deutschtürken seien automatisch auf dem Kurs der Regierung Erdogan, ist folglich schlichtweg Nonsens!
Des Weiteren bin ich mir natürlich dessen bewusst, dass der Erlass eines solchen Gesetzes zu diplomatischen Spannungen mit dem NATOpartner Türkei führen würde.
Hierzu muss mich allerdings ganz klar wie folgt positionieren: Wie in einer Ehe, müssen auch in einer politischen Partnerschaft bisweilen heftige Konflikte ausgetragen werden, um die Partnerschaft weiterzuentwickeln.
Wobei nach meinem Gerechtigkeitsempfinden klar sein sollte, dass ein Staat mit einem Artikel 301 in seiner Verfassung, was Sanktionen (wie Anfang Januar seitens der Türkei gegen Frankreich verhängt) eigentlich ganz kleine Brötchen backen müsste!
Mit freundlichen Grüßen,
Julian Tumasewitsch
Lediglich von der SPD bekam ich folgende mehr als unzureichende Antwort:
Sehr geehrter Herr Julian Tumasewitsch,
>
> Danke für Ihre Mail vom 7. Juli 2012, die Sie u.a. auch an die
> SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag gerichtet haben.
>
> Die SPD/Grüne-Koalition hat in ihrer Regierungszeit in der 15.
> Wahlpperiode zum 90. Jahrestag von "Erinnerung und Gedenken an die
> Vertreibungen und Massaker an den Armeniern 1915" gemeinsam mit den
> Fraktionen CDU/CSU und FDP den angefügten interfraktionellen Antrag in
> den Bundestag eingebracht. Dieser Antrag wurde am 16. Juni 2005 im
> Plenum angenommen.
> Schon die Überschrift und die Formulierungen im ersten Absatz machen
> deutlich, worin der parteiübergreifende Konsens hierzu in Deutschland
> besteht - und warum für eine wie von Ihnen vorgeschlagenen
> Gesetzesinitiative nach dem Beispiel Frankreichs in Deutschland
> parteiübergreifend Unterstützung kaum denkbar wäre.
> Eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte ist notwendig und die
> wichtigste Grundlage für Versöhnung - dieses zu leisten ist Aufgabe und
> Verantwortung der Beteiligten.
>
> Mit freundlichen Grüßen
> B.L.
Damit gab ich mich natürlich nicht zufrieden und antwortete erneut, erhielt aber keine Feedback mehr:
Sehr geehrte Frau L.,
ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, mir zu antworten und weiß zu schätzen, dass Sie meine Nachricht ernstgenommen haben.
Auf der anderen Seite birgt Ihr letzter Satz gewisse Wiedersprüche in sich:
"Eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte ist notwendig und die wichtigste Grundlage für Versöhnung - dieses zu leisten ist Aufgabe und Verantwortung der Beteiligten."
Es stellen sich mir nämlich daraus resultierend folgende Fragen:
1. Wie kann eine Versöhnung stattfinden, wenn die türkische Seite immerwieder nur durch Diffamierungen und Leugnung historisch einwandfrei belegter Tatsachen auftritt?
Beispiele sind nicht nur die anhaltende Völkermordsleugnung und die damit verbundene Beleidungung gegen alle Opfer und deren Nachkommen, sondern auch der Abriss der Völkerverständigungsdenkmals in der Stadt Kars, der Abriss des armenischen Friedhofs von Malatya, die Bezeichnung der Aramäer als "Vatan Hayni" (Vaterlandsverrätern), die seit 2003 Einzug in offizielle türkische Schulbücher gehalten hat, die Enteignung des Kloster Mor Gabriel durch den türkischen Staat sowie die ausdrückliche Begrüßung des Freispruchs der Sivas-Brandstifter durch den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, die für den Tod von 200 alevitischen Künstlern verantwortlich sind.
Von allen vom Völkermord betroffenen Völkern hat lediglich Armenien nun einen eigenen Staat, der militärisch, wirtschaftlich und bevölkerungsmäßig gar nicht in der Lage sein kann als gleichgestellter Verhandlungspartner gegenüber der Türkei aufzutreten.
Alle anderen leben weiterhin in einem türkischen Staat, der sie nicht nur durch den Artikel 301 und justizielle Willkür wie o.g. immer wieder schikaniert sondern auch noch eine extrem undemokratische 10%-Klausel, die eine parlamentarische Vertretung von Minderheiteninteressen systematisch verhindert.
Eine solche Politik kann wohl kaum zu Versöhnung führen und bedarf internationaler Proteste!
2. Wo ziehen Sie hier die Grenze zwischen Beteiligten und Nicht-Beteiligten, wo doch die kaiserlich deutsche Armee aktiv durch in ostanatolien und Istanbul stationierte Regimente und passiv durch die Lieferung von Logisitk und Infrastruktur (Bagdadbahn) an den beipiellosen Verbrechen beteiligt waren?
Wenn es sich um die Aufgabe der Beteiligten handelt, so sind alle Beteiligten des ersten Weltkrieges und insbesondere Deutschland als Verbündeter des osmanischen Reiches massivst in der Pflicht hier auf die türkische Politik einzuwirken.
Mit freulichen Grüßen,
Julian Tumasewitsch
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